HOMEPAGE



Frankfurt am Main

GLITZERFUMMEL VS T-SHIRT

Godani meets Forsythe bei der Dresden Frankfurt Dance Company



Beim neuen, namenlosen Tanzabend werden die Choreografien "Echoes from a Restless Soul", "N.N.N.N." und "From now on" präsentiert.


  • "Echoes from a Restless Soul", "N.N.N.N." und "From now on" der Dresden Frankfurt Dance Company; Zoe Lenzi und Gustavo Gomes Foto © Dominik Mentzos
  • "Echoes from a Restless Soul", "N.N.N.N." und "From now on" der Dresden Frankfurt Dance Company; Zoe Lenzi und Gustavo Gomes Foto © Dominik Mentzos
  • "Echoes from a Restless Soul", "N.N.N.N." und "From now on" der Dresden Frankfurt Dance Company; Zoe Lenzi und Gustavo Gomes Foto © Dominik Mentzos
  • "Echoes from a Restless Soul", "N.N.N.N." und "From now on" der Dresden Frankfurt Dance Company; Barbora Kubátová Foto © Dominik Mentzos
  • "Echoes from a Restless Soul", "N.N.N.N." und "From now on" der Dresden Frankfurt Dance Company; Amanda Lana, Vincenzo de Rosa und Barbora Kubátová Foto © Dominik Mentzos
  • "Echoes from a Restless Soul", "N.N.N.N." und "From now on" der Dresden Frankfurt Dance Company; Carola Sicheri und Vincenzo de Rosa Foto © Dominik Mentzos
  • "Echoes from a Restless Soul", "N.N.N.N." und "From now on" der Dresden Frankfurt Dance Company; Carola Sicheri, Amanda Lana, Tamás Darai und Vincenzo de Rosa Foto © Dominik Mentzos
  • "Echoes from a Restless Soul", "N.N.N.N." und "From now on" der Dresden Frankfurt Dance Company; Felix Berning, Tamás Darai, Vincenzo de Rosa und Amanda Lana Foto © Dominik Mentzos

Am Anfang war der Cut – Bills Fußstapfen waren einfach zu groß, als dass ein Nachfolger darin laufen könnte. Als Jacopo Godani vor drei Jahren überraschend das Erbe von William Forsythe (nach dessen wohl Burn-Out bedingtem Rückzug) antrat, gab es eine klare Trennung bis hin zur Namensänderung der Kompanie in „Dresden Frankfurt Dance Company“. Für das originelle, aus der Not geborene Finanzierungskonzept der Truppe legen die Städte Frankfurt und Dresden sowie die Bundesländer Hessen und Sachsen zusammen; dafür muss die Kompanie ihre Gunst gleichmäßig zwischen dem Bockenheimer Depot in Frankfurt und dem Kunstzentrum in Dresden-Hellerau verteilen.

Aber Jacopo Godani war nicht umsonst jahrelang Startänzer bei Forsythe, als dieser noch die Tanzsparte am Frankfurter Theater leitete – und sich anschickte, das Bewegungsrepertoire des klassischen Balletts auf seine Effekte hin abzuklopfen und systematisch zu dekonstruieren. Mit sicherem zeitlichen Abstand und der Vertragsverlängerung für seine Kompanie bis Ende 2021 in der Tasche knüpfte Godani schon mehrfach an die legendäre Vergangenheit an. In seinem neuen Tanzabend, der im Bockenheimer Depot seine Premiere erlebte, rahmen zwei eigene Stücke die Neuinszenierung von Forsythes Choreografie „N.N.N.N.“ ein. Dieses Stück, eines der zahlreichen Signatur-Pieces von Forsythe, erlebte seine Premiere 2002 am gleichen Ort. Vier Tänzer im typischen casual Outfit (Hosen in gedeckten Farben, farbige T-Shirts) zelebrieren das Kunststück, Teile eines einzigen (über)beweglichen Körpers zu werden. Dabei hilft keine Musik – Forsythes ehemaliger Hauskomponist Thom Willems lässt nur die Atemgeräusche verstärken, die dem Stück seinen eigenen Rhythmus bescheren. Es fängt mit dem Pendeln der Arme an, und die eigenwillige Konzentration auf den scheinbar chaotischen Fluss der Armbewegungen hat sicher bei der originellen Besetzung einer Partie durch eine Tänzerin Rechnung getragen: Anne Jung verfügt über außergewöhnlich lange Arme. Der zwingende Fluss des Stückes entfaltete auch in der neuen Besetzung seine Wirkung: Abstimmung im Publikum mit Händen und Füßen. Forsythe kann’s, immer noch.

Godani selbst schwört in seinen beiden Beiträgen für diesen namenlosen Tanzabend auf Spitzentanz, auf technische Raffinesse, auf Glanz und Glitter und ästhetisch untadelige Gesamtkunstwerke. Eingangs zeigte er die Wiederaufnahme von „Echos from a Restless Soul“ (2017) zu den ersten beiden Teilen von Maurice Ravels Piano-Bravourstück „Gaspard de la Nuit“ (live gemeistert von Svjatoslav Korolev). Akustisch wird die Romantik befeuert und zu Grabe getragen, tänzerisch setzt Godani auf zwei futuristisch anmutende Paare im metallischen Glitzerlook. Sie verschlingen sich miteinander zu zweit und zu viert – höchst artifiziell, künstlich und kühl.

In seiner Neukreation „From Now on“ für sieben TänzerInnen ist dafür Spaß angesagt: ein bisschen schrill – ganz wie Steven Mackeys „Physical Property“, eine Komposition für Streichquartett und E-Gitarre. Quietschbunt sind die Glitzerbodys der Tänzerinnen, zackig und perfekt durchgespielt die energetisch hoch aufgeladenen Formationen. Ähnlich wie bei Forsythe steht die Gruppe im Mittelpunkt, die Godani effektvoll zur ästhetischen Einheit zusammenwachsen lässt. Mit der ehrgeizigen Titelfindung ließ er sich Zeit bis zur Premiere – ganz wie Forsythe Namensgebungen für seine Arbeiten in letzter Minute zu zelebrieren pflegte. Der aber hatte dem Spitzentanz selbst in seinen Ballett-geprägten Zeiten mehr Reibung entgegenzusetzen. Sich gegen einen Choreografie-Giganten zu behaupten, ist schwer – und besonders, dann, wenn die glatte Oberfläche keine Reibung zulässt.

Veröffentlicht am 15.10.2018, von Isabelle von Neumann-Cosel in Homepage, Kritiken 2018/2019

Dieser Artikel wurde 902 mal angesehen.



Kommentare zu "Glitzerfummel vs T-Shirt"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung




    Ähnliche Beiträge

    ALLE PARTNER BEISAMMEN

    Kooperation mit der Dresden Frankfurt Dance Company wird fortgesetzt

    Die Finanzierung der Dresden Frankfurt Dance Company bis zum 31. Dezember 2021 gesichert.

    Veröffentlicht am 18.11.2017, von Pressetext


    DER CHARME DER UNVOLLKOMMENHEIT

    Das erste F°LAB – Festival for Performing Arts in Frankfurt beweist Mut

    Tänzerinnen und Tänzer der Dresden Frankfurt Dance Company eröffnen mit zehn choreografischen Arbeiten an zwei Abenden.

    Veröffentlicht am 27.06.2017, von Boris Michael Gruhl


    DRESDEN BEKENNT SICH ZUM FORTBESTAND DER DRESDEN FRANKFURT DANCE COMPANY

    Die Spielzeitpressekonferenz in Hellerau liefert mit Rückblick und Vorschau auf neue Vorhaben die beste Begründung

    Veröffentlicht am 30.05.2017, von Boris Michael Gruhl


    POESIE UND ERSCHRECKEN

    Jacopo Godanis „Extinction Of A Minor Species“ für die Dresden Frankfurt Dance Company im Bockenheimer Depot

    In seiner neuen Kreation nimmt Godani eine Erforschung der Möglichkeiten des Tanzes vor und verbindet Techniken des Balletts mit denen zeitgemäßer Ausdrucksmittel des modernen Tanzes.

    Veröffentlicht am 02.05.2017, von Boris Michael Gruhl


    OHNE WENN UND ABER

    Der "Dreiteilige Ballettabend" der Dresden Frankfurt Dance Company überzeugt

    Der Tanz bezieht seine Kraft aus dem Dialog mit der Musik. Sind es in den beiden ersten Teilen live gespielte Werke von Béla Bartók und Maurice Ravel, so fügt sich zum rasanten Finale die zugespielte elektronische Komposition von 48Nord.

    Veröffentlicht am 21.11.2016, von Boris Michael Gruhl


    AUSGEBILDET UND AUFGEFALLEN

    Fünf Absolventen der Palucca Schule tanzen bei Dresden Frankfurt Dance Company

    Der neue Abend der Kompanie in Hellerau verbindet einen Klassiker, eigentlich einen regelrechten Reißer der Moderne von William Forsythe aus dem Jahre 2000, mit der ersten Aufführung einer Choreografie des Spaniers Rafael Bonachela.

    Veröffentlicht am 26.09.2016, von Boris Michael Gruhl


    DIE EIGENE ARBEIT MIT KREATIONEN VON WILLIAM FORSYTHE IN BEZIEHUNG SETZEN

    Die Dresden Frankfurt Dance Company startet in Frankfurt

    Die Spannung im Bockenheimer Depot in Frankfurt war spürbar in Bezug auf „The Primate Trilogy“, die erste Produktion der neu besetzten Kompanie unter ihrem von Forsythe selbst erwählten künstlerischen Direktor und Choreografen Jacopo Godani.

    Veröffentlicht am 04.10.2015, von Boris Michael Gruhl


     

    LETZTE BEITRÄGE 'TANZ IM TEXT'


    ERINNERUNG AN DIE ZUKUNFT

    „Junges Theater“ präsentiert mit „ROOTS“ ein Tanzstück für Teenager
    Veröffentlicht am 19.11.2018, von Herbert Henning


    NUR DIE LIEBE KANN ERLÖSEN

    Stephan Thoss zeigt in Mannheim seine Erfolgschoreografie "Blaubarts Geheimnis"
    Veröffentlicht am 18.11.2018, von Isabelle von Neumann-Cosel


    LIEBESWAHN, EIFERSUCHT, GEWALT

    Johan Ingers einfallsreich-eigenwillige "Carmen" beim Ballett Basel
    Veröffentlicht am 18.11.2018, von Marlies Strech



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    100 JAHRE BAUHAUS. DAS ERÖFFNUNGSFESTIVAL

    Ein Feuerwerk der Künste in Berlin zum Auftakt des Bauhausjubiläums 2019

    Programm des internationalen Eröffnungsfestivals, das vom 16.– 24. Januar 2019 in der Akademie der Künste, Berlin, das Jubiläumsjahr mit einem Feuerwerk der performativen Künste eröffnet.

    Veröffentlicht am 02.11.2018, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    EIN WÜRDIGER AUFTAKT ZUM CRANKO-FEST

    „Onegin“ beim Bayerischen Staatballett
    Veröffentlicht am 07.02.2018, von Karl-Peter Fürst


    STUMPFER GLANZ

    Auftakt der Saison 2018/2019 am Bayerischen Staatsballett
    Veröffentlicht am 29.10.2018, von Karl-Peter Fürst


    LETZTER WALZER IN STUTTGART

    Alicia Amatriain tanzte 2003 in „Lulu“ die Titelrolle – und jetzt erneut 2018
    Veröffentlicht am 18.06.2018, von Marlies Strech

    MEISTGELESEN (30 TAGE)


    TANZ 28: NEW WAVES

    «Tanz Luzerner Theater» eröffnet die Spielzeit 18/19 am Samstag 13. Oktober um 19.30 Uhr mit dem Triple-Bill-Abend «New Waves».

    Veröffentlicht am 28.08.2018, von Anzeige


    RAUM, KLANG, TANZ

    Initiation der Elbphilharmonie-Foyers mit Sasha Waltz & Guests' „Figure Humaine“

    Veröffentlicht am 02.01.2017, von Annette Bopp


    HELLMUTH MATIASEK FEIERT HEUTE SEINEN 85.GEBURTSTAG

    Pick bloggt über seinen langjährigen Intendanten Hellmuth Matiasek und reist in Gedanken von Rosenheim bis nach Japan

    Veröffentlicht am 15.05.2016, von Günter Pick


    STUMPFER GLANZ

    Auftakt der Saison 2018/2019 am Bayerischen Staatsballett

    Veröffentlicht am 29.10.2018, von Karl-Peter Fürst


    "SÜCHTIG NACH SEINEN BALLETTEN"

    Ein Gespräch mit Patricia Neary über die Einstudierung von "Jewels" in München

    Veröffentlicht am 23.10.2018, von Miriam Althammer



    BEI UNS IM SHOP