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Die brasilianische Paraopeba Cia. De Danca bei der 27. Tanzwoche in Dresden



Keine leichte Kost: „tChibum”, portugiesische Lautmalerei für platschendes Wasser, widmet sich zweier völlig verschiedener Themen, Wassermangel in Brasilien und das Attentat auf die Redaktion des französischen Satire-Magazins „Charlie Hebdo“.


  • Die brasilianische Paraopeba Cia. De Danca waren Gewinner beim Festival de Dança de Joinville in der Kategorie Contemporary Dance Foto © Uwe Nimmrichter
  • Die brasilianische Paraopeba Cia. De Danca mit „tChibum“ bei der 27. Tanzwoche in Dresden Foto © Uwe Nimmrichter
  • Die brasilianische Paraopeba Cia. De Danca mit „tChibum“ bei der 27. Tanzwoche in Dresden Foto © Uwe Nimmrichter
  • Die brasilianische Paraopeba Cia. De Danca mit „Ich bin O.K.“ beim Workshop „Kurz & Gut – Inklusion“ im Rahmen der 27. Tanzwoche in Dresden Foto © Uwe Nimmrichter
  • Die brasilianische Paraopeba Cia. De Danca mit „Ich bin O.K.“ beim Workshop „Kurz & Gut – Inklusion“ im Rahmen der 27. Tanzwoche in Dresden Foto © Uwe Nimmrichter

Von Uwe Nimmrichter

Zehn junge Menschen, davon neun Tänzer, der Paraopeba Cia. De Danca haben sich im April auf den langen Weg von Brasilien in die Sächsische Landeshauptstadt gemacht, um an der 27. Tanzwoche in Dresden teilzunehmen. Und ohne Zweifel: Mit ihrer Leichtigkeit, ihrer Begeisterung und ihrem künstlerischen Anspruch waren sie eines der Highlights auf dem Dresdner Festival. Dabei behandelt das Bühnenstück alles andere als leichte Kost: „tChibum”, portugiesische Lautmalerei für platschendes Wasser, widmet sich zweier völlig verschiedener Themen: Wassermangel in Brasilien und das Attentat auf die Redaktion des französischen Satire-Magazins „Charlie Hebdo“. In diesem poetischen wie auch politischen Spagat trägt vor allem eins: Humor. Und dieser ist wichtig, wenn die Möglichkeiten begrenzt sind: Die brasilianischen Tänzer bewegen sich innerhalb des engen Raumes eines Wasserbassins. Der Freiheit des Ausdrucks tut das aber keinen Abbruch. Was dabei sichtbar wird, sind die Zerbrechlichkeit zwischenmenschlicher Beziehungen und alltägliche Übertreibungen und Süchte einer Gesellschaft, die sich in ständigem Konflikt mit sich selbst befindet.

„Keiner von uns kann von der Kunst leben“, erzählt Alan Keller, 39, der Gründer und Leiter der Tanzkompanie, „Alle gehen arbeiten, als Maurer, Putzfrau, Sport- oder Tanzlehrer, studieren oder tun beides. Geprobt wird Montag und Mittwoch 18.00 Uhr bis 22.00 Uhr, Freitag 18.00 Uhr bis 20.00 Uhr und am Wochenende jeweils 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr in einer Halle ohne Dach und mit Betonfußboden.“ Die schwierigen Umstände tun jedoch der Begeisterung der Tänzer und der Qualität der Arbeit keinen Abbruch. Alan Keller, der im Hauptberuf Kulturbürgermeister der Nachbarstadt Sete Lagoas ist, hat 2006 die Kompanie als soziales Projekt für benachteiligte Künstler gegründet. Inzwischen ist sie dem Status entwachsen. Bei Auftritten in Amerika und Europa hinterlassen sie überall ein begeistertes Publikum. 2017 gewannen sie beim Festival de Dança de Joinville, dem weltgrößten Tanzfestival mit mehr als 5.000 teilnehmenden Tänzern, den ersten Preis in der Kategorie Contemporary Dance. Auf dem Festival entdeckte sie auch der gebürtige Brasilianer und in Dresden arbeitende Choreograf und Regisseur Wagner Moreira, der den Kontakt zur Tanzwoche Dresden vermittelte.

„tChibum” ist ein Stück mit rasanten Tempowechseln auf engsten Raum, mit erstaunlichen schauspielerischen Fähigkeiten der Protagonisten und einer für Brasilien so typischen Lebensfreude, die innerhalb kürzester Zeit auf das Publikum überspringt. Diese Leichtigkeit stellten die Tänzerinnen und Tänzer auch bei „Kurz & Gut – Inklusion“ innerhalb der Tanzwoche unter Beweis: Am Rande des Dresdner Festivals haben die Brasilianer gemeinsam mit „Ich bin O.K.“ aus Österreich, eine Kompanie für Menschen mit und ohne Behinderung, in mehreren Workshops ein interaktives und sehr vielschichtiges Stück zum Thema „Inklusion“ erarbeitet. Bei der Präsentation begeisterte es derart, dass zum Schluss das gesamte Publikum im Projekttheater Dresden, dem Ort der Aufführung, tanzte.

„In jedem Falle werden wir Paraopeba Cia. De Danca auch im nächsten Jahr wieder einladen.“, ist sich D.G. Julius Skowronek, der Gründer und Direktor der Tanzwoche, sicher. Die Flugkosten in Höhe von 10.000 € müssen die Künstler jedoch selbst aufbringen, das Dresdner Festival kann sich nur um das kümmern, was in Deutschland passiert. In diesem Jahr wurde die Finanzierung der Reisekosten auf typisch brasilianische Art und Weise erledigt: Die jungen Leute fragten überall in ihrem krisengeschüttelten Land nach Unterstützung, verkauften zehn Vorstellungen ihres Stückes an ein Unternehmen und kochten Essen für ihr Publikum.

Veröffentlicht am 01.05.2018, von Gastbeitrag in Homepage, Gallery, Tanz im Text, Kritiken 2017/18

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