HOMEPAGE



München

TO WHOM IT MAY CONCERN

Adolphe Binder reagiert in einem offenen Brief auf ihre Entlassung



Die Wellen in der Causa Tanztheater Wuppertal schlagen hoch: Nachdem tanznetz.de die Pressemitteilung des Beirates des Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch veröffentlicht hat, publzieren wir nun die Stellungnahme der gekündigten Ballettintendantin


  • "Neues Stück II" von Alan Lucien Øyen Foto © Ursula Kaufmann
  • "Neues Stück II" von Alan Lucien Øyen Foto © Ursula Kaufmann
  • "Neues Stück II" von Alan Lucien Øyen Foto © Ursula Kaufmann
  • "Neues Stück II" von Alan Lucien Øyen Foto © Ursula Kaufmann
  • "Neues Stück II" von Alan Lucien Øyen Foto © Ursula Kaufmann
  • "Neues Stück II" von Alan Lucien Øyen Foto © Ursula Kaufmann
  • "Neues Stück II" von Alan Lucien Øyen Foto © Ursula Kaufmann

Die Entscheidung des Beirates, mich mit sofortiger Wirkung von meinen Aufgaben als Künstlerische Leiterin und Intendantin des Tanztheaters Wuppertal-Pina Bausch zu entbinden, von der ich zuerst über Pressevertreter erfuhr, habe ich mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen. Dieser Entschluss dient nicht der Zukunft des Tanztheaters. Die von der Geschäftsführung (GF) gegen mich erhobenen -mir nur teils offiziell bekannten- Vorwürfe sind unhaltbar und rechtfertigen keine Kündigung. Der Vollständigkeit halber möchte ich ergänzen, dass ich bereits im vergangenen Jahr unter Einbeziehung der verschiedenen Abteilungen des Tanztheaters einen Spielplan für die Spielzeit 2018/19 erstellt habe, der der GF seit Monaten und auch dem Beirat seit Juni vorliegt. Schwerpunkt ist das 10. Todesjahr von Pina Bausch mit diversen Wiederaufnahmen von Pina Bausch und anderen Choreographen, Neueinstudierungen länger nicht gezeigter Stücke und die Fortsetzung des in dieser Spielzeit begonnen Feuer & Flamme Partizipationsprojektes. Die Vorstellungen sind von den Veranstaltern teilweise angekündigt und Karten werden aktuell für Wuppertal, Tel Aviv, Sao Paulo, London, Paris und Antwerpen verkauft. Gastverträge für diverse Highlights in Wuppertal sind lange fest verabredet und von der GF bestätigt.

Seit meiner Berufung haben die Tänzer*innen, das Team und ich erfolgreich und mit großem Respekt füreinander zusammengearbeitet. Trotz enormer Hindernisse und fehlender Unterstützung durch die GF ist es gelungen, zwei Uraufführungen entwickeln, die national und international große Beachtung gefunden haben, in Wuppertal, Oslo und Amsterdam mit „Standing Ovation“ gefeiert wurden und bei den Koproduzenten und der internationalen Szene großen Zuspruch gefunden haben. Hinzu kommen Neueinstudierungen, neue Formate und Programmreihen, die Gewinnung neuer Partner und Mittel. Die Arbeit und das Werk der Choreographin Pina Bausch lebt, ist vital und wird nun bereichert. Das Ensemble hat seine Weltgeltung behauptet. Es war stets mein Ziel den Künstlern und der Kunst einen ehrlichen Echo Raum und eine produktive Plattform zu bauen. Neues schaffen, teilhaben lassen heißt auch unsicheres Terrain betreten: Eine Neubegegnung und ein Kraftakt, der nach Transparenz und Inspiration verlangt. Die Auslastung liegt über 90 Prozent, wir haben uns der nächsten Generation zugewandt, uns der Stadt geöffnet, internationale Metropolen begeistert, sind diverse Kooperationen eingegangen, haben neue Partner und frische Mittel gefunden. Die Sichtbarmachung unserer Prozesse, auch im Hinblick auf neue Publika, unsere Exzellenz-Förderung bei gleichzeitiger Verfolgung experimenteller und innovativer Ansätze wurden in der interkulturellen Arbeit neu verankert. Am 12. Juli wurde das Ensemble für die Bessie Awards für die neubesetzte Frühlingsopfer- Produktion in New York nominiert, andere saison-relevante Nominierungen werden demnächst publiziert. Es erstaunt schon, dass der Beirat in seiner Erklärung lediglich bereit ist, diese Arbeit als „künstlerische Impulse“ der Intendantin zu würdigen. Der künstlerische und kommerzielle Erfolg hat aber offenbar bei der Entscheidung, mich zu entlassen, keine Rolle gespielt.

Auch unter den schwierigsten Bedingungen hat das Ensemble bis zur letzten Vorstellung der Spielsaison (12. Juli) in Paris Leistungen auf höchstem künstlerischen Niveau erbracht. Es war immer und ist auch weiterhin handlungsfähig. Tanzkunst ist nur als Ensemblekunst denkbar. Ich bin stolz darauf, dass es mir gelungen ist, gemeinsam mit der Tänzerschaft, dem Repertoireteam, den Probeleitern etc. eine Atmosphäre zu schaffen, in sich Führungskompetenz mit kreativer Teamarbeit verbunden hat.

Der Geschäftsführer Dirk Hesse hat sich von Beginn an geweigert, die durch die Berufung einer Intendantin neu-geschaffene künstlerische Leitung zu akzeptieren und diese transparent in die Entscheidungsprozesse mit einzubeziehen. Statt die künstlerische Qualität und die künstlerische Weiterentwicklung des Tanztheaters in den Vordergrund zu stellen, wurde die Demonstration des Weisungsrechts des mir vorgesetzten Geschäftsführers zum zentralen Handlungsmotiv. Meine Arbeit wurde laufend behindert, Auskünfte zum Etat sowie eine Kooperation wurden mir verweigert und ich wurde persönlich diffamiert und herabgesetzt.

Der ungeregelte, sich widersprechende Zustand, dass nämlich die Intendanz zwar das alleinige Entscheidungsrecht in allen künstlerischen Angelegenheiten haben soll, während doch sämtliche Kompetenzen unbegrenzt nur bei der GF liegen, wird leider bis heute von der Stadt als Eigentümerin des Tanztheaters geduldet. Eine die Leitungsaufgaben klarstellende Geschäftsordnung, die an jedem Theater üblich ist und die es auch bei der Tanztheater Wuppertal Pina Bausch GmbH früher gegeben hatte, wurde ohne Begründung seitens der Stadt und des Beirats nicht erlassen. Es kann wohl angenommen werden, dass eine angemessene Geschäftsordnung sowohl der Geschäftsführung als auch der Intendanz in der Leitung des Tanztheaters geholfen hätte. Die vom Beirat und dem Kulturdezernenten Herrn Nocke in Aussicht gestellte Neustrukturierung des Tanztheaters ist zu begrüßen. Sie hätte aber vor der Schaffung der Position einer Intendanz und meiner Berufung erfolgen müssen und war von mir als Intendantin seit Frühjahr 2016 immer wieder gefordert worden.
Der Beirat setzt mit der Entscheidung sich von mir zu trennen, ein fatales Zeichen. Nicht die Kunst, also die Tänzer*innen und die künstlerische Leitung und Intendanz sollen den erfolgreich begonnenen Weg fortsetzen, sondern die kaufmännische Geschäftsführung bestimmt die künstlerische Zukunft des Tanztheaters. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Seit meiner Berufung im Februar 2016, zu der es aufgrund des Vorschlages einer Findungskommission, der auch Alistair Spalding angehörte, kam, habe ich alles getan, um gemeinsam mit den Tänzer*innen und den anderen Mitarbeiter*innen des Tanztheaters Neues zu erarbeiten und Altes lebendig und auf höchstem Niveau zu bewahren. Diese Arbeit mit dem großartigen Ensemble und für das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch GmbH wollte ich fortführen und bin deshalb nicht auf das Verlangen der Stadt und der GF, die schon seit Monaten eine Vertragsauflösung von mir fordern, eingegangen.

Veröffentlicht am 14.07.2018, von tanznetz.de Redaktion in Homepage, News 2017/2018

Dieser Artikel wurde 3336 mal angesehen.



Kommentare zu "To whom it may concern"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    AKTUELLE KRITIKEN


    SPRUNGBRETT

    Junge Choreografen des Ballett am Theater Pforzheim
    Veröffentlicht am 14.07.2019, von Gastbeitrag


    BITTE ANSCHNALLEN UND DIE FANTASIE FLIEGEN LASSEN

    Das ARTORT-Festival des Heidelberger UnterwegsTheaters auf dem Airfield
    Veröffentlicht am 12.07.2019, von Isabelle von Neumann-Cosel


    SELFIE MIT MONA LISA

    Die „Choreografische Werkstatt“ von und mit TänzerInnen des Nationaltheaters Mannheim
    Veröffentlicht am 11.07.2019, von Isabelle von Neumann-Cosel



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    GROßE PROGRAMMREIHE „OLD STARS - NEW MOVES" BEIM UNTERWEGSTHEATER

    Das UnterwegsTheater Heidelberg präsentiert 2019 ein hochkarätiges Programm mit Uraufführungen und Gastspielen

    Den Auftakt bildet "Reconstruction" von Jai Gonzales am 21. Februar 2019

    Veröffentlicht am 12.02.2019, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    ENGAGEMENT VERLOREN

    Sergei Polunin nicht mehr im "Schwanensee" an der Pariser Oper
    Veröffentlicht am 15.01.2019, von tanznetz.de Redaktion


    RAUSCHEN VON SASHA WALTZ & GUESTS

    Uraufführung am 7. März 2019 in der Volksbühne Berlin
    Veröffentlicht am 01.02.2019, von Anzeige


    HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

    Der Primaballerina Lynn Seymour zum 80. Geburtstag
    Veröffentlicht am 06.03.2019, von tanznetz.de Redaktion

    MEISTGELESEN (7 TAGE)


    EINS MIT SICH

    Solos von Urs Dietrich und Susanne Linke in der Heidelberger Hebelhalle

    Veröffentlicht am 02.07.2019, von Isabelle von Neumann-Cosel


    DANKE REGINE!

    Renate Killmann erinnert an Regine Popp

    Veröffentlicht am 12.07.2019, von Gastbeitrag


    EHRUNG FÜR JOHANN KRESNIK

    "Goldenes Verdienstzeichen des Landes Wien" für den bedeutenden Vertreter des choreografischen Theaters

    Veröffentlicht am 12.07.2019, von Pressetext


    MIKHAIL AGREST WIRD MUSIKDIREKTOR AM STUTTGARTER BALLETT

    James Tuggles geht nach 25 Jahren in Rente

    Veröffentlicht am 15.07.2019, von Pressetext


    EIN GROTESK VOLLGESTOPFTES T-SHIRT

    Bei der siebten Ausgabe der Tanz-Fabrik! stellten Mitglieder des Tanzensembles und Maciej Kuźmiński als Gast Choreografien im Regensburger Velodrom vor

    Veröffentlicht am 11.07.2019, von Michael Scheiner



    BEI UNS IM SHOP