HOMEPAGE



Berlin

MARATHON NATIONALER UND INTERNATIONALER STUDIENGÄNGE

Im Hebbel am Ufer in Berlin beginnt die 6. „Biennale Tanzausbildung“



Das HZT als Veranstalter hat das Treffen unter das Motto „Dancing in the Street. Was bewegt Tanz?“ gestellt und fragt nach den gesellschaftspolitischen Themen, die den Tanz beschäftigen und sich in ihm spiegeln.


  • Generalprobe der Staatlichen Ballettschule Berlin für die 6. Biennale Tanzausbildung Foto © Marion Borriss
  • Generalprobe des HZT Berlin für die 6. Biennale Tanzausbildung Foto © Marion Borriss
  • Generalprobe des HZT Berlin für die 6. Biennale Tanzausbildung Foto © Marion Borriss

Am Anfang stand eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes, den Tanz zu fördern. In diesem Rahmen gründeten Vertreter der staatlichen Tanzstudiengänge 2007 die „Ausbildungskonferenz Tanz“ als Arbeitsgemeinschaft und Interessensvertretung rund um die Tanzausbildung. Das hatte bald praktische Konsequenzen: Schon 2008 fand in Berlin die erste „Biennale Tanzausbildung“ statt. Sie gab in Vorstellungen einen Überblick, was an den Ausbildungsstätten für klassischen oder zeitgenössischen Tanz geleistet wird, und bot denen, die in der Abgeschiedenheit ihrer Einrichtung wirken, Gelegenheit zu Gedankenaustausch und gegenseitigem Kennenlernen. Einher gingen Präsentationen mit Workshops und Lectures.

Viel hat sich seither am Bauprinzip nicht verändert, wenn nun die sechste „Biennale Tanzausbildung“ startet, wieder in Berlin, wieder im Hebbel am Ufer als Auftrittsort. Und doch gibt es Neues. Das Hochschulübergreifende Zentrum Tanz als Veranstalter hat das Treffen unter das Motto „Dancing in the Street. Was bewegt Tanz?“ gestellt und fragt nach den gesellschaftspolitischen Themen, die den Tanz beschäftigen und sich in ihm spiegeln. Über 100 Studierende aus acht deutschen und, als Ausweitung, fünf internationalen Ausbildungsstätten nehmen an der als Arbeitsplattform ausgeschriebenen Biennale teil. Ziel sind Austausch und Vernetzung zwischen Lernenden, Lehrenden und geladenen Künstlern, nicht nur auf ästhetisch-künstlerischer Ebene. In Zeiten sich zuspitzender politischer Verhältnisse darf der Tanz nicht abseits stehen, denkt man an Proteste auch von Tänzern gegen staatliche Willkür, im Iran, in der Türkei, in Russland. Tanz hat sich auch schon vorher am politischen Diskurs beteiligt, wie Kurt Jooss 1932 mit seinem „Grünen Tisch“ in ästhetisch hoher Verdichtung bewiesen hat. Inwieweit die Beiträge der Schulen nun Stellung zu dem Motto beziehen, wird man sehen.

Denn Herzstück der Biennale und das, was von ihr nach außen wirkt, bleiben die beiden Abendprogramme im HAU. Auch wenn diesmal die Ballettschule Hamburg und die John-Cranko-Schule Stuttgart nicht teilnehmen können, bietet sich den Zuschauern ein repräsentativer Eindruck vom Leistungsstand und Engagement der Ausbildungsstätten. Viele haben Fremdchoreografen gebeten, für die Studierenden zu kreieren. So schufen Ihsan Rustem für die Palucca Hochschule für Tanz Dresden „Cupid‘s Gun“, was wie ein Widerspruch in sich klingt; Sidi Larbi Cherkaoui & Damien Jalet lieferten für die Folkwang Universität der Künste Essen „Extract from Frame(d)“ zu. Die Akademie des Tanzes an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Mannheim schickt gleich vier kurze Choreografien, eine mit dem passenden Titel „Protest“. Die Staatliche Ballettschule Berlin zeigt einen Ausschnitt aus „FAR“ von Wayne McGregor.

Befragt zum diesjährigen Motto der Biennale, sagt Ralf Stabel, Direktor der Staatlichen Ballettschule, gerade im Tanz bestehe die „Gefahr“, dass das ästhetisch Schöne politische Aussagen wie den Umgang miteinander scheinbar in den Hintergrund treten lasse: „Tanz ist jedoch immer ein Spiegel seiner Zeit. So wie unser Stück ‚FAR‘, das vieles zeigt, was uns heute Angst macht, Bindungsunfähigkeit, Verantwortungslosigkeit. Und wir sind Beteiligte am Ort des Tanzgeschehens und schauen den Schattenseiten unseres Fortschritts zu.“ Als Tanz unserer Zeit und in unserer Zeit könne „FAR“ uns beeinflussen und wieder zurückwirken auf die Gesellschaft. Was den Nutzen der Biennale betrifft, sagt Stabel, es sei der Politik endlich aufgefallen, wie beispielhaft international die Studiengänge Tanz seien und dass Leistung und Kreativität zählen: „Auch die teilnehmenden Institutionen reden nun trotz einer gewissen Konkurrenzlage mehr und offener miteinander.“

Besonders spannend dürfte die Begegnung mit den ausländischen Gästen sein. Das erst seit 2010 bestehende Invisible Center of Contemporary Dance aus Teheran existiert dennoch in einem Land mit tanz- und körperfeindlicher Staatsreligion. Auch das 2012 formierte Cairo Contemporary Dance Center mit seiner dreijährigen Ausbildung, einzigartig in dieser Region, muss sich seinen Platz noch erkämpfen. Auf 20 erfolgreiche Jahre kann hingegen die École des Sables nahe Dakar im Senegal zurückblicken. Die beiden Studios, eines mit namensgebendem Sandboden, das andere mit Parkett, stehen für die Spannweite der Ausbildung. Die University of the Arts School of Dance Philadelphia funktioniert nach dem Modus einer Tanzhochschule, P.A.R.T.S. Brüssel schließlich, gegründet von Anne Teresa De Keersmaeker mit dem Schwerpunkt auf Körperbewusstsein und einem künstlerisch breiten Studium, zählt mittlerweile zu den renommiertesten und begehrtesten Ausbildungsplätzen weltweit. Wie viel jeder von jedem lernen kann, darin besteht die Chance auch dieser sechsten „Biennale Tanzausbildung“.

Infos unter www.biennale-tanzausbildung.de

Veröffentlicht am 27.02.2018, von Volkmar Draeger in Homepage, Themen

Dieser Artikel wurde 1868 mal angesehen.



Kommentare zu "Marathon nationaler und internationaler Studi ..."



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung



     

    LEUTE AKTUELL


    DEUTSCHER TANZPREIS FÜR GERT WEIGELT

    Anerkennung für Isabelle Schad und Jo Parkes
    Veröffentlicht am 20.10.2019, von Marieluise Jeitschko


    AUS EINER ANDEREN ZEIT

    Alicia Alonso im Alter von 98 Jahren verstorben
    Veröffentlicht am 18.10.2019, von Günter Pick


    „NICHT EIN X-BELIEBIGES MODERNES ENSEMBLE“

    Die Intendantin des Tanztheater Wuppertal Bettina Wagner-Bergelt im Interview
    Veröffentlicht am 27.09.2019, von Miriam Althammer



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    "DER TOD UND DAS MÄDCHEN"

    Das SETanztheater in der Choreografie von Sebastian Eilers in der Tafelhalle

    Die Tafelhalle im KunstKulturQuartier in Nürnberg präsentiert am 28. November die erste Premiere der Saison mit dem choreografischen Musiktheater von Sebastian Eilers.

    Veröffentlicht am 14.10.2019, von Pressetext

    LETZTE KOMMENTARE


    ADOLPHE BINDER BEKOMMT AUCH IM BERUFUNGSVERFAHREN RECHT

    Neues in der Causa Tanztheater Wuppertal
    Veröffentlicht am 19.08.2019, von tanznetz.de Redaktion


    „NICHT EIN X-BELIEBIGES MODERNES ENSEMBLE“

    Die Intendantin des Tanztheater Wuppertal Bettina Wagner-Bergelt im Interview
    Veröffentlicht am 27.09.2019, von Miriam Althammer


    ENGAGEMENT VERLOREN

    Sergei Polunin nicht mehr im "Schwanensee" an der Pariser Oper
    Veröffentlicht am 15.01.2019, von tanznetz.de Redaktion

    MEISTGELESEN (30 TAGE)


    „NICHT EIN X-BELIEBIGES MODERNES ENSEMBLE“

    Die Intendantin des Tanztheater Wuppertal Bettina Wagner-Bergelt im Interview

    Veröffentlicht am 27.09.2019, von Miriam Althammer


    DIE WELT ZU GAST IN MÜNCHEN

    Eine wunderbare Gala der Munich International Ballet School

    Veröffentlicht am 27.04.2017, von Karl-Peter Fürst


    POWER PUR UND SENSIBLE ZWISCHENTÖNE

    Zweites "Colours International Dance Festival" von Gauthier Dance

    Veröffentlicht am 07.07.2017, von Boris Michael Gruhl


    BEWEGUNG ALS METAPHER DER MODERNE

    Symposium der Gesellschaft für Tanzforschung TANZ-RAUM-URBANITÄT

    Veröffentlicht am 09.10.2014, von Karin Schmidt-Feister


    TANZGLÜCK IN MAGDEBURG

    Tanzbegegnungen im Schauspielhaus begeistern das Publikum

    Veröffentlicht am 25.03.2012, von Boris Michael Gruhl



    BEI UNS IM SHOP