Tanzwerkstatt: „Dialog Projekt“

Konzentrierte Arbeit

München, 04/08/2002

Anderswo hätte man das „Dialog Projekt Münchner Choreographen / Iztok Kovac“ wohl schick „Lab“ genannt, um zu signalisieren, dass Künstler im geschützten Raum gemeinschaftlich Ideen ausprobieren, ästhetische Versuche starten. Bei der „Tanzwerkstatt Europa“ besann man sich auf den tatsächlichen Werkstatt-Charakter solcher Veranstaltungen, verlangte keinen Eintritt und platzierte das Publikum auf dem Fußboden.

Das Theater war voll, die tanzenden Choreografen trugen schlabbrige Trainingsklamotten und baten die Zuschauer, mal hier, mal dort Platz zu nehmen.
Zu sehen waren Ergebnisse einer 14-tägigen Zusammenarbeit zwischen dem slowenischen Künstler Iztok Kovac, Münchner choreographer in residence, und Eva Forler, Monica Gomis, Stephan Herwig, Anna Holter, Ludger Orlok und Andrea Sonnberger, eine „Work-in-Progress Presentation“ genannte Galerie von Miniaturen, Skizzen, Studien und Bausteinen. Die von Walter Heun in Abstimmung mit der Stadt ausgewählten und für 14 Tage bezahlten Choreografinnen und Choreografen arbeiteten sich im i-camp nicht an einem von Kovac gestellten Thema ab. Ziel war es, den eigenen Arbeitsansatz selbst und im Austausch mit anderen zu reflektieren. Mal fremde Gewürze an den eigenen Bratensaft zu lassen. Kovac kann man sich dabei möglicherweise als Moderator und Katalysator vorstellen, dessen Tipps für Lichtdesign (Jaka Simenc) und Musik (Sebastiano Tramontana) Gold gewesen sein dürften.
Andrea Sonnberger stellte Monica Gomis im Foyer in ein tunnelähnliches Objekt. Die Tänzerin erscheint als Silhouette und variiert in dem schmalen Gang hüftzentrierte Schwünge, die immer weiter nach oben in den Körper wandern. Anna Holter bespielte fast den gesamten Innenraum, ließ wechselnde Aktionen aufblitzen, schuf Situationen irritierter Kommunikation. Stephan Herwig veranlasste seine Kollegen, aus einer Reihe wie von Schüssen getroffen umzufallen und dann langsam zusammenzusacken. Monica Gomis lieh sich Bilder aus Filmen und arbeitete mit Objekten, zeigte dann zunächst die Phrasen ohne, dann mit dem entsprechenden Objekt.

Befreit vom Zwang zum großen Ganzen, merkte man diesen Versuchen die konzentrierte Arbeit an einem Punkt an. Alle ließen sich mehr Zeit, das Timing stimmte. Eva Forlers hermetisch-poetisches Ping-Pong-Ball-Spiel, das zunächst wie eine kommunikative Lockerungsübung für aktienkurs-gebeutelte Manager wirkte, reifte im Verlauf zu heiterer Leichtigkeit und schöner Raumwirkung, ohne das Geheimnis seines ritualhaften Miteinanders preiszugeben. Und Ludger Orlok schließlich überzeugte mit einer intensiven kleinen Arbeit über Identität und das Eintauchen in eine andere Person, die sich zwischen Anna Holter und Stephan Herwig fast am Platz an einer Wand vollzog. Fazit: keine Wunder, aber Kostproben, die ihren Namen verdienen. Zur Wiederholung empfohlen.

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