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Stuttgart

MARCO GOECKE WIRD NICHT VERLÄNGERT

Der Vertrag des Hauschoreografen des Stuttgarter Ballett läuft zum Ende der Spielzeit 2017/2018 aus



Der designierte Ballettintendant Tamas Detrich, der ab September 2018 die Leitung übernimmt, möchte eine eigene künstlerische Richtung einschlagen.


  • "Lucid Dreams" von Marco Goecke; Roman Novitzky, Louis Stiens und Matteo Crockard-Villa Foto © Stuttgarter Ballett
  • "Orlando" von Marco Goecke; Friedemann Vogel Foto © Stuttgarter Ballett

Der designierte Ballettintendant Tamas Detrich gab bekannt, dass er den Vertrag von Hauschoreograf Marco Goecke, der bis Ende der Spielzeit 2017/2018 läuft, nicht verlängern wird.

In einer Pressemitteilung ließ Detrich bekanntgeben, dass er eine „eigene künstlerische Richtung einschlagen wolle“. Detrich will dafür auf die Suche nach talentiertem Nachwuchs gehen. Dabei sollen Goeckes Werke im Repertoire der Kompanie erhalten bleiben, da der Künstler inzwischen „zur choreografischen Geschichte“ des Hauses gehöre.

Goecke wurde 2005 von Ballettintendant Reid Anderson zum Hauschoreographen des Stuttgarter Ballett ernannt. Seitdem hat er zwölf Stücke für das Stuttgarter Ballett kreiert, darunter zwei abendfüllende Stücke, und somit das zeitgenössische Repertoire der Kompanie maßgeblich geprägt.

Veröffentlicht am 11.07.2017, von Pressetext in Homepage, News 2016/2017

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Kommentare zu "Marco Goecke wird nicht verlängert"



    • Kommentar am 12.07.2017 20:26 von tanznetz.de Redaktion
      Es gibt Momente, da muss man sich beugen und begreifen, dass ein Künstler, dessen Arbeiten und dessen Werk größer sind als die Meinung, Entscheidung, der Wunsch oder die Ansicht eines anderen Einzelnen über ihn und sein Werk sein dürften.



      Solche Künstler spielen mental, menschlich und inhaltlich in einer Liga, die sie von anderen unterscheidet. Oft in noch höherem Maße als andere sind jene Künstler schutzbedürftig. Denn sie folgen, sich selbst oft nicht schützend, weit geöffnet und hochsensibel gegenüber der Welt und ihren Menschen, einer Gabe und einer Gnade, die ihrem Leben in besonderer Weise mitgegeben worden sind – einer Gabe, die andere Menschen und Institutionen reich beschenkt.



      Marco Goecke zählt zu diesen Künstlern - zu Recht nennt ihn van Manen einen der größten Künstler der Gegenwart. Er hat nicht nur im 21. Jahrhundert dem Ballett eine stilistische Signatur abgerungen - wer hat das in der Generation ab 1970! schon geschafft! - sondern er hat auch unzählige Tänzer und nachfolgende Choreographen beeinflusst und inspiriert, weil sie sich von seinem Körperbild, seinem Bewegungsverständnis, seinen Inhalten und seiner Schaffensweise angezogen fühlten und fühlen.



      Goecke ist deswegen viel mehr als nur ein Werk, das ein Repertoire eines Hauses bereichert hat; das damit zur "choreographischen Geschichte" eines Hauses gezählt wird während man dessen Schöpfer die Tür weist. Goecke vier Monate vor einer Premiere anzukündigen, man würde eventuell ohne ihn als Hauschoreographen in die Zukunft des Stuttgarter Balletts gehen und ihm dann, weil er nicht zu einem Gespräch erscheint, den Vertrag nicht zu verlängern, ist von daher kulturhistorisch betrachtet eine falsche Entscheidung. Goecke hätte, genauso und weil er so ist wie er ist, in Stuttgart das bekommen müssen, was Pina Bausch und John Neumeier in Deutschland genossen haben und genießen: „Artenschutz“, unabdingbar unter jenen Bedingungen, die zu ihm passen und die sein hochsenibles, geniales Schaffen nicht gefährden. Goecke hätte an dem Ort, der sein Zuhause ist, einen Vertrag auf Lebenszeit verdient. Weil man diesen Künstler ehrt. Weil man den Menschen in ihm sieht. Weil das Stuttgarter Ballett um Goeckes Größe weiß und souverän mit ihr umzugehen vermag. Weil das Land Baden-Württemberg Goecke ehrt. So aber darf ein Einzelner, der so lange warten musste, um endlich ans Ruder zu kommen, einen Ausnahmekünstler klein machen um selbst groß werden zu können. Ein merkwürdiger Übergang beim Stuttgarter Ballett, der auch so gar nicht zu der Art passt, wie Reid Anderson die Intendanz des Stuttgarter Ballett ausgefüllt hat – egal ob Goecke nun dessen „Kind“ ist oder nicht.



      Alexandra Karabelas

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