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Heidelberg

FREMD, FREMDER, NOCH NIE GESEHEN

Howool Baek eröffnet mit "Foreign boy_trio" das TECart Dance 2020 – Festival für Neue Medien und Tanz in Heidelberg



Konsequent inszentiert Baek ungewohnte Blicke auf den Körper und verhandelt das Fremdsein auf ganz besondere Art und Weise.


  • "foreign body trio" von Howool Baek: Matthias Erian, Nicole Michalla, Lorenzo Savino, Shoko Seki Foto © Günter Krämmer
  • "foreign body trio" von Howool Baek: Matthias Erian, Nicole Michalla, Lorenzo Savino, Shoko Seki Foto © Günter Krämmer
  • "foreign body trio" von Howool Baek: Matthias Erian, Nicole Michalla, Lorenzo Savino, Shoko Seki Foto © Günter Krämmer

Gibt es Bewegungen, die keinerlei Tanztradition entsprungen sind, keine Geschichten erzählen, nicht an Alltagsbewegungen anknüpfen, keine emotionale Bedeutung transportieren, weder typisch für irgendein Lebensalter noch genderspezifisch sind – und trotzdem so spannend, dass sie ein 60-Minuten-Programm ausfüllen? Die Koreanerin Howool Baek gab im Eröffnungsstück des neuen, fünf Abende umfassenden "TECart Dance Festival" für Medienkunst und Tanz (konzipiert von Jai Gonzales und Bernhard Fauser) eine überzeugende künstlerische Antwort auf diese Fragen. Ihre drei Akteur*innen in der Choreografie "Foreign body_trio" (zwei weiblich, einer männlich) sind so unterschiedlich, wie Tänzer*innen nur sein können. Das Publikum in der Hebelhalle hat ausgiebig Gelegenheit, ihre Körper zu studieren – allerdings aus ungewohnter Perspektive. Die Choreografin lässt ihre Protagonist*innen mit blankem Oberkörper konsequent kopfüber agieren; die Gesichter sieht man nie. Dafür gewährt Howool Back völlig neue Blicke auf den menschlichen Torso und Einblicke in dessen Anatomie.

Die Schultern werden zu Beinstümpfen, die Wirbelsäule zur Gliederkette, die Einbuchtungen unter den Schlüsselbeinen zu verborgenen Augen und die Rippen zum temporären Klavier, dessen Tasten ein unsichtbarer Spieler bedient. Arme und Beine unterliegen ebenso einer konsequenten Verfremdung der Bewegungen; mal nehmen sie geometrische Formen an, mal geraten sie in reflektorische Zuckungen. Langsam verwandeln sich die Körper in dramatische Riesenvögel mit Flügelstummeln, in zappelnde Krebse, erschöpfte Insekten oder archaische Vierfüßler. Verbunden mit dem fast hypnotischen Sound, den Howool Baeks Partner Matthias Erian in einer Mischung aus Percussion und elektronischem Design live erzeugt, macht die Performance ihrem Titel alle Ehre: Was es heißt, fremd zu sein, hätte man konsequenter nicht ausdrücken können.

Veröffentlicht am 14.02.2020, von Isabelle von Neumann-Cosel in Gallery, Kritiken 2019/2020

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Kommentare zu "Fremd, fremder, noch nie gesehen"



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