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Mannheim

TANZEN – UND WAS NOCH?

Die „Choreografische Werkstatt“, gestaltet von Tänzern am Mannheimer Nationaltheater



Die Premiere im Mannheimer Kevin O’Day Ballett als Benefiz-Veranstaltung zugunsten der Stiftung TANZ – Transition Zentrum Deutschland


  • Foto © Hans Jörg Michel
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Für Tänzer ist nach der Vorstellung vor der Probe und vor der nächsten Vorstellung – viel Zeit für anderes bleibt nicht zwischen Ballettsaal und Bühne. Aber eine Tänzerkarriere dauert höchstens ein halbes Berufsleben lang; oft genug fehlt der Lebensplan B. Um Tänzer beim Übergang in ein zweites Berufsleben zu unterstützen, wurde die Stiftung TANZ – Transition Zentrum Deutschland gegründet.

Die Premiere der „Choreografischen Werkstatt“ im Mannheimer Kevin O’Day Ballett war eine Benefiz-Veranstaltung zugunsten dieser Stiftung – und rückte damit das Thema „Abschied“ auf hintergründige Weise in den Fokus. Daran werden sich die Tanzfans in der nächsten Spielzeit gewöhnen müssen, denn es ist die letzte der Ära O‘Day – nach vierzehn Jahren (und damit vor kurz vor dem Status der Unkündbarkeit) wird er im Herbst 2016 von Stephan Thoss abgelöst. Es könnte schon sein, dass das eine oder andere langjährige Mitglied des kleinen, bestens eingespielten Mannheimer Ensembles dann genau vor der Frage stehen wird: Was kommt nach dem Tanzen?

Vielleicht entwickelt sich für den einen oder anderen eine Choreografenkarriere. Kevin O‘Day hat während seiner Tätigkeit die kreativen Talente in seiner Company rege gefördert und aus der sommerlichen Pflichtübung der „Choreografischen Werkstatt“ einen kleinen Geheimtipp gemacht.
Originalität und Authentizität sind bei den Kurzbeiträgen für dieses Format gefordert, und überzeugen muss der Tanz pur, denn natürlich darf das alles nichts außer Engagement und Schweiß kosten. Sieben Kurzchoreografien sind entstanden, wie immer voller kleiner Überraschungen.

Ein fiktiver Publikumspreis wäre an Hitomi Kuhara gegangen, die drei ihrer Kollegen im Zeitraffer von Disco bis Dance Floor in einschlägiger Kostümierung flott machte: „No Parking on the Dance Floor“. Ebenfalls witzig war das „Stück 7“ von Tyrel Larson, nach eigener Einschätzung eher ein Happening als ein Tanzstück, zusammengesetzt aus überraschenden, unverhofften und schön absurden Begegnungen.

Ganz kurze Formate bieten die Chance, Bewegungssprache sehr genau zu nehmen. Zoulfia Choniiazowa kreierte für ihre Kollegin Julie Headley das Solo „Memoryhouse“, in dem sie sich an ihre tänzerische Vergangenheit erinnert, die im klassischen Ballett wurzelt. Julia Headley wiederum ließ Veronika Kornová-Cardizzaro den Zwiespalt zwischen „Give and Take“, zwischen Müssen und Wollen, ausloten. Und sie selbst interpretierte in einem Solo („I choose to be…“) das Gedicht „Phenomenal Woman“ von Maya Angelou. Julie Pécard schließlich kreierte einen Pas de Deux für Julia Headley und Dávid Kristóf („en-visage“), in dem die beiden als Gefangene ihrer eigenen Verpflichtungen und selbst auferlegten Grenzen aufeinandertreffen.

Ganz viele Themen auf einmal hatte sich dagegen Davidson Jaconello in „The Other(s)“ vorgenommen und als Doppeltalent auch gleich selbst die Musik dafür kreiert. In fünfköpfiger Besetzung erscheinen hier die jeweils anderen in vielen, blitzartig wechselnden Rollen im breiten Spektrum zwischen Freund und Feind. Schnelle Wechsel kennzeichnen schließlich auch das Stück „Struktur“ von Dávid Kristóf, der den Energiefluss in einer sechsköpfigen Tänzergruppe gekonnt nachzeichnet.

Veröffentlicht am 24.07.2015, von Isabelle von Neumann-Cosel in Homepage, Kritiken 2014/2015

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