FRANKENSTEIN
Ein kollektiver Tanzabend nach Mary Shelleys Roman
Uraufführung: Fr. 30.10.2026, 19:30 Uhr, Kleines Haus
Mary Shelleys Leben, Sprache und Vermächtnis inspirieren eine choreografische Zusammenarbeit, die drei unterschiedliche Bewegungssprachen vereint. Erst 18 Jahre alt, als sie mit dem Schreiben begann, verwandelte Shelley persönliche Erfahrungen von Verlust und Liebe in Figuren, die ein ganzes literarisches Genre begründeten. Indem dieser Tanzabend ihre Geschichte seziert, neu zusammensetzt und wiederbelebt, wird er – wie Frankensteins Geschöpf selbst – zu etwas gänzlich Neuem.
In der ersten Tanzpremiere der Spielzeit 2026/27 setzen sich Münsters Tanzdirektorin und Chefchoreografin Lillian Stillwell, die mehrfach FAUST-prämierte Chefchoreografin des Balletts am Rhein, Bridget Breiner, sowie die für den renommierten Zwaan nominierte Artist-in-Residence am Theater Korzo in Den Haag, Faizah Grootens, mit dem Zeitgeist Mary Shelleys auseinander. In drei ästhetisch verwobenen Teilen übersetzen sie den Mythos von Schöpfung und Zerstörung, begleitet von einer Neukomposition von Justus Wilcken, in Tanz. Komplettiert wird das Konzept durch Kostüme von Münsters Kostümdirektor Philipp Winkler und ein Bühnenbild des international gefragten Jürgen Franz Kirner.
Im I. Akt bringt Lillian Stillwell die Hintergrundgeschichte rund um die berühmte Romanhandlung auf die Bühne: 16. Juni 1816, Villa Diodati am Genfer See. Im sogenannten „Jahr ohne Sommer“, das nach dem Ausbruch des Vulkans Tambora 1815 weltweit von nasskaltem Wetter geprägt war, versammelte sich die erst 18-jährige Mary Godwin (später Mary Shelley) mit weiteren jungen englischen Kreativen – darunter ihr künftiger Ehemann Percy B. Shelley, ihre Stiefschwester Claire Clairmont sowie deren Geliebter, Lord Byron, und John Polidori – bei Gewitter, Kaminfeuer und Schauergeschichten. In dieser Atmosphäre entstand auf Anregung Byrons die Idee, selbst Gruselgeschichten zu verfassen – die Geburtsstunde von „Frankenstein – oder der moderne Prometheus“. Angeblich inspirierte Mary ein Traum von einer menschenähnlichen Gestalt, die an Maschinen angeschlossen auf einer Art Streckbank lag, zu ihrem Roman.
Bridget Breiner taucht im II. Akt in die Kernhandlung des Romans ein:
Getrieben von dem Wunsch, Leben zu erschaffen, gelingt es Victor Frankenstein, eine Kreatur aus Leichenteilen zusammenzusetzen, jedoch flieht er vor der Hässlichkeit seines Geschöpfes. Nach dem Tod seines Bruders kehrt er nach Genf zurück und begegnet der Kreatur, die für dessen Tod verantwortlich ist. Die heimlich eine Bauernfamilie beobachtet und dabei Menschliches gelernt hat, fordert von Victor Frankenstein eine Partnerin. Obwohl er zustimmt, zerstört er sie letztlich aus Furcht vor den Konsequenzen. Rachsüchtig tötet die Kreatur zunächst Victors besten Freund und schließlich seine Verlobte. Traumatisiert verfolgt er die Kreatur bis in die Arktis. Am Ende findet die Kreatur ihren Schöpfer tot vor und nimmt sich aus Verzweiflung das Leben.
Im letzten Akt sinniert Faizah Grootens über zentrale Motive des Romans und spinnt die Geschichte fort. Dabei setzt sie sich nicht nur mit dem grundlegenden Gedanken der künstlichen Erzeugung von Leben auseinander, sondern stellt grundsätzliche Fragen: Darf der Mensch sich zum Schöpfer erheben – wie es auch schon im Untertitel des Romans angedeutet wird? Wie autonom bzw. fremdbestimmt ist künstliches Leben oder künstliche Intelligenz? Gibt es so etwas wie Vorsehung? Wie „gut“ oder „böse“ ist ein Wesen von Natur aus – und inwiefern wird es durch äußere Einflüsse geprägt?
Produktionsteam
CHOREOGRAFIE, KONZEPT Bridget Breiner, Faizah Grootens, Lillian Stillwell / KOMPOSITION Justus Wilcken / BÜHNE Jürgen Franz Kirner / KOSTÜME Philipp Winkler / LICHTDESIGN Malte Spitzer / PROBENLEITUNG Katelyn Skelley, Melanie López López / PRODUKTIONSLEITUNG Melanie López López
Besetzung
Amanda Cruz Portuondo, Hana Kato, Bartlomiej Kowalczyk, Enrique Sáez Martínez, Nadja Simchen, Melina Solkidou, Aaron St. Hilaire, Joshua Swain, Naho Takeda, Sebastiano Villa, Valerie Yeo, Cover: Samuel Dorn
Begleitveranstaltungen
- 15.10.2026, 19:30 Uhr, Kleines Haus: Öffentliche Probe (kostenlose Zählkarten)
- 20.10.2026, 19:00 Uhr, Kleines Haus: Soirée (kostenlose Zählkarten)
- 24.10.2026, 11:00 Uhr, Kleines Haus: Sneak Peek (Kaufkarten)
Uraufführung: Fr. 30.10.2026, 19:30 Uhr, Kleines Haus
Weitere Vorstellungen: www.theater-muenster.com
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