„Kontraste“ von Jacqueline Fischer

„Kontraste“ von Jacqueline Fischer

Im Kaleidoskop der Weltkulturen

Jacqueline Fischers „Kontraste“ beim Theater der Klänge

So unterhaltsam einige Szene sind, der kurze Abend leidet dennoch unter allzu vielen Klischees und manchem Leerlauf.

Düsseldorf, 14/01/2016

Jean-Jacques Rousseau sah die Welt schon Mitte des 18. Jahrhunderts so ähnlich wie wir sie heute erleben: „Alle Hauptstädte sind einander gleich; alle Völker vermischen sich dort“, beobachtete der Schweizer Philosoph. Zitate wie dieses und zeitlose Lebensweisheiten durchziehen die neue Produktion des Düsseldorfer Theater der Klänge wie ein roter Faden. Projiziert auf die Rückwand aus fünf schlichten Stoffelementen für Auftritte und Abgänge, stützen sie die kleinen Szenen und Soli der Choreografie von Jacqueline Fischer, der langjährigen Tänzerin der freien Gruppe. Nicht nur verschiedene Nationen, sondern auch Künstler unterschiedlicher Genres treffen dabei zusammen. Die Sopranistin Barbara Schachtner trägt Vers für Vers - zunächst im Dirndl nach anfänglicher Stimmblockade, später im langen Schwarzen als Konzertsängerin - das Gedicht „Alles ist eitel“ von Andreas Gryphius in der Vertonung von J. U. Lensing vor, dem Komponisten des Abends und Künstlerischen Leiter des Theaters. Puzzleteile aus grüner Plastikfolie fügt die recht streng wirkende, hochgewachsene Deutsche aneinander, schiebt sie hier- und dorthin. Aber das Bild will nicht gelingen. Immerhin bilden schließlich sechs Segmente den Erdkreis.

Großstadt- und Alltagslärm kontrastieren mit Vogelzwitschern. In charakteristischer heimischer Tracht oder Aufmachung gewähren die Tänzerinnen und Tänzer Einblicke in die Folklore ihrer Heimat: die gebürtige Chilenin Camila Scholtbach, die in Griechenland aufgewachsene Phaedra Pisimisi, der Japaner Yuta Hamaguchi und der Irrwisch-fixe Kongolese Arnoud Samba Nkassa. Die temperamentvolle amerikanische Schauspielerin Ilya Parteneau stürmt als Cowgirl auf die Bühne - stellt dann aber eine junge Frau dar, die an schnell fortschreitender Multiple Sklerose leidet und sich nach und nach mit immer weniger Bewegungsfreiheit abfindet - in heroischer Weise, bis hin zum Rollstuhlduett mit Phaedra Pisimisi.

Es geht um die heute so viel beschworenen Kontraste von Einzelschicksalen, in allen Lebensbereichen und zwischen den Kulturen, aber auch um die für manche unerfüllbaren Anforderungen in unserer Gesellschaft. „Kontraste“ ist wieder, wie stets beim Theater der Klänge, eine aufwändige Produktion. So unterhaltsam einige Szenen sind, der kurze Abend leidet dennoch unter allzu vielen Klischees und manchem Leerlauf. Der aktuelle Bezug zum Flüchtlingsdrama wirkt harmlos plump.
 

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