HOMEPAGE



München

AUF NEUEN WEGEN

Bettina Wagner-Bergelt verlässt das Bayerische Staatsballett



Nun ist es offiziell: im Spielzeitheft für die kommende Saison taucht der Name Wagner-Bergelt nicht mehr auf.


  • Bettina Wagner-Bergelt

Es war schon lange ein offenes Geheimnis in der Kulturszene Münchens, dass nach der erfolgreichen Führungstrias Liška/Oberender/Wagner-Bergelt am Bayerischen Staatsballett kein starkes Team Zelensky/Wagner-Bergelt entstehen wollte. Nun ist es offiziell: im Spielzeitheft für die kommende Saison taucht der Name Wagner-Bergelt nicht mehr auf. Zu unterschiedlich waren wohl ästhetische, programmatische aber auch persönliche Vorstellungen davon wie es weitergehen sollte am Bayerischen Staatsballett, nachdem Igor Zelensky die Leitung im Sommer 2016 endgültig übernommen hatte.

An Bettina Wagner-Bergelt, die unter Ivan Liška eher für die moderne Dramaturgie und Programmatik zuständig war, gab es bei Zelensky wohl zu wenig Interesse, um eine gemeinsame Arbeit fruchtbar machen zu können. Von der stellvertretenden Ballettdirektorin zur Dramaturgin heruntergestuft blieben ihr geringere Entwicklungsmöglichkeiten und Arbeitsfelder. Die Trennung nach immerhin 27 Jahren am Haus war schmerzvoll, aber unvermeidbar. Wie sich diese Lücke inhaltlich und personell schließen wird, ist aktuell unklar.

Bettina Wagner-Bergelt wurde 1990 von Konstanze Vernon ans Staatsballett engagiert. Ihre Aufgabe war der schrittweise Aufbau eines zeitgenössischen Spielplans an einer grundlegend klassisch geschulten Kompanie. Dank ihrer zahlreichen Kontakte zur internationalen zeitgenössischen Szene – auch als Kuratorin des Münchner DANCE-Festivals – erweiterte sie vor allem im Team mit Ballettchef Liška in den Jahren 1998 bis 2016 erfolgreich die moderne Schiene am Haus. Auch wenn Zelensky für die kommende Spielzeit verkündete mehr moderne Choreografien und weniger klassisches Ballett zu zeigen, sind die Vorstellungen darüber, was zeitgenössisch ist, wahrscheinlich unterschiedlich zu denen Wagner-Bergelts.

Ein weiteres immer größer werdendes Aufgabengebiet war die kulturelle Bildung, Projekte, die direkt an die Organisation, Räume, Finanzierung und Kompanie des Bayerischen Staatsballetts angegliedert waren. Schon früh startete Bettina Wagner-Bergelt ihr Programm zur Vermittlung von Tanz und Performance an Kinder und Jugendliche, das ab 2009 unter dem Titel Campus – Kinder- und Jugendprogramm des Bayerischen Staatsballetts firmierte und mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen sowie Künstlern unter dem Stichwort "Anders Lernen mit Kunst" zusammenarbeitete. Auch hier bleibt fraglich, ob diese gerade in heutigen Zeiten wichtige Aufgabe weiterhin einen angemessenen Stellenwert beim Staatsballett einnehmen wird.

Bettina Wagner-Bergelt zumindest ist beruflich schon auf neuen Wegen.

Veröffentlicht am 29.08.2017, von tanznetz.de Redaktion in Homepage, Leute, News 2017/18

Dieser Artikel wurde 1292 mal angesehen.



Kommentare zu "Auf neuen Wegen"



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Beitrag kommentieren zu können: Login | Registrierung




    Ähnliche Beiträge

    ORDEN FÜR BETTINA WAGNER-BERGELT

    CHEVALIER DE L'ORDRE DES ARTS ET DES LETTRES

    Bettina Wagner-Bergelt, Dramaturgin, Kuratorin und stellvertretende Ballettdirektorin beim Bayerischen Staatsballett, erhielt von der französischen Ministerin für Kultur und Kommunikation den Orden CHEVALIER DE L'ORDRE DES ARTS ET DES LETTRES für ihre Verdienste um den Austausch und die Zusammenarbeit mit französischen Künstlern und Institutionen.

    Veröffentlicht am 17.11.2014, von Pressetext


    EIN GLANZSTÜCK FÜR DIE TÄNZER

    Pina Bauschs „Für die Kinder von gestern, heute und morgen“ beim Bayerischen Staatsballett

    Nach langjähriger Arbeit und mit viel Hartnäckigkeit ist es endlich gelungen eine Choreografie von Pina Bausch nach München ans Bayerische Staatsballett zu holen.

    Veröffentlicht am 06.04.2016, von Malve Gradinger


    HEINRICH TANZT „MACHT!“

    Mit allen Schülerinnen und Schülern der 8. Klassen des Heinrich-Heine-Gymnasiums

    Zum 5. Mal erarbeiteten SchülerInnen statt normalen Unterrichts in drei Wochen unter Anleitung eines Choreografenteams ein eigenes Stück.

    Veröffentlicht am 27.07.2017, von Karl-Peter Fürst


     

    AKTUELLE KRITIKEN


    AUFBRUCHSTIMMUNG BEI DER HEINZ-BOSL-STIFTUNG

    Ballettmatinee im Nationaltheater München
    Veröffentlicht am 21.11.2017, von Sabine Kippenberg


    DAS DRAMA UM DIE LEIDENSCHAFT

    „Anna Karenina“ von Christian Spuck am Bayerischen Staatsballett
    Veröffentlicht am 21.11.2017, von Michaela.Schabel


    WER BIN ICH?

    Zur Gala des Stuttgarter Solo-Tanztheater-Festivals in der Hebelhalle Heidelberg
    Veröffentlicht am 21.11.2017, von Isabelle von Neumann-Cosel



    AKTUELLE VORANKÜNDIGUNG



    RACHMANINOW I TSCHAIKOWSKY

    Uraufführung von Xin Peng Wangs neuem Ballett am Samstag, 11. November 2017, im Opernhaus Dortmund

    In seiner neuen Kreation wagt er den Blick hinter die Kulissen der Kunst. In einem sensiblen und sehr persönlichen Drahtseilakt zwischen Bravour und Innerlichkeit erkundet er die Motorik und Dynamik künstlerischen Schaffens.

    Veröffentlicht am 20.10.2017, von Anzeige

    LETZTE KOMMENTARE


    ATEMBERAUBEND GRENZÜBERSCHREITEND: HOMÖOPATHIE UND TANZ

    „Sepia tanzt alleine“ von Andrea Simon, Andreas Etter, Ulrich Koch und Gesina Habermann verbindet Tanz und Medizin in beeindruckend schönen Bildern
    Veröffentlicht am 10.02.2017, von Sabine Kippenberg


    DIONYSOS UND APOLLON IM STREIT

    Demis Volpis „Tod in Venedig“ als Koproduktion von Ballett und Oper in Stuttgart
    Veröffentlicht am 09.05.2017, von Isabelle von Neumann-Cosel


    VERBOTEN, VERSCHOBEN, VERGESSEN?

    Zur Absage der Uraufführung „Nurejew“ des Regisseurs Kirill Serebrennikow und des Choreografen Juri Possochow am Moskauer Bolschoi-Theater
    Veröffentlicht am 18.07.2017, von Boris Michael Gruhl

    MEISTGELESEN (7 TAGE)


    TOD – DER LIEBE BRUDER

    Zum neuen Tanzstück „Der Tod und das Mädchen“ von Stephan Thoss in Mannheim

    Veröffentlicht am 18.11.2017, von Isabelle von Neumann-Cosel


    TANZTHEATERERLEBNIS FÜR DIE KLEINSTEN

    „Der Elefant aus dem Ei“ von Ceren Oran

    Veröffentlicht am 18.11.2017, von tanznetz.de Redaktion


    NUR AM RANDE KAFKAESK

    Mauro de Candias „Home, Sweet Home” am Theater Osnabrück

    Veröffentlicht am 20.11.2017, von Marieluise Jeitschko


    "TANZ DER MENSCHLICHKEIT"

    Nestroy Spezialpreis für Doris Uhlich und Michael Turinsky mit "Ravemachine"

    Veröffentlicht am 17.11.2017, von Pressetext


    OLDENBURG LÄSST DIE PUPPEN TANZEN

    „Drei Generationen“ bei der BallettCompagnie Oldenburg

    Veröffentlicht am 16.11.2017, von Martina Burandt



    BEI UNS IM SHOP