„Thriller Live“

„Thriller Live“

Gigantisches Showerlebnis

Im Admiralspalast feiert „Thriller Live“ das Phänomen Jacko

Bereits wenige Monate vor Michael Jacksons tragischem Tod eroberte die Tribute-Show „Thriller Live“ das Londoner West End, und dort läuft sie inzwischen in der sechsten Saison mit ungebrochenem Erfolg.

Berlin, 16/11/2015

Er sei geboren, um zu singen, und habe gelebt, um Menschen zu unterhalten, moderiert einer der Sänger. Vielleicht ist dies die treffendste Kurzbeschreibung des Phänomens Jacko. Bereits wenige Monate vor Michael Jacksons tragischem Tod eroberte die Tribute-Show „Thriller Live“ das Londoner West End, und dort läuft sie inzwischen in der sechsten Saison mit ungebrochenem Erfolg. Schon 2010 gastierte sie auch im Admiralspalast, kehrt nun, erweitert um Titel wie „Human Nature“ und „Remember the Time“, an diesen Ort zurück, um den wohl einzigen, den wahren Megastar zu feiern, der mitreißende Musik, vibrierenden Tanz,
avantgardistisches Begleitvideo und eine häufig humanistische Botschaft zum bis dahin ungekannten Gesamtkunstwerk gesteigert hat.

Davon erzählt der Regisseur und Choreograf Gary Lloyd in einer Zweieinhalb-Stunden-Show, die Jacksons von Ehrungen für außergewöhnliche Kreativität und Vielseitigkeit gepflasterten Weg nachzeichnet: vom Knaben bei den Jackson Five bis zum Star in schwindelerregender Höhe – und Einsamkeit. LED-Panels mit ihren Lichtspielen, prächtige Kostüme voller Gold und Glitzer, leinwandgroße Projektionen bilden den äußeren Rahmen, in dem sich die Musik von den sanften Balladen bis zum funkigen Soul perfekt entfalten kann.

Sie beginnt mit einer Reminiszenz an die Motown-Ära und bringt sogar einen Knirps auf die Bühne, der so souverän agiert, als wäre er little Michael selbst. Dann folgen voll entzündlicher Energie all die Songs des vielfachen Grammy-Gewinners, die man kennt und liebt. Was die unter einer Brücke verborgene Band vorgibt, das nehmen hervorragende Sänger um Cleopatra Higgins vom Typ Janet Jackson und die elektrisierenden Tänzer auf, als wollten sie den Saal in Brand setzen. Die Herzen der Zuschauer haben sie da längst entflammt. „She's out of my Life“ knistert sich unter die Haut und zeigt Michaels gefühlsvolle Seite, ehe die Salti der Tänzer die Rückkehr in dessen rockigen Gestus feiern und mit roten Fahnen „Can you feel it“ beenden.

Flic Flacs der explosiven Tänzer leiten auch den Teil nach der Pause ein. Er reiht jene Hits, die Jacksons unsterbliches Erbe ausmachen, „Beat it“, „Billie Jean“, „Man in the Mirror“ mit einem Bilderfries aus Luther King, JFK, Lennon, Mutter Teresa, Mandela und Obama als Idole, dann der geschlossensten Beitrag des Abends, „Smooth Criminal“, als eine Orgie in Feuerrot.

Die Show liefert, was der Nachwelt an Michael hoch und heilig ist: Genitalgriffe und Hutspiel, Beinwürfe, Moonwalk, ruckhafte Bewegungen, flinke Drehungen, verblüffende Schräglagen und all jene nervöse Intensität, wie sie bei keinem anderen auch für ein Zeitgefühl steht. „They don't care about us“ mit seinem Marschrhythmus, dem zwingenden Trommelklang und dem Appell, sich gegen Hunger und Hass zu engagieren, reißt förmlich von den Sitzen. Ab dem brillanten Solo „Billie Jean“ des Michael-Doubles Sean Christopher sitzt eh niemand mehr. Zum Finale aus „Thriller“ und „Bad“ tanzt, klatscht, singt das gesamte Haus. Eben: Michael forever.

Bis 15.11., Admiralspalast, Berlin

Kommentare

Noch keine Beiträge