Josefine Patzelt: Letters to a Grandfather

Gänsehaut beim re:festival im Künstlerhaus in Nürnberg

Performance, Tanz und Kino unter dem Motto „monströs!“

Vom 1. bis 4. Oktober 26, findet in Nürnberg die fünfte Ausgabe des re:festivals statt. Das Festival richtet sich dieses Jahr an alle, die gerne ein wenig Gänsehaut bekommen: Unter dem Motto „monströs!“ sind fünf Tanz- und Performance-Stücke aus Nürnberg und ganz Deutschland im Programm – und erstmals eine Filmvorführung und eine Clubnacht.

Nürnberg, 30/09/2026

Da die Tafelhalle aufgrund einer Dachsanierung erst Mitte Oktober wiedereröffnen kann, kommt das jährlich stattfindende Festival in den Räumlichkeiten des Künstlerhaus, Königstraße 93, unter. Jedes Jahr wählt das Programmteam des re:festivals gezielt Vintage- Tanz- und Theaterproduktionen für das Nürnberger Publikum aus. Hochwertige künstlerische Arbeiten bekommen so eine längere Lebensdauer und können eine neue Resonanz an neuen Orten und in anderen zeitlichen Kontexten gewinnen.

Mit dem Motto „monströs!“ sucht das re:festival nach den Monstern unserer Gegenwart. Die Genres Horror, Mystery und Crime sind in der Popkultur allgegenwärtig und erfreuen sich großer Beliebtheit, trotz der Zunahme schlechter Nachrichten und vieler Krisen. Stellt sich die Frage: Warum ist das so? Ist fiktiver Grusel notwendig, um den realen besser verarbeiten zu können? Das spartenübergreifende und facettenreiche Programm aus Tanz, Performances und einem Live-Hörspiel bringt Licht in Zwischenwelten, Grauzonen und düstere Machtkonstel­lationen – überall dahin, wo es einen leicht gruseln könnte, und manchmal Heilung wartet. 

Virtuose Akrobatik trifft Varieté, wenn die preisgekrönte Zirkuskünstlerin Laura Stokes in „Call Me a Pussy“ am Donnerstag, 1. Oktober, 20 Uhr das Festival im Festsaal des Künstlerhauses eröffnet. Die 90-Minuten-Show über die monströse Darstellung von Weiblichkeit führt in eine fantasievolle, ehrliche Welt und wirkt wie ein Gegengift gegen die Brutalität unserer Zeit. 

Das mehrfach ausgezeichnete Live-Hörspiel „Ready for Boarding“ des Brachland-Ensembles ist am Samstag, 3. Oktober, 18 Uhr und Sonntag, 4. Oktober, 19.30 Uhr im Programm. Drei Sprecher*innen vertonen mit Hilfe weniger Requisiten den 600 Seiten starken Bericht über das Internierungs- und Verhörprogramm der CIA und übersetzen ihn in lebendige und doch schier unfassbare Situationen. Im Anschluss an die Vorstellungen finden Nachgespräche mit Mitgliedern der Nürnberger Ortsgruppe von Amnesty International statt. 

Zum großen Horror-Doppel „Die Nacht der Zombies“ ist am Samstag, 3. Oktober geladen. Um 20.30 Uhr läuft die Zombie-Performance „Solo Terror“ von Julieta Figueroa und Margherita Vestri – inspiriert vom George A. Romeros Filmklassiker „Die Nacht der lebenden Toten“, der im Anschluss im Kommkino des Filmhauses Nürnberg zu sehen ist. Wer den Abend adäquat ausklingen lassen will, hat dazu ab 23 Uhr im Club Stereo, Klaragasse 8, bei „Zombie Dirtbag“ Gelegenheit. 

„Spank for Spa“ von Megaplot ist ein Gesellschaftsspiel für zwanzig Personen. Die partizipativ angelegte Performance ist ein Experiment über Gruppendynamik: Die Teilnehmen­den erwartet ein kurzes Wellness-Erlebnis – aber nicht alle. Eine Person muss ihre Bedürfnisse hinter die der anderen stellen. Des einen Freud ist des anderen Leid. Was ist wichtiger: Eigennutz oder kollektives Glück? Diese Frage stellt sich am Sonntag, 4. Oktober, 16 und 19.30 Uhr in der KulturKellerei im Künstlerhaus. 

Die Tänzerin und Choreografin Josefine Patzelt zeigt die persönliche Tanzperformance zum Abschluss des re:festivals am Sonntag, 4. Oktober, 18 Uhr im Festsaal des Künstlerhauses. Patzelts Großvater war ein Nazi – darüber wurde jedoch wenig gesprochen. Das Stück ist eine Erinnerungspalette über das Erbe der Schuld und das Schweigen eines Opas. In Briefform, ohne Vorwürfe. „Letters to a Grandfather“ ist durch Audio-Deskription für Menschen mit Sehbehinderungen zugänglich.

Tickets für alle Veranstaltungen gibt es auf refestival.nuernberg.de ab 18 Euro im Vorverkauf und ab 21 Euro an der Abendkasse. Tafelhalle im Künstlerhaus, Königstr. 93, 90402 Nürnberg

 

Kommentare

Noch keine Beiträge