„Das Wiener Ballett hat mich inspiriert“

Starballerina Lucia Lacarra tanzt zum Neujahrskonzert

Wien, 28/12/2006

„Natürlich kenne ich das Neujahrskonzert. Aus dem Fernsehen. Als ich Kind war, ich komme aus dem spanischen San Sebastian, war diese großartige Übertragung für mich die einzige Möglichkeit, Ballett zu sehen. Und es war für mich eine Inspiration.“ Lucia Lacarra klingt im Interview enthusiastisch. Die international gefeierte Gastballerina, die an der Bayerischen Staatsoper engagiert ist, konnte für den Auftritt im „Donauwalzer“ gewonnen werden.

Karin Veitl, ORF-Verantwortliche: „Ich habe überlegt, wie ein tänzerischer Bezug zu unserem aktuellen Dirigenten Zubin Mehta herzustellen ist, der lange Jahre Generalmusikdirektor an der Bayerischen Staatsoper war. Und dann war es fast naheliegend, die Münchener Ballerina Lucia Lacarra mit ihrem Partner Cyril Pierre zur Mitwirkung zu bitten.“ Der ORF hält damit an einer inzwischen zur Tradition gewordenen Ausrichtung fest: Denn seit Mitte der Neunziger Jahren arbeitet man nicht nur mit dem Wiener Staatsopernballett zusammen, sondern engagiert auch internationale Gastchoreografen und Tanzsolisten.

Lucia Lacarra, die an der Wiener Staatsoper bereits in einer Gala aufgetreten ist: „Es war eine Riesenüberraschung und eine Freude für mich, als der ORF anrief. Der Wiener Walzer ist etwas ganz Besonderes. Mit den Walzerformen, die ich gewöhnlich in den großen klassischen Balletten tanze, hat er nichts gemeinsam, da die hauptsächlich klassisch-akademisch choreografiert werden.“ Wohl aber habe ihr die Einstudierung von George Balanchines Meisterwerk, der Brahmsschen „Liebeslieder Walzer“, einen Geschmack davon gegeben. „Denn“, weiß die Ballerina, „Balanchine hat sich doch vom Wiener Salon-Walzer inspirieren lassen.“ Die choreografische Interpretation des „Donauwalzers“ wird live aus dem Schloß Schönbrunn übertragen. Christian Tichy, ehemaliger Ballettmeister der Staatsoper und erstmals Choreograf für das Neujahrskonzert: „Wir haben in München vorgeprobt. Ich nutze diese Situation auch und zeige als sanften Handlungsstrang, wie Gäste nach Wien kommen. In der Großen Galerie in Schönbrunn zeigen wir Eleganz, in Schloß Hof, wo wir im Sommer den Dynamidenwalzer mit der Wiener Solistin Dagmar Kronberger gedreht haben, bewegten wir uns auf der Wiese.“

Couturier und Kostüm-Designer Christof Cremer ließ sich von der Blütenpracht inspirieren: „Für den Dynamidenwalzer habe ich florale Motive gewählt, beim Donauwalzer aber drängte sich das große Abendkleid, von Christian Dior inspiriert, auf.“ Ob die Zuschauer allerdings Lucia Lacarras Füße sehen werden? Die Solistin lacht: „Ich tanze in Spitzenschuhen, damit lässt sich einfach anderes Schrittmaterial inszenieren. Das Kleid ist wunderbar, aber sehr lang.“ Eine Aufgabe für die Bild-Regie, die Ballettspezialist Brian Large besorgt.

Zur Person: Lucia Lacarra Werdegang Lacarra studierte Ballett in der renommierten Schule von Victor Ullate in Madrid. Ihr erstes Engagement führte sie zu Roland Petit nach Marseille, ehe sie bei Helgi Tomasson für das San Francisco Ballet unterschrieb.

Engagement: Seit der Spielzeit 2002/03 ist sie mit ihrem Partner Cyril Pierre, an der Bayerischen Staatsoper engagiert.

Rollen: In München gab Lacarra ihr Debüt in dem Werk von Jerome Robbins „In the night“, bald darauf folgte die Titelrolle in „Raymonda“. Mit ihrem breiten Repertoire ist sie immer wieder höchst gefragter Gast bei Gala-Programmen und zeigt sich dabei vor allem als hinreißende Interpretin von Choreografien von Roland Petit. John Neumeier lud die Ballerina unter anderem mit dem „Thais-Pas de deux“ nach Hamburg ein.


Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker wird am 1. Januar um 11.15 Uhr live im ORF und ZDF gezeigt. 

Mit freundlicher Genehmigung des Kurier

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