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DIE SCHÖNHEIT DES TÄNZERS

Weingartens „Stuttgarter Ballett 2017“



Edel schaut er wieder aus, der Kalender „Stuttgarter Ballett“. Bernd Weißbrod, Hausfotograf des Ensembles von Weltrang, hat auch diesmal die besten Großmotive aus zehn Repertoirestücken zu einem Bilderbogen des Nobeltanzes aufgefächert.


  • Weingartens Kalender "Stuttgarter Ballett 2017" Foto © oh

Edel schaut er wieder aus, der Kalender „Stuttgarter Ballett“. Bernd Weißbrod, Hausfotograf des 62 Tänzer zählenden Ensembles von Weltrang, hat auch auf das Jahr 2017 die besten Großmotive aus zehn Repertoirestücken zu einem Bilderbogen des Nobeltanzes aufgefächert. Alle Ersten Solisten, bis auf Myriam Simon, dürfen sich in ihren herausragenden Partien zeigen, in Posen von der Klassik bis zu Marco Goeckes „Le Chant du Rossignol“. Wie viele choreografische Zwischenstufen es gibt, bis hin zu Sidi Larbi Cherkaouis „Feuervogel“, weist ein weiteres Mal auf Reid Andersons segensreiche Spielplanpolitik hin, von der der Berliner Kritiker nur träumen kann. Dass sie Altmeister John Crankos Œuvre liebevoll pflegend einbegreift, versteht sich von selbst. Mit seinem „Onegin“ beschließen Alicia Amatriain und Friedemann Vogel das Jahr, mit Kenneth MacMillans „Lied von der Erde“ leiten es Anna Osadcenko und Roman Novitzky ein. Überzeugen Jason Reilly und Amatriain schon im Foto zu Neumeiers „Endstation Sehnsucht“ von der Unvereinbarkeit ihrer Charaktere, so spürt man bei Osadcenko und Reilly den Konflikt zwischen Onegin und Tatjana fast körperlich. Hyo-Jung Kang und Constantine Allen sind da im 2. Akt von „Giselle“ als Titelgestalt und Albrecht wesentlich mehr d'accord; mit Miriam Kacerova darf Jungstar Allen in Crankos „Aus Holbergs Zeit“ dann richtig strahlen.

Zweimal strahlend auch „Dornröschen“: Kang und David Moore in der Schlusshebung, Jungballerina Elisa Badenes in einer Attitude wie aus dem Lehrbuch. Zweimal zudem kann sich Daniel Camargo, seit dieser Saison Neuzugang bei Het Nationale in Amsterdam, von seinen Fans verabschieden: in einer Standpose aus Goeckes „Chant du Rossignol“ und, hier in nahezu unbedeckter Physis, einer Schatten werfenden Arabeske aus MacMillans „Requiem“. Wie perfekt der formidable Friedemann Vogel und als Gast aus Lausanne der famose Oscar Chacon Maurice Béjarts Duo „Lieder eines fahrenden Gesellen“ interpretieren dürften, das steht außer Zweifel. Daran kann man sich den ganzen November über erfreuen, am Kalender insgesamt das volle Jahr 2017!

„Stuttgarter Ballett 2017“, Weingarten, 36,99 Euro, ISBN 978-3-8400-6697-9

Veröffentlicht am 21.11.2016, von Volkmar Draeger in Homepage, Tanzmedien

Dieser Artikel wurde 674 mal angesehen.



Kommentare zu "Die Schönheit des Tänzers"



    • Kommentar am 03.12.2016 23:41 von Recht
      Der Berliner Kritiker kann von der Spielplanpolitik nur träumen????

      Der Stuttgarter Zuschauer bekommt jedes Jahr dasselbe in Abstand vorgekaut. Neuheiten sind dann solche Meisterwerke wie Salome. Grausam.



      Ein Duato dürfen wir nie sehen. Alle 2 Jahre der gleiche Cranko, Bolero bis es auch der Techniker getanzt hat und Requisitenausstellungen wie Krabat.....



      Ab nach Berlin....
    • Kommentar am 06.12.2016 14:24 von Mascha
      Mhm.... wo sind van Manen oder Forsythe im Berliner Spielplan? Wo ist Béjart, von dem früher so viel in Berlin getanzt wurde? Wo Cherkaoui oder Goecke? Die Klassiker nur in Duato-Version? Nein danke. Zwei der großen Cranko-Ballette laufen übrigens genauso in Berlin regelmäßig, nur in unmöglicher Ausstattung - nein danke.

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