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Wien

SPRACHAKROBATEN

Sofia Dias und Vítor Roriz am Tanzquartier Wien



Atem quillt zwischen ihren Lippen hervor, und mit ihm immer neue Sprachgebilde, die die Bewegungen der beiden begleiten und umgekehrt. Zu hören ist der Tanz des Körpers und zugleich der Gedanken.


  • Sofia Dias und Vítor Roriz mit "A Gesture That Is Nothing But A Threat" im Tanzquartier Wien Foto © Joao Octavio
  • Sofia Dias und Vítor Roriz mit "A Gesture That Is Nothing But A Threat" im Tanzquartier Wien Foto © Joao Octavio
  • Sofia Dias und Vítor Roriz mit "A Gesture That Is Nothing But A Threat" im Tanzquartier Wien Foto © Joao Octavio
  • Sofia Dias und Vítor Roriz mit "A Gesture That Is Nothing But A Threat" im Tanzquartier Wien Foto © Joao Octavio

Stuhl und Worte gehören im Tanz irgendwie zusammen. Saß da nicht erst Anfang Februar Stephanie Cumming in ihrer Performance „I Dance Therefore I Talk“ auf einem Stuhl und hinterließ ihre Kommentare zur zeitgenössischen Tanzszene? Bei „A gesture is nothing but a threat“ agieren nun Sofia Dias und Vítor Roriz auf und um Tisch und Stuhl.

In einem waghalsigen Marathon schlängeln sich die portugiesischen Choreografen um Worte und kurze Sätze, die ständig werdended Klang und Aussprache verändern. 'Open your eyes' wird zu 'to apply' wird zu 'it's a ballet'. Was nebeneinander aufgelistet ohne Zusammenhang erscheint, wird in den Mündern von Dias und Roriz so spielend leicht miteinander verknüpft, dass sich jegliches Denken und Sinnen darüber erübrigt. Im abstrakt gehaltenen Raum vor Dschungelfototapete, mit Wasserglas und Kaktus scheinen sich Bilder ferner zu Geschichten zu bilden. Diese blitzen jedoch nur momenthaft auf. Denn Worte werden zu Gebärden, die nichts direkt ausdrücken, doch in Handlungen und Verhandlungen der beiden Körper das Publikum mitnehmen – besser als in jedem Poetry-Slam oder Freestyle Rap.

Atem quillt zwischen ihren Lippen hervor, und mit ihm immer neue Sprachgebilde, die die Bewegungen der Beiden begleiten und umgekehrt. Zu hören ist der Tanz des Körpers und zugleich der Gedanken, in einem filigranen Netz der Querverbindungen. Pointiert wird die akustische Choreografie von automatisierten Bewegungen: Kopfwendung, einige Schritte zum Stuhl, hinsetzen, wieder aufstehen. Die Abläufe wiederholen sich, weiten sich aus und rhythmisieren visuell die Sprachgebilde.

Nichts in der mit dem „Jardin d'Europe“ ausgezeichnete Performance warnt vor. Frech ergießen Dias und Roriz in einer knappen Stunde ihre Sprachkaskaden über dem Publikum, während sie über Tisch und Stuhl turnen.

Veröffentlicht am 19.02.2014, von Miriam Althammer in Homepage, Kritiken 2013/2014, Tanz im Text

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Kommentare zu "Sprachakrobaten"



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