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Stuttgart

MIT DEM MÄRZHASEN ZUR HIP HOP-PARTY

Nina Kurzeja: „Alice im Iconland“ im Theaterhaus Stuttgart



Ihr himmelblaues Unschuldskleidchen und die weiße Rüschenschürze - wie man sie aus Illustrationen des Kinderbuchklassikers „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll (1865) bis hin zur Zeichentrickfilm-Adaption (1951) kennt - hat Alice an den Nagel gehängt.


  • Nina Kurzejas „Alice im Iconland“ Foto © yakub zeyrek
  • Nina Kurzeja: „Alice im Iconland“ Foto © yakub zeyrek

Sie ist nicht blond und klein, sondern groß und rothaarig, ihr kindliches Staunen ist pubertärer Neugier gewichen. Und so irrt Alice in orangefarbenem Sommerkleid und roten Söckchen nicht durch wundersame Welten hinter Spiegeln, sondern wehrt sich in Nina Kurzejas „Alice im Iconland“ gegen Ansprüche und Appelle, die ein Chor der Erwachsenen anstimmt: „Sitz gerade! Hör auf zu chatten! Hast du deine Hausaufgaben gemacht? Nein, es gibt keine Computerspiele!“

Alice alias Kira Senkpiel stürmt auf die Bühne und schubst die Protagonisten derart lästiger Parolen um. Die Welt der vielen Optionen lockt, Tasten mit niedlichen Icons sind frei verfügbar und machen Lust, sich in der virtuellen Welt umzuschauen. Alice hüpft und tippt im Sprung auf eines der Icons, und hast du nicht gesehen, erscheinen drei Hasen. Alice wird zur teilnehmenden Beobachterin, sie reiht sich ein in das Trio der weißen Langohren, das wie aufgezogen und mit ständigem Blick auf die Armbanduhr hektisch kreuz und quer flitzt. Auf dem Screen rennt die Zeit davon, aber wohin? Ein Zeiger der durchgedrehten Uhr läuft vorwärts, der andere rückwärts, die Klicks, und damit die Geschichte, gehen weiter.

Wundervolle Stimmungen zaubern im Duett Scott Roller und Roderik Vanderstraeten. Klanglich hält das Duo den Spannungsbogen bis zur letzten Minute und konterkariert durch szenische Einlagen, die sehr an Roland Schimmelpfennig angelehnte Dramaturgie (Bernhard M. Eusterschulte). Bei Schimmelpfennigs Berliner, wie in Kurzejas Stuttgarter Inszenierung stolzieren, staksen und robben die aufgetakelte Raupe (Diane Marstboom), der exaltierte Hutmacher (Tom Baert), die laszive Grinsekatze (Asa Gesttodir) und die nicht minder aufgedonnerte Transen-Königin (Cedric Huss) über die Bühne, als seien sie einem Musical entsprungen, um den jeweils aktuellen Gefühlshaushalt in einem hübschen Song ans Publikum zu bringen.

Befreit vom Jahrmarkt dieser Eitelkeiten voll fröhlicher Hagestolze springt Alice leichtfüßig eine Runde Grand Jetés, mischt sich charmant in die Teegesellschaft, um schließlich mit dem lustigen Märzhasen (Luis Hergón), davon zu hoppeln – seinen Moves nach zu schließen, geht es zu einem Breakdance-Kurs oder einer Hip Hop-Party.

Konzipiert für Zuschauer ab 10 Jahren, kommt die spartenübergreifende Aufführung beim Publikum im Stuttgarter Theaterhaus sehr gut an, nicht zuletzt dank der fantasievoll umgesetzten Visuals (Uwe Kassai, Robert Dziabel, Kleon Medugorac) und dem passenden Lichtdesign (Ingo Jooß).

Veröffentlicht am 01.03.2013, von Leonore Welzin in Homepage, Kritiken 2012/2013, Tanz im Text

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Kommentare zu "Mit dem Märzhasen zur Hip Hop-Party"



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