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Berlin

WEST-ÖSTLICHER DIALOG

Im Hebbel am Ufer trifft bei „Cabdance“ Tradition auf HipHop



Dass Amigo und Jecko in ihrem Bemühen, Tradition und HipHop zu verknüpfen, zusammentreffen würden, schien nur eine Frage der Zeit.


  • Kadir "Amigo" Memis und Jecko Siompo mit „Cabdance“ im HAU Foto © Dieter Hartwg
  • Kadir "Amigo" Memis und Jecko Siompo mit „Cabdance“ im HAU Foto © Dieter Hartwg
  • Kadir "Amigo" Memis und Jecko Siompo mit „Cabdance“ im HAU Foto © Dieter Hartwg

Sie haben eine gemeinsame Wurzel: Beide imitierten als Kinder die Bewegungen von Tieren. Bei Kadir Memis war es der Bär, dem er unter einem Pelz zu Trommelbegleitung in einem anatolischen Dorf tanzend Leben verleihen musste. Als er mit 10 nach Berlin kam, ohne Deutschkenntnisse, verstand er in der Klasse vorerst nichts, entdeckte dann im autodidaktisch erlernten HipHop eine Sprache: Die verlieh ihm eine Identität. So wurde aus Kadir „Amigo“, der Freund. Mit 19 gründeten er und Vartan Bassil die Flying Steps, eine inzwischen international tourende, vielfach ausgezeichnete B-Boy-Crew. Später kamen die Dance-Unity als Kommunikationsplattform zum weltweiten Tänzeraustausch und die Funkin' Stylez als eines der größten internationalen HipHop-Battles in Deutschland dazu. Amigo beherrscht heute fast alle HipHop-Stile, doch für die Bühne, sagt er, reduziere er, will weniger Technik zeigen, dafür mehr Gefühl. Das unterscheidet ihn von jungen Kollegen, die sich gern in Bravour verlieren.

Amigo mag lieber Geschichten erzählen und ebnet dem HipHop den Weg von der Straße auf die Bühne in eine lange Zukunft. Seine großen Erfolge hießen „2nd ID“ um persönliche Befindlichkeiten der Interpreten und „ZEY'BrEaK“ als Mix aus anatolischem Tanz und HipHop, zugleich Selbstbefragung eines deutsch-türkischen Choreografen. Die Jugendkultur HipHop für Einflüsse öffnen und nutzen, um etwas über das eigene Leben auszudrücken, das sieht Amigo als wichtige Aufgabe. Einen Verbündeten hat er in Jecko Siompo gefunden. Im indonesischen Dschungel nahe der Grenze zu Papua-Neuguinea hat Jecko als Junge die Bewegungen von Tieren studiert, wie sie bei der Gestaltung mythologischer Themen eingesetzt werden. So entwickelte sich allmählich ein eigener Tanzstil. Als Jecko in Jakarta erstmals HipHop sah, empfand er ihn als ähnlich, nur eben zu anderer Musik. Eine Vorstellung im Goethe-Institut trug ihm ein Stipendium für das Folkwang-Tanzstudio in Essen ein. Bei Susanne Linke und Henrietta Horn lernte er dort, erfuhr bei Pina Bausch in Wuppertal, wie man ein Stück konzipiert. In Berlin gastierte er bereits 1998 in einer „Lear“-Produktion. Wie Amigo sucht er in seinen Arbeiten lokale Tanzstile mit HipHop zu verbinden, nennt „Animal Pop“, was entstanden ist und womit er inzwischen weltweit Festivals bereist.

Dass Amigo und Jecko in ihrem Bemühen, Tradition und HipHop zu verknüpfen, zusammentreffen würden, schien nur eine Frage der Zeit. Nach mehreren kurzen Begegnungen führte der Verkehr auf Jakartas chronisch verstopften Straßen Regie. Drei Stunden standen die beiden mit einem Taxi im Stau. Die Idee für ein gemeinsames Stück war geboren. „Cabdance“ spielt in einem beengten Raum, meint auch limitiertes Denken und fragt, wie sich Europa und Asien in Selbstverständnis, Freiheitsbegriff, Lebensart unterscheiden. Als getanzter west-östlicher Dialog.

24., 25., 27.6., HAU1, Stresemannstr. 29, Kreuzberg, Tickets unter 259 004 27, www.hebbel-am-ufer.de

Veröffentlicht am 23.06.2014, von Volkmar Draeger in Homepage, Leute

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Kommentare zu "West-östlicher Dialog"



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