Christos Papadopoulos eröffnet ImPulsTanz 2026 mit My Fierce Ignorant Step im Volkstheater. Der gefeierte Choreograf setzt auf seine Jugend „voller Lebenslust und unerschütterlichem Tatendrang“. Courage also ist vielleicht das Zauberwort. Und wenn ein Meister wie er den Tanz einsetzt, um an jenes „furchtlose Selbstvertrauen“ zu erinnern, das eine Welt hervorbringt, in der „wir so leben, wie wir es wollen und verdienen“, durchzieht dieses Motiv in wohl bedachter Weise das ganze Festival. Zum Beispiel mit Anne Teresa De Keersmaeker und Radouan Mriziga, die sich in ihrer Interpretation von Vivaldis Vier Jahreszeiten dem „Wettstreit zwischen Harmonie und Erfindung“ widmen. Heuer kommt das 2024 im Volkstheater gefeierte Stück ins Burgtheater, und diesmal live begleitet von Stargeigerin Amandine Beyer und ihrem Ensemble Gli Incogniti.
Ebendort erwartet das Publikum die Weltpremiere von 18 von Tao Ye, Duan Ni und dem TAO Dance Theater. Hier verbinden sich Eleganz und Kraft, Disziplin und berückender Bewegungsfluss, wundervolle Kostüme und hochkomplexe Choreografie. Hinter den Titeln der Numerical Series verbirgt sich zunächst nur die Anzahl der hervorragenden Tänzer:innen: 13 und 14 zu sehen im Volkstheater, 16 und 18 im Burgtheater. Doch in jedem Teil eröffnet sich eine neue Welt, rufen fein arrangierte Beziehungsmuster einen Wirbelwind aus Assoziationen und Gefühlen hervor.
Bei Phia Ménard tanzt dieser Wirbelwind buchstäblich. Die u. a. zur documenta 14 eingeladene Künstlerin formt ihre Figuren aus dem denkbar profansten Material: dünnen Plastikfolien, die sich aufgeblasen zu einem so melancholischen wie kämpferischen Panorama unserer Zeit entfalten. In Erinnerung an ihren verstorbenen Vater, einen überzeugten Pazifisten, entsteht zur Musik von Schubert und Chopin ein beglückendes künstlerisches Mirakel.
Den fulminanten Abschluss im Burgtheater setzt Eun-Me Ahn. Die große südkoreanische Choreografin fegt mit Post-Orientalist Express durch all die bunten Bilder, die Ost und West zum Phantasma „Asien“ verschmolzen haben. Ein choreografisches Feuerwerk und eine Hommage an die Verständigung – wie auch ihr zweites Stück, North Korea Dance im Volkstheater: „Ein Traum, was sonst?“, könnte man mit Kleist sagen; aber was für ein schöner! Im Volkstheater begegnen dem Publikum zudem zwei künstlerische Generationen aus Frankreich.
Maguy Marin kommt mit einem der meistgespielten Tanzstücke überhaupt – MAY B von 1982, dieser zeitlosen Referenz an Samuel Beckett. Leïla Ka hingegen stieg erst kürzlich in den choreografischen Olymp auf: In Maldonne tanzen fünf Frauen und 40 Kostüme wild und entschlossen für die Gleichheit – nicht nur der Geschlechter. Mit What the Body Does Not Remember feiert ImPulsTanz eine der Sternstunden des zeitgenössischen Tanzes und zugleich 40 Jahre Ultima Vez: mit ihrem Erstling aus 1986 und ihrer jüngsten Arbeit Void. Auch die Needcompany kommt zu ihrem 40er, u. a. mit ihrem „Garten der irdischen Unruhe“. Die US-amerikanische (Post)Moderne wird nicht nur mit Robert Rauschenberg, Trisha Brown und Merce Cunningham zelebriert. Tanzlegende Bill T. Jones und Raja Feather Kelly aus New York lassen sich auf ein gewagtes intergenerationelles Experiment ein. Zum Abschluss des Festivals stehen Trajal Harrell und die berühmte Fadosängerin Lula Pena auf dem Programm.
Gleich einen Blick ins Programm werfen:
www.impulstanz.com
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