HOMEPAGE



Stuttgart

MIT GROßEN SPRÜNGEN IN DIE ZUKUNFT

Ballett-Matinee der Stuttgarter John Cranko Schule



Sie zeigen, was sie können, und was sie da zeigen, das kann sich sehen lassen. Tadeusz Matatcz als Direktor der John Cranko Schule kann zum Ende der Saison erfreut auf die Ergebnisse des diesjährigen Schuljahres blicken.


  • Ballett-Matinee der Stuttgarter John Cranko Schule: "Die Vier Jahreszeiten" mit Katarzyna Kozielskas Choreografie zu "Frühling" Foto © Stuttgarter Ballett
  • Ballett-Matinee der Stuttgarter John Cranko Schule: "A Spell on you" von Marco Goecke Foto © Stuttgarter Ballett
  • Ballett-Matinee der Stuttgarter John Cranko Schule: "Etüden" Foto © Stuttgarter Ballett
  • Ballett-Matinee der Stuttgarter John Cranko Schule: "Porto que sinto" von Catarina Antunes Moreira Foto © Stuttgarter Ballett
  • Ballett-Matinee der Stuttgarter John Cranko Schule: "Die Vier Jahreszeiten" mit Fabio Adorisios Choreografie zu "Herbst" Foto © Stuttgarter Ballett
  • Ballett-Matinee der Stuttgarter John Cranko Schule: "Alreddedor no hay nada" von Nacho Duato Foto © Stuttgarter Ballett
  • Ballett-Matinee der Stuttgarter John Cranko Schule: "Etüden" Foto © Stuttgarter Ballett

Sie zeigen, was sie können, und was sie da zeigen, das kann sich sehen lassen. Tadeusz Matatcz als Direktor der John Cranko Schule kann zum Ende der Saison erfreut auf die Ergebnisse des diesjährigen Schuljahres blicken. Der damit verbundene Wunsch, das Publikum zu verzaubern, geht dabei auch in Erfüllung.

In einer neuen Besetzung beginnt die Matinee mit den im letzten Jahr uraufgeführten vier Kreationen zu Antonio Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“. Katarzyna Kozielska, Louis Stiens, Fabio Adorisio und Demis Volpi, dem auch die künstlerische Leitung dieses Projektes im Auftrag der Schule obliegt, lassen die Tänzerinnen verschiedener Ausbildungsklassen und die Mitglieder der Akademien A und B durch das Jahr tanzen.

Nach der Pause folgt „Klassische Symphonie“ zu Sergei Prokofjews „Sinfonie classique“ von Leonid Lavrowsky. Dass diese Kreation vor weit mehr als 50 Jahren entstand, merkt man der frischen Interpretation und dem gekonnten Umgang mit den nicht zu unterschätzenden technischen Ansprüchen dieser exzellenten sowjetischen Neoklassik nicht an.

Mitglieder der Akademien A und B tanzen eine Erstaufführung von Goyo Montero mit dem Titel „Alrededor no hay nada“. Durchaus interessant anzusehen, was die fünf Paare da auf die Sprachrhythmik der zugespielten Texte von Joaquin Sabina und Vincius de Morales in ansteigender Dynamik zeigen. Allerdings wäre eine Übersetzung der Texte, zumindest im Programmheft, wünschenswert. So bleibt es ein Rätsel, was da gesprochen und was dazu über "Das Nichts“ getanzt wird.

Mitunter liegt in der Kürze das Glück. Beispielsweise, wenn Mizuki Amemiya gemeinsam mit Henrik Erikson und Christopher Kunzelmann zu einem Ausschnitt aus Monteverdis „Lamento della Ninfa“, gesungen von Ane Brun, ganz und gar nicht demonstrativ, sondern bei angemessener Individualität mit höchst anspruchsvollen Konstellationen und vor allem Hebungen ihr bestaunenswertes Können zeigen.

In einer Neufassung gibt es „A Spell on You“ von Marco Goecke zum immer etwas melancholischen, dunklen Gesang der 2003 verstorbenen Nina Simone, Vertreterin der Black Classical Music, und dennoch nicht ohne den Sound des widerständigen Soul. Goeckes Kreation fasziniert zunächst im Trio als dann im ausdrucksstarken Solo, hier getanzt von Amber Ray, der zu den erfolgreichen Absolventen dieses Jahrganges gehört.

Nach dem kleinen Solo „porto que sinto“ von Catarina Antunes Moreira kommt das grandiose Finale: Ausschnitte aus „Etüden“, eingerichtet für alle Altersklassen der Schule von Barbara und Tadeusz Matacz. Da kommt alles zusammen, was das Ballett ausmacht. Die Symmetrien der Gruppen, die tänzerischen Beziehungen der Paare, die solistischen Qualitäten bei hohen Ansprüchen, wie man sie aus dem klassischen Grand Pas de deux kennt mit Pirouetten, Sprüngen, Hebungen, Korrespondenzen zwischen Solisten und der Gruppe. Nicht zu vergessen, die großen, diagonal über Bühne geführten Sprungparaden der jungen, hoffnungsvollen Tänzer.

Vier der 14 Absolventen wird man im Stuttgarter Ballet wiedersehen. Andere werden in Eisenach, an der Opéra National de Bordeaux, beim Ballet du Rhin in Straßburg, im Ballett der Oper von Bydgosz in Polen oder am Königlichen Ballett in Stockholm tanzen, oder auch am Prager Ballett des Nationaltheaters, dessen Direktion mit Beginn der neuen Saison Filip Barankiewicz übernimmt.

Veröffentlicht am 14.07.2017, von Boris Michael Gruhl in Homepage, Kritiken 2016/17, Tanz im Text

Dieser Artikel wurde 1277 mal angesehen.



Kommentare zu "Mit großen Sprüngen in die Zukunft"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung




    Ähnliche Beiträge

    BENOIS-GALA IN STUTTGART

    Präsentation zum Prix Benois de la Danse

    Veröffentlicht am 29.04.2000, von Bernd Krause


    DURCH NACHT ZUM LICHT

    Bloß nicht in der Pause heimgehen: Marco Goeckes „Orlando“ beim Stuttgarter Ballett beginnt zäh und endet furios

    Veröffentlicht am 04.06.2010, von Angela Reinhardt


    ANSCHLUSS AN DIE INTERNATIONALE WELT DES MODERNEN BALLETTS

    Regensburg genoß unter dem scheidenen Ballettchef Olaf Schmidt eine exquisite Ballettgala

    Veröffentlicht am 01.12.2011, von Alexandra Karabelas


    SPAß AUF DER ANDEREN SEITE

    Noverre-Gesellschaft zeigt Kreationen junger Choreografen mit Tänzern des Stuttgarter Balletts

    "Die Geigen haben kaum Zeit, ihre Melodie zu klagen, die Triolen der Kontrabässe sind unerbittlich. Ein Mann und vier Frauen nehmen die Dynamik auf...

    Artikel aus Stuttgarter Zeitung vom 21.01.2013


    TANZ DIREKT AUS UND IN REAKTION AUF MUSIK KREIERT

    „Tanz//Toene“ heißt der neue Ballettabend des Stuttgarter Balletts

    „Ssss ...“ von Edward Clug aus dem vergangenen Jahr und „Slice to Sharp“ von Jorma Elo aus dem Jahr 2006 sowie Maurice Béjarts opulentes Meisterwerk „Bolero“ nach der gleichnamigen betörenden Komposition von Maurice Ravel.

    Veröffentlicht am 19.02.2013, von Alexandra Karabelas


    MARIJN RADEMAKER ERHÄLT PREIS DER NIEDERLÄNDISCHEN STIFTUNG DANSERFONDS '79

    Ein sehr guter Tänzer mit einer natürlichen Affinität zu van Manens zeitgenössischen Werken, aber gleichzeitig auch mit der Noblesse und Virtuosität, die ein Muss sind für die Interpretation der großen Petipa-Ballette des Russlands des 19 .Jahrhunderts.

    Veröffentlicht am 20.03.2013, von Pressetext


    REICH BESCHENKT

    Christian Spucks Abschiedsgala beim Stuttgarter Ballett

    Veröffentlicht am 10.07.2012, von Alexandra Karabelas


    SAISONRÜCKBLICK STUTTGARTER BALLETT

    Veröffentlicht am 31.07.2000, von Bernd Krause


    "LA FILLE MAL GARDÉE"

    Veröffentlicht am 12.05.2000, von Bernd Krause


    LANGJÄHRIGES UND ERFOLGREICHES ENGAGEMENT ALS KULTURELLER BOTSCHAFTER

    Die Europäische Kulturstiftung Pro Europa verleiht dem Stuttgarter Ballett den Europäischen Tanz-Kulturpreis

    Am Samstag, den 21. Dezember 2013 verleiht die Europäische Kulturstiftung Pro Europa dem Stuttgarter Ballett den Europäischen Tanz-Kulturpreis im Rahmen einer Vorstellung von "Der Widerspenstigen Zähmung" im Stuttgarter Opernhaus.

    Veröffentlicht am 18.10.2013, von Pressetext


     

    LEUTE AKTUELL


    "TANZ DER MENSCHLICHKEIT"

    Nestroy Spezialpreis für Doris Uhlich und Michael Turinsky mit "Ravemachine"
    Veröffentlicht am 17.11.2017, von Pressetext


    JÖRG WEINÖHL VERLÄSST DIE OPER GRAZ

    Der Ballettdirektor wird seinen Vertrag nicht verlängern
    Veröffentlicht am 13.11.2017, von Pressetext


    ED WUBBE BEKOMMT DEN "GOLDEN SWAN"

    Der künstlerische Leiter des Scapino Ballet wurde mit dem niederländischen Tanzpreis ausgezeichnet
    Veröffentlicht am 17.10.2017, von tanznetz.de Redaktion



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    OLD, NEW, BORROWED, BLUE

    Ballett-Premiere am Samstag, den 25.11.2017 um 19.30 Uhr auf der Bühne des Großen Hauses am Musiktheater im Revier

    „Something old, something new, something borrowed, something blue…und ein silberner Sixpence im Spitzenschuh…“, könnte man den Titel des neuen Ballettabends weiterdichten.

    Veröffentlicht am 08.11.2017, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    ATEMBERAUBEND GRENZÜBERSCHREITEND: HOMÖOPATHIE UND TANZ

    „Sepia tanzt alleine“ von Andrea Simon, Andreas Etter, Ulrich Koch und Gesina Habermann verbindet Tanz und Medizin in beeindruckend schönen Bildern
    Veröffentlicht am 10.02.2017, von Sabine Kippenberg


    DIONYSOS UND APOLLON IM STREIT

    Demis Volpis „Tod in Venedig“ als Koproduktion von Ballett und Oper in Stuttgart
    Veröffentlicht am 09.05.2017, von Isabelle von Neumann-Cosel


    VERBOTEN, VERSCHOBEN, VERGESSEN?

    Zur Absage der Uraufführung „Nurejew“ des Regisseurs Kirill Serebrennikow und des Choreografen Juri Possochow am Moskauer Bolschoi-Theater
    Veröffentlicht am 18.07.2017, von Boris Michael Gruhl

    MEISTGELESEN (30 TAGE)


    JÖRG WEINÖHL VERLÄSST DIE OPER GRAZ

    Der Ballettdirektor wird seinen Vertrag nicht verlängern

    Veröffentlicht am 13.11.2017, von Pressetext


    SEHNSUCHT – DER GRÖßTE GEMEINSAME NENNER

    Ein taufrisches Meisterwerk bei tanzmainz: Sharon Eyals „Soul Chain“

    Veröffentlicht am 30.10.2017, von Isabelle von Neumann-Cosel


    ACCESS TO DANCE



    Veröffentlicht am 03.05.2013, von tanznetz.de Redaktion


    DER NACKTE KÖRPER – SONST NICHTS

    „ZeitGeist“ – ein neues Tanzstück von Éric Trottier in der Mannheimer Trinitatiskirche

    Veröffentlicht am 07.11.2017, von Isabelle von Neumann-Cosel


    DAS STUTTGARTER RITUAL

    50 Jahre „Onegin“ von John Cranko am Stuttgarter Ballett

    Veröffentlicht am 30.10.2017, von Alexandra Karabelas



    BEI UNS IM SHOP