HOMEPAGE



LIEBE, SPAß UND ANDERE GEFÜHLE

Die „Choreografische Werkstatt“ der Ensemblemitglieder des NTM Tanz in Mannheim



Im Tanzhaus Käfertal zeigen die Kreationen Tanz pur.


  • "The Arena" von Lorenzo Angelini Foto © Hans-Jörg Michel
  • "Father Father" von Julia Headley Foto © Hans-Jörg Michel
  • "Slate" von Jamal Callender Foto © Hans-Jörg Michel
  • "Inner Dialogue" von Juan Ferré Gómez Foto © Hans-Jörg Michel

Die dritte Sparte am Nationaltheater Mannheim führt seit dieser Spielzeit weder den Namen des früheren Ballettintendanten (Kevin O‘Day), noch des neuen (Stephan Thoss). Sie firmiert offiziell ganz schlicht und stilistisch offen unter „NTM Tanz“. Geblieben ist allerdings die gute Tradition, kurz vor Ende der Spielzeit die Ensemblemitglieder mit Eigenproduktionen zu einer „Choreografischen Werkstatt“ einzuladen. Sieben dieser kurzen Stücke bilden einen kurzweiligen Abend, der erstmals nicht im Werkhaus des Nationaltheaters, sondern im Tanzhaus Käfertal gezeigt wird (das sich durchaus als attraktive Spielstätte empfiehlt). Inhaltlich und stilistisch spannen die choreografischen Eigenkreationen einen weiten Rahmen – alles, was ohne Extra-Kosten realisiert werden kann, ist erlaubt. So erübrigen sich aufwändige Ausstattungs-Ideen, dafür ist Tanz pur gefragt.

Tänzerin Julia Headley hat sich vom Song „Father Father“ der Singer-Songwriterin Laura Mvula zu einem bewegenden Solo herausfordern lassen. Das Lied handelt von verbotener Liebe und Headley lässt stilsicher einen Hauch von „Dornenvögel“ durch das Tanzhaus wehen – „to be or not to be … loved“ ist ein kleines Kabinettstückchen geworden. Vom ganz selbstverständlichen Entstehen des Tanzes aus Spaß und Spiel erzählt dagegen die Choreografie von Ballettmeisterin Zoulfia Choniizowa in „Happiness does not wait“. Drei ihrer neuen KollegInnen im Ensemble dürfen dafür in historischen weißen Dessous sehr hübsch herumtollen; Kinderlachen begleitet die Musik. Im Gegensatz dazu ist das Duo „Inner Dialogue“ von Juan Ferré Gómez ganz und gar ernsthaft. Er selbst und Partnerin Alexandra Chloe Samion verkörpern dabei überzeugend unterschiedliche innere Stimmen ein und desselben Körpers. Beteiligt war Gómez auch an einer weiteren Arbeit, „Manibus iunctis“ (mit Tenald Zace): Hier geht es ganz konkret um ein Körperthema, nämlich die Berührung mit den Händen in allen denkbaren Variationen.

David Kristóf lieferte mit „Inside My Mind“ einen amüsanten Einstieg: Die Stimme vom Band gaukelte eine Hypnose-Session vor, während er sich selbst mit zwei Tänzerkollegen mehr und mehr von den Anweisungen emanzipierte. Ebenfalls für drei Tänzer hat Jamal Callender sein Stück „Slate“ konzipiert – er verordnet ihnen in einer kraftbetonten Bewegungssprache, „reinen Tisch“ mit Problemen der Vergangenheit zu machen. Auch Lorenzo Angelini visualisiert in „The Arena“ (für sechs TänzerInnen) bekannte Probleme: den Kampf gegen das eigene Spiegelbild, die fehlende Gleichberechtigung bei einem Pärchen aus der Business-Welt und die Suche eines schwulen Paares nach Anerkennung und Respekt.

Veröffentlicht am 03.07.2017, von Isabelle von Neumann-Cosel in Homepage, Kritiken 2016/17

Dieser Artikel wurde 1087 mal angesehen.



Kommentare zu "Liebe, Spaß und andere Gefühle"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung




    Ähnliche Beiträge

    ENERGIE IM KLEINEN RAUM

    „Choreografische Werkstatt“ im Werkhaus des Mannheimer Nationaltheaters

    „Empty Space“ war in diesem Jahr der gemeinsame Nenner der „Choreografischen Werkstatt“, in der traditionell Mitglieder des Ballettensembles erste eigene choreografische Erfahrungen sammeln können.

    Veröffentlicht am 29.07.2014, von Isabelle von Neumann-Cosel


     

    LEUTE AKTUELL


    TANZ ÜBERALL

    Der Fonds TANZLAND fördert den Tanzaustausch abseits bekannter Großstädte
    Veröffentlicht am 21.07.2018, von Alexandra Karabelas


    DER SOGENANNTE ANFÄNGERGEIST

    Goyo Montero über seine Zeit als Ballettdirektor am Staatstheater Nürnberg
    Veröffentlicht am 20.07.2018, von Alexandra Karabelas


    ABSCHIED VOM BOSS

    "A Reid Anderson Celebration" in Stuttgart
    Veröffentlicht am 13.07.2018, von Alexandra Karabelas



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    OUR HONOURABLE BLUE SKY AND EVER ENDURING SUN...

    "And so you see..." von Robyn Orlin im Muffatwerk München

    Den Finger in die Wunde legen: Robyn Orlin (*1955 in Johannesburg) hat es sich zum Prinzip gemacht, genau hinzuschauen, eine Gesellschaft mit den eigenen Widersprüchen zu konfrontieren.

    Veröffentlicht am 21.06.2018, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    EIN WÜRDIGER AUFTAKT ZUM CRANKO-FEST

    „Onegin“ beim Bayerischen Staatballett
    Veröffentlicht am 07.02.2018, von Karl-Peter Fürst


    LETZTER WALZER IN STUTTGART

    Alicia Amatriain tanzte 2003 in „Lulu“ die Titelrolle – und jetzt erneut 2018
    Veröffentlicht am 18.06.2018, von Marlies Strech


    MOSAIK DER BEWEGUNG

    Richard Siegals Ballet of Difference mit "On Body" in der Münchner Muffathalle
    Veröffentlicht am 05.03.2018, von Miriam Althammer

    MEISTGELESEN (30 TAGE)


    ESKALATION AM TANZTHEATER WUPPERTAL

    Intendantin Adolphe Binder entlassen, Geschäftsführer Dirk Hesse hört zum Jahresende ebenfalls auf

    Veröffentlicht am 13.07.2018, von tanznetz.de Redaktion


    ACCESS TO DANCE



    Veröffentlicht am 03.05.2013, von tanznetz.de Redaktion


    TO WHOM IT MAY CONCERN

    Adolphe Binder reagiert in einem offenen Brief auf ihre Entlassung

    Veröffentlicht am 14.07.2018, von tanznetz.de Redaktion


    AUF'S SCHWEIN GEKOMMEN

    "Junge Choreografen" am Bayerischen Staatsballett

    Veröffentlicht am 05.07.2018, von Isabel Winklbauer


    EINE SPÄTE, ABER UMSO TIEFERE LIEBE

    John Neumeiers „Beethoven-Projekt“ erlebte eine umjubelte Uraufführung

    Veröffentlicht am 25.06.2018, von Annette Bopp



    BEI UNS IM SHOP