Margot Fonteyn: 100 Jahre

Pick bloggt über eine große Ballerina

Als ich anfing zu tanzen, war die Fonteyn die Assoluta der westlichen Welt - an und auf Spitze - und des Royal Ballet London. Sie war neben Alicia Markowa, die noch bei den Ballet Russes getanzt hatte, die berühmteste britische Ballerina.

London, 19/05/2019

Geboren ist Margot Fonteyn am 18. Mai 1919 in Reigate (Südengland) als Peggy Hookham, aber aufgewachsen ist sie in Shanghai, das noch zum British Empire gehörte und wo der Vater eine gute Stellung hatte. Dort begann sie mit Ballettunterricht und kehrte schließlich nach London zurück, um u. a. an der Sadler‘s Wells School zu trainieren. Bald wurde sie dann auch in die Kompanie der Schule aufgenommen, und änderte ihren Namen – was recht verständlich ist, denn zu der Zeit waren eher russische Namen en vogue. Möglicherweise war Ninette de Valois, die Leiterin des Vic Well‘s, die Urheberin der Idee, dass man für eine Karriere einen guten Namen braucht, Frederick Ashton aber, damals noch Nachwuchs-Choreograf, gab ihr ihre erste Solopartie in „Kuss der Fee“. Von da an wuchs sie in das gesamte Ballett-Repertoire der Truppe und schließlich wurde die Kompanie geadelt und zog nach Covent Garden, mit dem Namen The Royal Ballet.

Fonteyns gesamte Rollen aufzuführen, würde zu lang dauern, die Uraufführung von Hans Werner Henzes Musik „Undine“ wurde 1958 ein großer Erfolg und Ashton schaffte es sogar, dass die Aufführung verfilmt wurde. Das war auch meine erste Begegnung mit dieser Musik und ihr. Und ich war besonders begeistert von der Schattenszene, bei der sie den ganzen Reiz einer jungen Dame ausspielen konnte. Ob das der Grund war, dass Balanchine von ihr etwas abfällig sagte, sie sei eine sehr hübsche und charmante Tänzerin? Eine Neoklassik-Interpretin war sie sicher nicht, dafür aber romantisch.

Das erste Mal, dass ich die Fonteyn auf der Bühne sah, war bei ihrem außergewöhnlichen Gastspiel in Stuttgart, gepartnert von Rudolf Nurejew im ebenfalls berühmten „Schwanensee“ von John Cranko. Durch Anne Wooliams, die rechte Hand von Cranko und die meine Lehrerin bei Folkwang gewesen war, gelang es mir, an eine Karte zu kommen. Ich saß eine Reihe schräg hinter Marcia Haydée und in der Pause kam das Publikum zu ihr und meinte, sie sei doch viel besser. Aber für Nurejew klatschen sie, obwohl er noch keinen Schritt getanzt hatte. Auch das hatte ich noch nie erlebt, dass ein Star nur erscheinen muss – großer Applaus ohne Rücksicht auf die Musik, das störte mich.

In der Zeit, in der ich beim National Ballet in Toronto war, kam das Royal Ballet mit „Schwanensee“, so dass ich eine andere Version des selben Balletts mit der gleichen Besetzung sehen konnte. Allerdings hatte Rudolf, den ich inzwischen persönlich kannte, offenbar keine Lust, die Rolle zu spielen. Die Fonteyn litt darunter, und im 3. Akt vermurkste sie die Fouettés (was in Stuttgart ebenfalls schon passierte). Sie war ein ehrliches Wesen und pfuschen lag ihr nicht. Es gibt von „Schwanensee“ auch einen Film der beiden Partner, in der Version von Nurejew mit dem Ballett der Wiener Staatsoper, in dem natürlich keine Fehler zu sehen sind!

Zu dieser Zeit war die Fonteyn weit über vierzig. In einem Alter, in dem andere Ballerinen längst die Schuhe an den Nagel gehängt haben, krönte Cranko ihre Karriere mit dem Stück „Poème de l'extase“, in dem sie keine Kunststücke vorführen musste, sondern die Herrenriege des Stuttgarter Balletts vor der Grande Dame leicht bekleidet für sie tanzte – mit herrlichen Kostümen und einem Bühnenbild aus der Zeit um die Jahrhundertwende, was die Ballerina sicherlich geliebt hatte. Auch die Musik des Komponisten Alexander Skrjabin von 1908 gab jedem der besten „Traumtänzer“ – Richard Cragun, Heinz Clauss, Egon Madsen, Jan Stripling und Bernd Berg – die Chance, vor ihr zu tanzen und sie auf Händen zu tragen. Das Stück ist immer noch im Repertoire!

Konstanze Vernon hatte eine gute Verbindung zu Margot Fonteyn und es gelang ihr, sie auch für die von ihr geleitete Ballett-Akademie in München zu interessieren, was die Ehren-Direktorin der Royal Academy, ein Amt, das sie lang inne hatte, wohl keine Überwindung kostete. Und das obwohl die von Queen Elizabeth II. geadelte Dame Margot Fonteyn, soweit ich weiß, nie selbst unterrichtet hat.

 

Kommentare

Noch keine Beiträge

Ähnliche Artikel

basierend auf den Schlüsselwörtern