Ein Leben für die Kunst

Visueller Künstler und Tanztheaterleiter VA Wölfl verstorben

Die Akademie der Künste Berlin trauert gemeinsam mit der Kunstwelt um VA Wölfl, der am 1. März 2026 in Heiligenhaus bei Düsseldorf verstorben ist.

Berlin, 04/03/2026

Was war VA Wölfl – bürgerlicher Name Volkhart Armin – nicht alles: Aktions- und Videokünstler, Maler, Fotograf, Choreograf, Tanztheaterleiter, Bühnen- und Theatermensch und vieles mehr. Geboren am 19. Dezember 1943 in Rouen, Frankreich, gehörte VA Wölfl seit 2007 der Sektion Darstellende Kunst der Akademie der Künste an. Mit ihm verliert das renommierte Institut und die internationale Kunst- und Tanzszene zugleich einen radikalen Grenzgänger zwischen Bildender Kunst, Fotografie, Performance und Tanztheater.

VA Wölfl studierte von 1961 bis 1966 Malerei, unter anderem bei Malerlegende Oskar Kokoschka an der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg. Anschließend setzte er seine Ausbildung bis 1969 an der Folkwang Hochschule fort, wo er Fotografie bei Otto Steinert und Willy Fleckhaus studierte. Früh zeigte sich sein außergewöhnlicher Blick, sein außergewöhnlich vielfältiges Talent: In New York porträtierte er Künstler wie Andy Warhol, und 1969 schuf er mit einer eindringlichen Schwarz-Weiß-Serie eine bis heute einzigartige fotografische Dokumentation des Woodstock-Festivals. Seitdem arbeitete er als freier Künstler.

Sein multidisziplinäres Werk fand einen weithin rezipierten künstlerischen Höhepunkt in den Bühnenarbeiten des Ensembles NEUER TANZ (1987–2024), das er gemeinsam mit der Choreografin Wanda Golonka gründete und ab 1995 allein leitete. In jährlich neu entstehenden Produktionen entwickelte Wölfl eine unverwechselbare, bildkünstlerisch inspirierte Ästhetik des Tanztheaters. Werke wie „Ballettabend, Revolver“ oder „Ich sah: Das Lamm auf dem Berg Zion, Offb. 14,1“ waren regelmäßig auf großen europäischen Bühnen und internationalen Festivals zu sehen und prägten Generationen von Künstlerinnen und Künstlern.

Charakteristisch für Wölfls Arbeit war ein präzises, zugleich offenes Zusammenspiel von Bewegung, Raum, Licht und Reflexion. Video, Malerei, Zeichnung, Schrift und Fotografie verband er zu Prozessen, die oft bewusst unvollendet blieben und dem Zufall Raum gaben. Akademie-Mitglied Reinhild Hoffmann würdigte ihn als Künstler, der aus der Tradition der subjektiven Fotografie kommend Licht zum handelnden Akteur machte, unerwartete Verläufe zuließ und seinen Arbeiten einen feinen, oft versteckten Humor einschrieb.

Für sein Schaffen wurde VA Wölfl vielfach ausgezeichnet, darunter mit dem World-Wide-Video-Award (1982), dem Deutschen Produzentenpreis für Choreographie (1995), dem Deutschen Kritikerpreis (2006) sowie der Nominierung für den Theaterpreis Der Faust in der Kategorie Beste Choreographie (2008).

Mit VA Wölfl verliert die Kunst- und Tanzwelt einen Künstler von kompromissloser Konsequenz und internationaler Ausstrahlung - ein echtes Unikat. Sein Werk bleibt als Herausforderung und wichtiger Impuls an Wahrnehmung und Denken lebendig.

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