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EINE KÖRPERSPRACHE? VIELE!

„Unframed 2“ stellen sich die jungen Choreografen im Zwinger vor



Improvisieren gehört zum Hand- oder besser Körperwerk. „Unframed“, also ohne Vorgaben, dürfen die Mitglieder von Nanine Linnings Dance Company sich selbst oder ihren MittänzerInnen eigene Stücke auf die Füße schneidern.


  • "Unframed #2" am Theater Heidelberg: Choreografie Kyle Patrick Foto © Annemone Taake
  • "Unframed #2" am Theater Heidelberg: Konzept Ting-An Ying Foto © Annemone Taake
  • "Unframed #2" am Theater Heidelberg: Choreografie Francesca Imoda Foto © Annemone Taake

In der Regel tanzen sie, was andere sich ausgedacht haben. Aber zeitgenössische Tänzer sind ein kreatives Völkchen; Improvisieren gehört zum Hand- oder besser Körperwerk. „Unframed“, also ohne Vorgaben, dürfen die Mitglieder von Nanine Linnings Dance Company bereits zum zweiten Mal sich selbst oder ihren MittänzerInnen eigene Stücke auf die Füße schneidern. Wobei es ein kleine Vorgabe natürlich doch gibt: Das alles darf außer Schweiß eigentlich nichts kosten. Die Tänzer schlüpfen sogar ins schwarze Outfit der Bühnenarbeiter und erledigen die Umbauten mit ungewohnter Grazie. Von Voraussetzungen wie in Stuttgart, wo die berühmte „Noverre“-Gesellschaft Nachwuchs-Choreografen auch für eine oder zwei Aufführungen eine professionelle Ausstattung finanziert, kann man anderorts nur träumen.

Aber letztendlich kommt es auf die Phantasie für Bewegungen an – und da herrscht bei den Mitgliedern der Heidelberger Company kein Mangel. Schon das fast halbstündige Auftaktstück „Der Clown“ fällt in mehr als einer Hinsicht aus der Reihe: Es ist ein faszinierender Ausflug ins Reich der Pantomime, in dem David Pallant (Choreografie und Tanz) ganz wunderbar arrogant mit den Erwartungen des Publikums spielt.
Wenn man überhaupt gemeinsame Nenner für sieben so verschiedene Arbeiten finden kann, dann ist es die Lust am Bewegungsexperiment. Dabei zeigten sich die jungen Choreografen überwiegend von ihrer witzigen Seite, zauberten schön absurde oder zumindest ungewohnte Situationen. „Warum normal, wenn es auch anders geht“ fragte sich Mallika Bauman und ließ fünf KollegInnen in merkwürdigen Relikten der Wegwerfgesellschaft schöne Bewegungsanreize finden. Ting-An Ying häufte Klamotten, Schuhe und Trinkgefäße auf der Bühne an – und ließ vor allem die Herren des Quartetts ausprobieren, ob Kleider oder Körper Leute machen („If I can Dance“). Eine Endeckungsreise für die Augen bot das abschließende Trio „Wat het oog raakt“ von Wessel Oostrum.

Schließlich gab es, natürlich, auch neue Einsichten in das alte Thema „Beziehungskiste“: „I Think I think too much“ dachte sich Thomas Walschot und gestaltete die zaudernde Annäherung eines Paares, die von ein einem für diese feine Sensorik völlig unempfänglichen Dritten komplett aus dem Gleis gebracht wird. Gänzlich beziehungsunfähig zeigte sich dagegen Jesse Hanse als „Animale Asociale“ in der Choreografie von Francesca Imoda. Und wie es weitergeht, wenn es mal nicht klappt mit der Beziehung, das demonstrierte Eden Orrick, der Kyle Patrick „Memoirs of Virago“ auf den beweglichen Körper schneiderte, mit großer Überzeugungskraft: Tränen abwischen und weiter tanzen!

Veröffentlicht am 20.05.2015, von Isabelle von Neumann-Cosel in Homepage, Kritiken 2014/2015, Tanz im Text

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