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Münster

DER BAROCKE VORFAHR

Hans Henning Paars "Bach, immortalis"



Hans Henning Paar bedient sich an Bachs ebenso umfangreichem und vielfältigen musikalischen Werk viel weniger gezielt als etwa Hans van Manen oder John Neumeier.


  • BACH, IMMORTALIS von Henning Paar Foto © Oliver Berg
  • "Bach, immortalis" von Henning Paar Foto © Oliver Berg
  • "Bach, immortalis" von Henning Paar Foto © Oliver Berg
  • BACH, IMMORTALIS von Henning Paar Foto © Oliver Berg
  • BACH, IMMORTALIS von Henning Paar Foto © Oliver Berg

Münsters Tanzchef Hans Henning Paar hat sich mit seinem Ensemble auf die "Suche nach Ahnen" begeben und erweist dem unsterblichen Musikgenie Johann Sebastian Bach Reverenz. Wie nah der barocke Vorfahr unserer Zeit ist mit seiner Kunst, entdeckten für den Tanz ja schon vor Jahrzehnten Hans van Manen und John Neumeier. Mit seiner inzwischen legendären und noch immer präsenten Choreografie auf Bachs "Matthäuspassion" knüpfte Neumeier an die sakrale Tanzkunst der Jesuiten an und zelebrierte sie (zunächst) in der Hamburger Michaeliskirche. Hans van Manen dagegen analysierte Bachs profane Musik und übertrug dessen strenge, klare, geometrische Kompositionstechnik in Raum- und Bewegungsmuster von kongenial hochvirtuoser, dabei geradezu asketischer Ästhetik.

Paar bedient sich an Bachs ebenso umfangreichem und vielfältigen Werk viel weniger gezielt. Er ist nüchterner Realist, bleibt ganz nah am Puls unserer Zeit und schöpft alle Möglichkeiten jetziger Theaterrealität aus. Seine Musikwahl bietet Häppchen aus so bekannten Werken wie den Brandenburgischen Konzerten, Orchestersuiten und Solopartiten, zitiert mit einer Arie und einer Passacaglia Bachs Kirchenmusik und schlägt ostentativ die Brücke ins Heute durch die eigens für diesen Abend komponierten "Reflexionen über B-A-A-C-H-H" vom Dirigenten des auf kammermusikalische Dimension reduzierten Sinfonieorchesters, Thorsten Schmid-Kapfenburg.

Die elfköpfige Truppe tanzt in Alltagsklamotten und mit eigenem "Kopfschmuck" von Glatze bis Pferdeschwanz einen Mix aus allerlei Techniken zwischen Modern und Street Dance. Alle dürfen ihr Bestes zum Besten geben. Wie anfangs der Embryo zum krabbelnden, dann gehenden Menschlein wird - das hat wenig Folgen. Der individuelle Lebensweg wird in der Menge verschluckt.

Paar bietet mit seinem Programm in Westfalen eine Vielfalt von Themen und Formaten an. Das Münstersche Publikum feiert ihn und sein Ensemble auch bei "Bach, immortalis" mit frenetischem Applaus.

Veröffentlicht am 29.10.2017, von Marieluise Jeitschko in Homepage, Kritiken 2017/18

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Kommentare zu "Der barocke Vorfahr"



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