HOMEPAGE



AM 29. APRIL IST WELTTANZTAG!

Zahlreiche Aktionen anlässlich des internationalen Tag des Tanzes weltweit



In diesem Jahr stammt die Botschaft, die jedes Jahr durch das ITI verbreitet wird, von Israel Galván: „Alle können zusammen tanzen! Vielleicht nicht Arm in Arm, aber zumindest Seite an Seite mit den Anderen.“


  • Der spanische Choreograf Israel Galván Foto © Luis Castilla

Am 29. April, dem Geburtstag des Ballettreformers Jean-Georges Noverre (1727-1810), wird der internationale Tag des Tanzes gefeiert. 1982 vom Internationalen Komitee des Tanzes, des Internationalen Theater-Institutes (ITI), bei der UNESCO ins Leben gerufen, wird er jedes Jahr gefeiert, um den Tanz als universelle Sprache zu würdigen. Zudem verbreitet das ITI an jenem Tag die Botschaft einer bekannten Tanzpersönlichkeit. In diesem Jahr stammt sie von Israel Galván.


Der spanische Choreograf im Wortlaut: "Carmen Amaya, Valeska Gert, Suzushi Hanayagi, Michael Jackson... Tanz, der sich nicht eindeutig klassifizieren lässt. Ich jedenfalls könnte diese Tanzchiffren nicht entschlüsseln... Vielmehr sehe ich sie als Energie erzeugende Turbinen, was mich zu dem Gedanken führt, wie wichtig diese Energie des Tanzenden für die Choreografie selbst ist. Mit Sicherheit ist das Ausschlaggebende nicht die Choreografie an sich, sondern eben genau diese bestimmte Energie, der Wirbel, der durch sie ausgelöst wird.

Ich stelle mir dabei einen Tesla-Transformator vor, der alle an sich zieht, einen heilenden Strahl aussendet und eine Metamorphose in den Körpern hervorruft: Pina Bausch wird zur religiösen Gottesanbeterin, Raimund Hoghe verwandelt sich in einen Mistkäfer, Vicente Escudero in eine Stabheuschrecke und Bruce Lee wird zu einem Tausendfüßler.

Mein erstes Duett tanzte ich mit meiner Mutter als sie im siebten Monat mit mir schwanger war. Das mag übertrieben klingen. Obwohl ich immer alleine tanze, stelle ich mir vor, dass mich Geister begleiten, die mich zwingen, meine Rolle als "Tänzer der Einsamkeit" abzulegen. Ich meine hier nicht die „soleares“ von Didi-Huberman.

Als Kind tanzte ich nicht besonders gern, aber dennoch war da etwas, das in einer natürlichen und einfachen Art und Weise aus mir herauskam. Fast instinktiv. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass der Tanz heilt. Er hat gewirkt- fast medizinisch. Er hat mir geholfen, nicht mehr so introvertiert zu sein und mich anderen Personen gegenüber besser zu öffnen. Ich denke dabei an das Bild eines an Ebola erkrankten Jungen, der sich durch tanzen heilt. Ich weiß, diese Vorstellung ist ein Aberglaube, aber wäre es nicht doch vielleicht möglich?

Später hat sich der Tanz für mich zu einer Leidenschaft entwickelt, mit der ich viel Zeit verbringe und die mich solange tanzen lässt, bis ich ruhig und bewegungslos bin und mich von der der Realität der Dinge abgelenkt habe. Ich bin mir nicht sicher, ob das gut, schlecht oder notwendig ist, aber... so ist es. Wenn ich einmal ruhig auf dem Sofa sitze, über meine Sachen nachdenke und in mein eigenes Gemurmel vertieft bin, sagt mir meine Tochter Milena: Papi, du tanzt ja gar nicht.

Und wenn ich den Leuten dabei zusehe, wie sie sich bewegen- beim durch die Straßen gehen, beim Taxi anhalten, in all ihren verschiedenen Arten und Weisen und Anomalien: Alle tanzen! Sie wissen es nicht- aber alle tanzen! Ich würde ihnen gerne zurufen: Es gibt Leute, die es immer noch nicht wissen! Wir sind alle am Tanzen! Die, die nicht tanzen, haben kein Glück - sie sind tot, fühlen nichts, leiden nicht!
Mir gefällt das Wort für Verschmelzung- Fusion. Nicht als Begriff aus dem Marketingbereich- wo durch Konfusion ein bestimmter Stil, eine Marke verkauft wird.

Besser als Fission- eine atomare Spaltung oder Mischung: ein Cocktailbecher mit Juan Belmontes an den Boden festgenagelten Füßen, den leichten Armen von Isadora Duncan und dem beträchtlich schwingenden Bauch von Jeff Cohen in Die Goonies. Und aus all diesen Zutaten lässt sich ein höchst leckeres Getränk herstellen, dass süß oder bitter ist und einem zu Kopfe steigt. Auch unsere Tradition ist so eine Mixtur- wir entstammen alle einer bunten Mischung, deren Formel die Strenggläubigen geheim halten möchten. Aber nein, Völker und Religionen und politischer Glaube, alles vermischt sich! Alle können zusammen tanzen! Vielleicht nicht Arm in Arm, aber zumindest Seite an Seite mit den Anderen.

Ein altes chinesisches Sprichwort, sagt: Den Flügelschlag eines Schmetterlings kann man am anderen Ende der Welt spüren. Wenn eine Fliege in Japan sich zum Flug erhebt, erschüttert dies die karibischen Gewässer und lässt einen Taifun entstehen. Pedro G. Romero sagte nach einem überwältigenden Tanz der Sevillana, dass am selben Tag, an dem in Hiroshima die Bombe fiel, Nijinsky seinen großen Sprung in einem Wald in Österreich wiederholte. Und ich stelle mir weiter vor: ein shuffle von Savion Glover veranlasst, dass Mikhail Baryshnikov sich dreht. In ebenjenem Moment verharrt Kazuo Ono regungslos und erzeugt damit eine gewisse Elektrizität in María Muñoz, die wiederum an Vonrad Veidt denkt und dadurch Akram Khan dazu bringt, ein Erdbeben in seiner Künstlergarderobe zu erzeugen: an seinen Fußgelenken bewegen sich die Glöckchen und Schellen und der Boden färbt sich mit den müden Tropfen seines Schweißes.

Ich würde diesen Welttanztag und diese Worte gerne jeder Person widmen, die genau in diesem Moment tanzt. Erlaubt mir außerdem noch einen Spaß und einen Wunsch: Tänzer, Musiker, Produzenten, Kritiker, Kuratoren, lasst uns dem Ganzen einen krönenden Abschluss geben, lasst uns zusammen tanzen, so wie es Béjart tat, lasst uns ausgiebig tanzen- tanzen wir den Bolero von Ravel, lasst ihn uns zusammen tanzen."



Der Dachverband Tanz Deutschland veranstaltet in Kooperation mit dem ITI Deutschland, dem zeitgenössischen tanz berlin (ztb) und dem Tanzbüro Berlin mehrere Aktionen im Kunstquartier Bethanien. Einen Überblick über die Veranstaltungen zum Welttanztag in Deutschland finden Sie hier.

Veröffentlicht am 29.04.2015, von tanznetz.de Redaktion in Homepage, News 2014/2015, Tanz im Text

Dieser Artikel wurde 2967 mal angesehen.



Kommentare zu "Am 29. April ist Welttanztag!"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung




    Ähnliche Beiträge

    ZUM WELTTANZTAG!

    Welttanztag-Botschaft der ägyptischen Choreografin Karima Mansour

    Für Vielfalt, Demokratie und (Kunst-)Freiheit, für Toleranz und Weltoffenheit, gegen Rassismus - damit wollen Tanzschaffende in Deutschland in diesem Jahr ein Zeichen setzen. Der Dachverband Tanz startet zudem die Aktion #move4diversity.

    Veröffentlicht am 28.04.2019, von Pressetext


    29. APRIL 2018: AUFFORDERUNG ZUM TANZ!

    Wichtige Botschaften von fünf namhaften Tanzschaffenden zum Welttanztag 2018

    Eine Kampagne des Dachverband Tanz will aufzeigen, wie dynamisch sich der Tanz entwickelt hat. Er soll gefeiert und somit Grenzen überwunden werden.

    Veröffentlicht am 29.04.2018, von tanznetz.de Redaktion


    HEUTE, AM 29. APRIL IST WELTTANZTAG!

    Zahlreiche Aktionen anlässlich des internationalen Tag des Tanzes weltweit

    "Ich bin Tänzerin geworden, weil ich unbedingt fliegen wollte," so Trisha Brown, in deren Andenken die diesjährige Botschaft zum Welttanztag steht.

    Veröffentlicht am 20.04.2017, von tanznetz.de Redaktion


    TANZ ALS GROßER TRANSFORMATOR

    Welttanztag 2015

    Zum Welttanztag, der am 29. April 2015 gefeiert wird, hat das International Theatre Institute (ITI) den spanischen Choreografen und Tänzer Israel Galván gebeten, eine Botschaft zu verfassen.

    Veröffentlicht am 19.04.2015, von Pressetext


    HEUTE IST WELTTANZTAG

    Zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen anlässlich dieses Tages weltweit

    Am 29. April 2013 findet der Welttag des Tanzes statt. Der Welttanztag (auch: Internationaler Tag des Tanzes oder Welttanztag) wurde durch die ITI-UNESCO angeregt und im Jahr 1982 erstmals ausgerufen, um den Tanz als universelle Sprache in der Welt zu würdigen.

    Veröffentlicht am 29.04.2013, von tanznetz.de Redaktion


     

    LEUTE AKTUELL


    VIEL SCHÖNES

    Kevin Haigen zum 65. Geburtstag
    Veröffentlicht am 06.11.2019, von Günter Pick


    DEUTSCHER TANZPREIS FÜR GERT WEIGELT

    Anerkennung für Isabelle Schad und Jo Parkes
    Veröffentlicht am 20.10.2019, von Marieluise Jeitschko


    AUS EINER ANDEREN ZEIT

    Alicia Alonso im Alter von 98 Jahren verstorben
    Veröffentlicht am 18.10.2019, von Günter Pick



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    "SUTRA" VON SIDI LARBI CHERKAOUI

    Die Aufführung des Jahres 2009 bei den Festspielen Ludwigshafen

    Nachdem der gefeierte Choreograph Sidi Larbi Cherkaoui 2007 Mönche des Shaolin-Tempels in der chinesischen Provinz Henan getroffen hatte, entwickelte er gemeinsam mit den Klosterbrüdern und dem Turner-Preisträger Antony Gormley sowie dem jungen polnischen Komponisten Szymon Brzóska "Sutra".

    Veröffentlicht am 12.11.2019, von Pressetext

    LETZTE KOMMENTARE


    ADOLPHE BINDER BEKOMMT AUCH IM BERUFUNGSVERFAHREN RECHT

    Neues in der Causa Tanztheater Wuppertal
    Veröffentlicht am 19.08.2019, von tanznetz.de Redaktion


    „NICHT EIN X-BELIEBIGES MODERNES ENSEMBLE“

    Die Intendantin des Tanztheater Wuppertal Bettina Wagner-Bergelt im Interview
    Veröffentlicht am 27.09.2019, von Miriam Althammer


    ENGAGEMENT VERLOREN

    Sergei Polunin nicht mehr im "Schwanensee" an der Pariser Oper
    Veröffentlicht am 15.01.2019, von tanznetz.de Redaktion

    MEISTGELESEN (30 TAGE)


    DEUTSCHER TANZPREIS FÜR GERT WEIGELT

    Anerkennung für Isabelle Schad und Jo Parkes

    Veröffentlicht am 20.10.2019, von Marieluise Jeitschko


    NUR WER SEINEN KÖRPER GANZ IM GRIFF HAT, DER LERNT ZU FLIEGEN

    Splatter-Ballett „Tanz“ zu Gast an den Münchner Kammerspielen

    Veröffentlicht am 21.10.2019, von Vesna Mlakar


    ACCESS TO DANCE



    Veröffentlicht am 03.05.2013, von tanznetz.de Redaktion


    EIN GROSSARTIG WAGHALSIGES BALLETT

    Christian Spuck choreografiert in Zürich „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“

    Veröffentlicht am 13.10.2019, von Marlies Strech


    HELLMUTH MATIASEK FEIERT HEUTE SEINEN 85.GEBURTSTAG

    Pick bloggt über seinen langjährigen Intendanten Hellmuth Matiasek und reist in Gedanken von Rosenheim bis nach Japan

    Veröffentlicht am 15.05.2016, von Günter Pick



    BEI UNS IM SHOP