NEWS 2010/2011



Berlin

MILLA & PARTNER UND SASHA WALTZ

Einer der drei Preisträger im Wettbewerb um das Denkmal zur Freiheit und Einheit Deutschlands in Berlin


  • Perspektivische Ansicht vom Schloss aus Foto © Milla & Partner/Sasha Waltz

Der gemeinsame Entwurf „Bürger in Bewegung“ von Sasha Waltz und Milla & Partner gehört zu den drei Gewinnern des Wettbewerbs für das Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin. Dieses Denkmal könnten Bürger und Besucher nicht nur betrachten, sondern auch betreten und bewegen - eine „soziale Plastik“.
Im Wettbewerb um die Gestaltung des nationalen Denkmals für Freiheit und Einheit in Berlin wurde der gemeinsame Entwurf der Stuttgarter Szenografen Milla & Partner und der Berliner Choreographin Sasha Waltz mit einem der drei gleichrangigen ersten Preise ausgezeichnet. Das gab Kulturstaatsminister Bernd Neumann auf der gestrigen Pressekonferenz in Berlin bekannt.
Der Entwurf trägt den Titel „Bürger in Bewegung“, eine Botschaft, die Sasha Waltz und Milla & Partner in außergewöhnlicher Weise umsetzen. Denn das Denkmal steht nicht starr, versteht sich nicht als bloßes Objekt der Betrachtung, es soll begangen und bewegt werden. Möglich wird diese Bewegung, wenn sich die Besucher in einer größeren Gruppe verständigen. Der Entwurf wurde in dem Geist geschaffen, dass jeder Mensch durch kreatives Handeln zum Wohl der Gemeinschaft beitragen und dadurch gestaltend auf die Gesellschaft einwirken kann. Die Besucher – die Bürger, die das gesamte Objekt in Bewegung setzen, werden dadurch selbst zum aktiven Teil des Denkmals. Formuliert wird damit auch ein sich ständig wandelnder choreographischer Ausdruck für die friedliche Revolution von 1989.
Die Form des Denkmals ist nach oben geöffnet, ähnlich einer Schale. Leicht und dynamisch anmutend erinnert es den Betrachter an Flügel, an ein Blatt oder ein Boot. Der Umriss scheint aus dem Sockel des ehemaligen Denkmals für Kaiser Wilhelm I. herausgelöst, empor gestemmt durch die gemeinsame Kraft der Demonstranten – von der Vergangenheit in eine optimistische Zukunft. Während die Außenseite die bewegenden Ereignisse der friedlichen Revolution abbildet, bietet die nach oben geöffnete Innenseite Raum für die heutige Auseinandersetzung mit den Begriffen Freiheit und Einheit – ein Forum, das den Bürger von heute, die Besucher selbst in den Mittelpunkt stellt und von ihnen genutzt werden kann.
Der Entwurf ist nicht nur gestalterisch anspruchsvoll, sondern stellt auch besondere Anforderungen an die Statik. Als Fachberater zogen Milla & Partner und Sasha Waltz daher die Stuttgarter Ingenieure Leonhardt, Andrä und Partner hinzu.
Der Wettbewerb für das Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin (www.wettbewerb-denkmal.de) war ausgelobt worden von der Bundesrepublik Deutschland vertreten durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS). In der Präqualifikationsrunde waren 386 Bewerbungen eingereicht worden. Für die anschließende Entwurfsphase wurden 28 der Bewerber ausgewählt. Das Preisgericht hat dem Auslober nun empfohlen, die drei preisgekrönten Beiträge einer Überarbeitung zuzuführen, bei der insbesondere die Hinweise des Preisgerichts berücksichtigt werden sollen. „Im Anschluss daran wird eine Entscheidung für die Realisierung einer dieser drei Arbeiten getroffen", so Staatsminister Bernd Neumann.
Der Entwurf „Bürger in Bewegung“ ist gemeinsam mit allen weiteren Einreichungen der zweiten Wettbewerbsrunde bis zum 31. Oktober in der öffentlichen Ausstellung im Martin-Gropius-Bau zu sehen (Eintritt frei). Parallel dazu werden die Arbeiten auch im Internet präsentiert unter www.bbr.bund.de. Über Milla & Partner, Agentur und Ateliers, Stuttgart Milla & Partner kreieren und realisieren kommunikative Objekte und Raumerlebnisse wie Museen, Ausstellungen, Science-Center und Veranstaltungen. Neben dem Entwurf und der Umsetzung umfassender dramaturgischer Konzepte widmen sich die Stuttgarter Szenografen insbesondere der Entwicklung und dem Design innovativer Mensch-Maschine-Schnittstellen, die das Publikum zur Interaktion anregen, die Besucher in Themen involvieren. Zu den aktuellen Projekten von Milla & Partner gehört der Deutsche Pavillon „balancity“ auf der Weltausstellung 2010, der noch bis zum 31. Oktober in Shanghai zu sehen ist. Milla & Partner sind zweifacher Preisträger des red dot award: communication design 2010. Für ihre Arbeiten wurde die Agentur für Kommunikation im Raum daneben mit zahlreichen weiteren Preisen aus den verschiedensten Disziplinen ausgezeichnet – vom Cannes Löwen über den iF communication design award, den ADC Nagel und den DDC Award bis hin zum ADAM- und EVA-Award.
Über Sasha Waltz und Jochen Sandig Die Choreographin Sasha Waltz ist Leiterin des Tanzensembles Sasha Waltz & Guests, das sie 1993 gemeinsam mit Jochen Sandig in Berlin gründete. Internationale Bekanntheit erlangte sie neben ihren Inszenierungen in den Sophiensälen, der Schaubühne am Lehniner Platz, der Staatsoper Unter den Linden und dem Radialsystem V vor allem auch durch ihre spektakulären Arbeiten in Museen wie dem Jüdischen Museum Berlin (1999) und der musikalisch-choreographischen Installation „Dialoge 09“ zur Eröffnung des Neuen Museums in Berlin (2009). Zu ihren aktuellen Projekten gehört die choreographische Oper „Passion“ von Pascal Dusapin, die am 6. Oktober 2010 am Théâtre des Champs-Élysées in Paris uraufgeführt wird. 2011 wird die Oper „Matsukaze“ des japanischen Komponisten Toshio Hosokawa in einer Choreographie von Sasha Waltz an der Oper La Monnaie in Brüssel zur Uraufführung kommen. Jochen Sandig ist darüber hinaus Gründer und Kodirektor des Radialsystem V in Berlin, das seit 2006 die neue Produktionsstätte von Sasha Waltz & Guests darstellt.

Veröffentlicht am 04.10.2010, von Pressetext in News 2010/2011

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