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Heidelberg

VON UNTERSCHIEDEN UND GEMEINSAMKEIT

„point of view“ mit Choreografien von Jai Gonzales in der Hebelhalle



Ihre Fähigkeit, Tänzer*innen mit ihrer persönlichen Ausstrahlung ins rechte (Bühnen-)licht zu rücken stellt Jai Gonzales mal wieder unter Beweis.


  • Point of View Foto © G. Krämmer
  • Point of View Foto © G. Krämmer

Alle stehen, einer liegt am Boden: Da kommt Spannung auf. Ist der Einzelne der Ausgegrenzte, der Andersartige, das Opfer – oder der einzig Entspannte? Blitzartig zeigt Jai Gonzales zu Anfang ihrer neuen Choreografie „Point of View“ die unterschiedlichen Sichtweisen auf die nur scheinbar gleiche Situation auf und demonstriert augenfällig, wie sich Wahrnehmung je nach Vorwissen und Erwartung des Betrachters ändert. In ihrer 40minütigen Choreografie „point of view“ in der Heidelberger Hebelhalle spielt sie unterschiedliche Standpunkte durch – oder eher Tanzlinien. Woher komme ich, wohin bewege ich mich, und wie kreuzt sich meine Bewegungsidee mit der anderer?

Unterschiedliche Standpunkte sind ein hoch aktuelles gesellschaftspolitisches Thema – Jai Gonzales demonstriert in ihrer Arbeit, wie individuelle Bewegungsmuster von drei Tänzerinnen und drei Tänzern am Ende in ein komplexes Ganzes münden können, ohne dass die Einzelnen ihre unverwechselbare Identität aufgeben müssen. Wie üblich hat sich die Choreografin zur Umsetzung ihrer Ideen starke Tänzerpersönlichkeiten gesucht, mit markanten individuellen Unterschieden. Über Jahre der regelmäßigen Zusammenarbeit hinweg ist dabei längst eine Art Ensemble entstanden.

Ihre Fähigkeit, Tänzer*innen mit ihrer persönlichen Ausstrahlung ins rechte (Bühnen-)licht zu rücken, stellen auch zwei weitere kurze Stücke dieses Abends unter Beweis. „Another point – homage to choreography“ verbindet den längsten Tänzer (Andrés Garcia Martinez) und die kleinste Tänzerin (Tina Lara Hogan) in einem Duo der besonderen Art, in dem der Schwerkraft auf witzige Weise ein Schnäppchen geschlagen wird. Wer sich hier gegen wen lehnt, wer wen stützt und m Ende für das gemeinsame Gleichgewicht verantwortlich ist, hängt nämlich keinesfalls an der Körpergröße, an Masse oder Gewicht…
Auch der Hüne Stavros Apostolatos, für gewöhnlich der sprichwörtliche Fels in der Brandung, bewegt sich im Solo „And another one“ mit unerwarteter Leichtigkeit und technischer Präzision. Mit von der Partie sind die russische Tänzerin Sade Mamedova, die Beweglichkeit und Kraft auf besondere Weise verbindet, der markante Glatzkopf Shota Inoue (Japan) sowie erstmals die Griechin Anastasia Brouzioti, selbst auch Choreografin und Dozentin.

Unterschiedliche Standpunkte müssen nicht notwendig aufeinanderprallen – vorausgesetzt, jeder fühlt sich nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Gemeinschaft verantwortlich. Das demonstriert dieser Abend ebenso dezent wie nachdrücklich.

Veröffentlicht am 22.11.2021, von Isabelle von Neumann-Cosel in Homepage, Gallery, Kritiken 2021/2022

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