HOMEPAGE



Heidelberg

UNERWARTETE MAGIE

„Die Solisten“ tanzten in der Heidelberger Hebelhalle



Paolo Amerio hat zum Abschluss eines Workshop-Wochenendes im Heidelberger Choreografischen Centrum ein kleines, feines Programm für eine Vorstellung in der Hebelhalle kuratiert.


  • Dagmar Dachauer mit "Wie soll ich das erklären" Foto © Suncan Stone
  • Micaël Florentz und Angela Rabaglio in „The Gyre“
  • Ivan Ugrin mit "Please please me"
  • Ivan Ugrin mit "Please please me"

Nicht von ungefähr wird des im Zuschauerraum für einen Moment dunkel, bevor die Vorstellung beginnt. Es ist der Moment der Einstimmung auf jenes kleine Theaterwunder, das sich zwar nicht erzwingen lässt, sich aber zum Glück immer wieder freiwillig einstellt – nicht selten in unerwarteten Momenten. So geschehen in dem kleinen, feinen Programm, das Paolo Amerio zum Abschluss eines Workshop-Wochenendes im Heidelberger Choreografischen Centrum für eine Vorstellung in der Hebelhalle („Die Solisten“) kuratiert hat. Ivan Ugrin (Kroatien“) deckte eingangs schonungslos die Mechanismen des Gefallen-Wollens auf („Please me Please“). Er spielte er mit männlichen und weiblichen Tanz-Klischees und verwandelte sich vom Ballett- zum Pornostar – um ja nur den Publikumsgeschmack zu treffen. Aber wie war der denn ganz genau? Die Besucher der Hebelhalle hatten ausgiebigen Anlass, darüber nachzudenken.

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile, das sollte – hoffentlich – für jede funktionierende Zweierbeziehung stimmen. Micaël Florentz (Frankreich) und Angela Rabaglio (Schweiz) traten in „The Gyre“ einen eigenwilligen Beweis dafür an: In dem gesamten Duo umkreisten beide in exaktem Positionswechsel dasselbe Gravitationszentrum – wie zwei Glieder desselben Körpers.

Nach diesem Minimal Dance vom Feinsten nahm es die Österreicherin Dagmar Dachauer ganz allein mit einem Tradition-Ungetüm auf: dem Wiener Walzer. Soviel Strauss-Seligkeit und distanzierte Ironie gleichermaßen sieht man selten – „Wie soll ich das erklären“ bot die Kurzfassung ihres Erfolgsstückes „Wunderbare Jahre“.
Es ist schon gute Tradition in der Hebelhalle, dass in den „720 Stunden“ des Septembers regionale Künstler die Chance bekommen, eigene Produktionen zu erarbeiten und aufzuführen. Den Auftakt von TanzLokal machte Catherine Guerin mit ihrem Stück „Partial Magic“. Sie ließ das Publikum teilhaben an der ebenso systematischen wie chaotischen, ebenso geplanten wie improvisierten Entstehung einer Choreografie auf den Spuren eben jener Theatermagie. In Luches Huddleston Jr, (dem Leiter des Bewegungschores am Mannheimer Nationaltheater), Elisabeth Kaul, Amelia Eisen und Kirill Berezovski hatte sie ein Tänzerquartett mit sichtbarem Spaß an kreativen Chancen zusammengestellt.

Veröffentlicht am 25.09.2018, von Isabelle von Neumann-Cosel in Homepage, Gallery, Kritiken 2017/2018

Dieser Artikel wurde 408 mal angesehen.



Kommentare zu "Unerwartete Magie"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung




    Ähnliche Beiträge

    MELANCHOLISCHES FAZIT

    "Falter – all is falling" von Kate Antrobus in der Hebelhalle Heidelberg

    Die Choreografin bündelt so unterschiedliche Erfahrungen wie eine klassische Tanzausbildung und Engagements bei Johann Kresnik und Liz King. Ihr Stück ist dem beinahe-Fallen gewidmet, dem Stolpern und Taumeln als Lebensprinzip.

    Veröffentlicht am 10.10.2018, von Isabelle von Neumann-Cosel


    WER BIN ICH?

    Zur Gala des Stuttgarter Solo-Tanztheater-Festivals in der Hebelhalle Heidelberg

    Nur ein einziger Beitrag aus weiblicher Feder – der allerdings bekam zwei erste Preise.

    Veröffentlicht am 21.11.2017, von Isabelle von Neumann-Cosel


    AUGE IN AUGE MIT DEN MONSTERN

    Helena Botto zeigt in der Hebelhalle Heidelberg ihr neues Stück „Monstrator“

    Im Modus demonstrativer Entblößung geht es um Ausgrenzung und die Vereinnahmung alles Fremden als Ausstellungsstück.

    Veröffentlicht am 13.11.2017, von Isabelle von Neumann-Cosel


     

    AKTUELLE KRITIKEN


    DIE GENERATION DER LOSER

    Zur Choreografie "Cementary" von Patricia Apergi in Ludwigshafen
    Veröffentlicht am 18.10.2018, von Isabelle von Neumann-Cosel


    WESTERNHELDEN UND STEPP-ROMANTIK

    "Cowboys" mit der Sebastian Weber Dance Company am LOFFT in Leipzig
    Veröffentlicht am 17.10.2018, von Boris Michael Gruhl


    VERY BRITISH BALLET

    "Mayerling" von Kenneth McMillan als Liveübertragung
    Veröffentlicht am 16.10.2018, von Boris Michael Gruhl



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    BLUE MOON

    VON URSINA TOSSI [HAMBURG/KÖLN/BERLIN)

    In BLUE MOON arbeitet die Choreografin Ursina Tossi mit 5 Tänzer*innen, der Dramaturgin und MissyMagazine Herausgeberin Margarita Tsomou und einem interdisziplinären Künstler*innenteam an der Figur der Werwölfin und ihren popkulturellen Bedeutungen.

    Veröffentlicht am 20.10.2018, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    EIN WÜRDIGER AUFTAKT ZUM CRANKO-FEST

    „Onegin“ beim Bayerischen Staatballett
    Veröffentlicht am 07.02.2018, von Karl-Peter Fürst


    LETZTER WALZER IN STUTTGART

    Alicia Amatriain tanzte 2003 in „Lulu“ die Titelrolle – und jetzt erneut 2018
    Veröffentlicht am 18.06.2018, von Marlies Strech


    FAIR? FESTIVAL!

    Die internationale tanzmesse nrw 2018 in Düsseldorf - Ein Rückblick
    Veröffentlicht am 05.09.2018, von Natalie Broschat

    MEISTGELESEN (30 TAGE)


    HELLMUTH MATIASEK FEIERT HEUTE SEINEN 85.GEBURTSTAG

    Pick bloggt über seinen langjährigen Intendanten Hellmuth Matiasek und reist in Gedanken von Rosenheim bis nach Japan

    Veröffentlicht am 15.05.2016, von Günter Pick


    RAUM, KLANG, TANZ

    Initiation der Elbphilharmonie-Foyers mit Sasha Waltz & Guests' „Figure Humaine“

    Veröffentlicht am 02.01.2017, von Annette Bopp


    PHILIP LANSDALE GESTORBEN

    Am 10.10. verstarb der ehemalige Bielefelder Ballettdirektor

    Veröffentlicht am 11.10.2018, von Pressetext


    VERLEIHUNG DES DEUTSCHEN TANZPREISES

    Große Gala im Essener Aalto Theater

    Veröffentlicht am 23.09.2018, von Anja K. Arend


    AUSEINANDERSETZUNG MIT DEM VERSCHWINDEN

    Katja Büchtemanns „Bachläufe“ beim Bachfest 2018 in Tübingen

    Veröffentlicht am 09.10.2018, von Katharina de Andrade Ruiz



    BEI UNS IM SHOP