Monika, Unvergessen
„Ihr Unterricht war eine Offenbarung“: Anette Stings erinnert sich an Monika-Maria Krauß-Saez
Von Anette Stings
Die Pandemie war für viele von uns eine dunkle Zeit, in der man Geduld, Verzicht und Nervenstärke üben musste. Es war auch eine Zeit, in der man von lieben Menschen getrennt wurde – manchmal sogar für immer, ohne die Möglichkeit eines Abschieds. So erging es auch mir, als meine geliebte Tanzdozentin Monika-Maria Krauß-Saez am 16. Mai 2021 einsam in einem Altenheim in Frankreich verstarb. Kaum vorstellbar, dass ausgerechnet sie, die so laut, so schillernd war, plötzlich leise und unbemerkt in einem kargen Zimmerlein erlosch — fast so, als hätte es sie nie gegeben.
In den letzten Jahrzehnten hatten Monika und ich uns viele Briefe geschrieben. Häufig hatte sie gesagt, ich solle doch ein Buch verfassen, denn sie fände meine Briefe so erfrischend zu lesen. Manchmal müsse man sich im Leben einfach sagen: „Why not?“ Niemals hatte ich sie ernst genommen. Aber am 16. Mai 2021 erhielt dieses „Why not?“ ganz plötzlich eine tiefgreifende Bedeutung: Warum nicht ein Buch über Dich, Monika?
27 Jahre lang, von 1979 bis 2006, hatte Monika an der berühmten Schule für professionellen Tanz von Rosella Hightower in Cannes Jazz-Tanz unterrichtet und ganze Schülergenerationen mit unbändiger Energie und heißen Rhythmen durch den Tanzsaal getrieben. Sie sah atemberaubend aus und hatte eine starke Persönlichkeit. Wir kannten sie nur sonnengebräunt, mit sexy Outfits. Vom klassischen Tanz kommend, war sie extrem hart zu sich selbst …und zu uns, aber ihr Unterricht war eine Offenbarung. Über ihre Karriere hatte Monika kaum gesprochen. So musste ich mich für die Buchrecherche auf eine spannende Reise in die Vergangenheit begeben, auf der ich tolle Entdeckungen gemacht, wunderbare Menschen kennengelernt und ergreifende Gespräche geführt habe.
Erste Solistin in Nürnberg-Fürth
Die erste Etappe führte nach Fürth, wo Monika in den Nachkriegsjahren in bitterster Armut aufgewachsen war. Nur durch Zufall erhielt sie ersten Tanzunterricht, der aufgrund der Zerstörung vieler Gebäude in einer Privatwohnung stattfand. 1959 gelang Monika die Aufnahme in das Ballettensemble der Bühnen Nürnberg-Fürth unter der Leitung der strengen Ballettdirektorin, Hildegard Krämer, einer der wenigen Frauen in dieser Rolle zur damaligen Zeit. Unter ihrer Ägide brachte das Ensemble tolle Werke zur Aufführung, die insbesondere durch die choreografische Kreativität der Ballettchefin und ihre Vorliebe für spektakuläre Inszenierungen hervorstachen. Beispiele sind das Ballett „Toccata“ (1961), „Der junge König“ (1963), „Der Feuervogel“ (1966), „Romeo und Julia“ (1967), „Der Wahnsinn des Orlando“ (1969), „Riter“ (1971), „Der wunderbare Mandarin“ (1973). Ab 1963 erhielt Monika Solorollen in den Krämerschen Balletten und avancierte schließlich zur Ersten Solistin.
Sie beeindruckte vor allem in ausdrucksstarken Rollen, etwa als Angelica im „Orlando“, als Jungfrau in „Riter“ oder als das Mädchen im „Mandarin“. Darüber hinaus ist erwähnenswert, dass das Nürnberger Ensemble bis 1971 das Fürther Stadttheater mitbespielte, so dass die Tänzer*innen auf bis zu 40 Abende im Monat kamen und ihre Vielseitigkeit in unterschiedlichsten Rollen, auch in Opern und Operetten, unter Beweis stellen mussten. 1972 fand am Nürnberger Opernhaus die deutsche Uraufführung des Musicals „West Side Story“ statt, eine Inszenierung, in der Monika mit der Figur der Graziella erstmals eine Rolle mit vielen Jazz-Tanzelementen übernahm, die für ihre spätere Lehrtätigkeit wegweisend wurde.
Das Buch erzählt im ersten Teil Monikas Kindheit im Fürth der 50er Jahre sowie ihre Karriere an den Bühnen Nürnberg-Fürth in den 60er und 70er Jahren, während der zweite Teil eine Erinnerungs-Collage an ihre Lehrtätigkeit an der École Supérieure de Danse de Cannes Rosella Hightower ist. Dank der vielen Zeitzeugenberichte, der zahlreichen Bilder und der Erinnerungen ehemaliger Schüler, die zum Teil inzwischen selbst eine beachtliche Karriere vorzuweisen haben, spiegelt das Buch eine tolle Couleur der Epoche und zeigt gleichzeitig, welchen Einfluss Monikas Wirken auf ihre internationale Schülerschaft genommen hat.
Ich bedanke mich herzlich bei allen interviewten Zeitzeugen und Mithelfern, die mich mit so viel Enthusiasmus bei der Entstehung dieses Werks unterstützt haben — 236 Seiten Erinnerungen an Monika und eine Tanzvergangenheit, die uns alle verbindet. Und für alle, die sich für das Buch interessieren: viel Spaß beim Lesen!
Das Buch kann leider nicht über den Handel bezogen werden. Interessenten können sich aber privat an die Autorin wenden, e-mail: ann.stings@gmail.com
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