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München

AUFBRUCHSTIMMUNG BEI DER HEINZ-BOSL-STIFTUNG

Ballettmatinee im Nationaltheater München



Einmal mehr wird offensichtlich, welch breitgefächertes Ausbildungsspektrum die Ballettakademie in Müchen für den tänzerischen Nachwuchs von Morgen anbietet.


  • Heinz Bosl Matinée in München: "Klassenkonzert" Foto © Charles Tandy
  • Heinz Bosl Matinée in München: "Vivaldi Suite" Foto © Charles Tandy
  • Heinz Bosl Matinée in München: "Stimmenstrahl" von Maged Mohamed Foto © Charles Tandy
  • Heinz Bosl Matinée in München: "Nullpunkt" von David Russo Foto © Charles Tandy
  • Heinz Bosl Matinée in München: Pas de six aus "Schwanensee" Foto © Charles Tandy
  • Heinz Bosl Matinée in München: "Der Zar will Schlafen" Foto © Charles Tandy
  • Heinz Bosl Matinée in München: "Russischer Tanz" Foto © Charles Tandy

Wenn sich der Vorhang zur Matinee der Heinz-Bosl-Stiftung öffnet, darf man gespannt sein.
In bewährter Manier setzt man hier auf Qualität, so auch am vergangenen Sonntag im Nationaltheater. Es beginnt schon bei der Programmgestaltung, bei der klassische und moderne Choreografien abwechslungsreich miteinander in Beziehung gesetzt werden. Mit gleich vier Uraufführungen konnten die jungen Tänzerinnen und Tänzer ihr Können vor ausverkauftem Haus unter Beweis stellen.

Eröffnet wurde die Matinee mit der Uraufführung „Klassenkonzert“ in der Choreografie von Jan Broeckx und Kirill Melnikov mit Musik von Carl Czerny, Bach und Schostakowitsch. Vor einem hellblauen Hintergrund formierten sich Paare mit eindrucksvollen Hebungen, Pirouetten und Fouettées. Insbesondere Schostakowitschs Filmmusik zu „Die Hornisse“ sorgte für schnelle Beine und flinke Füße, die die Mittelstufe und die Bachelorstudierenden mit Bravour meisterten.

Nach dieser fulminanten Ouvertüre begrüßte Ivan Liška das Publikum in gewohnt lockerer Atmosphäre, nicht ohne darauf hinzuweisen, wie sehr ihm der Lebensweg dieser zukünftigen Tänzerinnen und Tänzer am Herzen liegt. So stellte er fest, dass draußen zwar bald Winter herrscht, aber im Haus der Frühling einzieht. Wie Recht er mit diesem Bild behielt, zeigten auch die weiteren Darbietungen der Matinee. Der Klassik verpflichtet folgte der Pas de six aus „Schwanensee“, choreografiert von Ray Barra, eindrucksvoll präsentiert vom Bayerischen Jugendballett. Besonderes Lob verdient dabei Justin Rimke, der federleicht und sprungkräftig nicht nur bei diesem Werk über die Bühne schwebte. Auch von dem Nachwuchstalent Violetta Keller konnte sich das aufmerksame und kundige Publikum überzeugen. Frisch ausgewählt für den Ballettwettbewerb „Prix de Lausanne“ faszinierte sie mit Leichtigkeit, Charme und Eleganz als Solistin im „Russischen Tanz“ von Tschaikowsky.

Die Uraufführung „Stimmenstrahl-Trio“ von Maged Mohammed bildete den Abschluss des ersten Teils dieses Ballettvormittags und fand im wahrsten Sinne Anklang. Gekonnt führte Mohammed die drei ausdrucksstarken Protagonisten Carolina de Souza Bastos, erneut Justin Rimke und Florimon Poisson zu einer Einheit zusammen, und souverän bediente er sich der Lichttechnik. Auch die Musik von Jacopo Salvatori erwies sich als Glücksfall, die – wie auch in der Choreografie – zu einer klanglichen Einheit, zu einem homophonen Chorklang verschmolz. Überhaupt darf man auf weitere Arbeiten von Mohammed gespannt sein. Ab März 2018 wird seine Choreografie zu „Der kleine Prinz“ wieder an der Bayerischen Staatsoper zu sehen sein.

Voller Stolz, in exakter Gruppenformation und zarten rosa Lichttönen präsentierten sich nach der Pause die Jüngsten. Kinder der Grund- und Mittelstufe und Bachelor 1 tanzten leichtfüßig paarweise oder in andern Gruppierungen nach Klängen von Vivaldi. Wie auch im letzten Jahr wurde die Vivaldi-Suite ins Programm genommen, weil sie sich durch ihre klare Formsprache musikalisch wie tänzerisch anschaulich interpretieren lässt. David Russos „Nullpunkt“ bildete als Uraufführung einen Kontrapunkt zu dem eher lieblichen, formbetonten Vivaldi. Dem modernen Werk liegt Goethes Gedicht „Eins und Alles“ zugrunde. Ausdrucksstark und vielschichtig haben Violetta Keller, Severin Brunnhuber und Diego Urdangarin dieses komplexe Werk einfühlsam auf die Bühne gebracht.

Dass das Bayerische Jugendballett das Publikum durch eine stark rhythmische, humorvolle und fast satirische Tanzsprache in den Bann zog, zeigte sich in der Interpretation von Ondrej Vinkláts und Štěpàn Pecharts „Der Zar will schlafen“. Einmal mehr wird offensichtlich, welch breitgefächertes Ausbildungsspektrum die Akademie anbietet – von Klassisch, Charaktertanz über Modern mit Artistik bis hin zu schauspielerisch anspruchsvollem Tanztheater.

Wenn Ivan Liška also auf den Frühling zu sprechen kommt, dann illustriert dies die Aufbruchsstimmung der jungen, förderungswürdigen Generation. Am 3. Dezember 2017 um 11.00 Uhr gibt es im Nationaltheater erneut die Gelegenheit, einen Ballettfrühling zu erleben.

Veröffentlicht am 21.11.2017, von Sabine Kippenberg in Homepage, Kritiken 2017/2018

Dieser Artikel wurde 6753 mal angesehen.



Kommentare zu "Aufbruchstimmung bei der Heinz-Bosl-Stiftung"



    • Kommentar am 15.02.2018 22:26 von Sabine Winkler
      Alles gut. Ein bisschen mehr Choreografen-Abwechslung mit neuen stilistischen Herausforderungen täte den Tänzer*innen noch besser. Im Profi-Leben bleibt es schließlich auch nicht bei einigen wenigen Choreografen.

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