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Quedlinburg

LIEBE ALS GRAUSAMES SPIEL MIT DEM FEUER

Ballettversion des Briefromans "Gefährliche Liebschaften"



Can Arslan gelingt mit seiner Inszenierung von Pierre-Ambroise-Francois Choderlos de Laclos literarischem Stoff am Nordharzer Städtebundtheater ein Tanzabend voller Verführung.


  • "Gefährliche Liebschaften" am Nordharzer Städtebundtheater Foto © Jürgen Meusel
  • "Gefährliche Liebschaften" am Nordharzer Städtebundtheater Foto © Jürgen Meusel
  • "Gefährliche Liebschaften" am Nordharzer Städtebundtheater Foto © Jürgen Meusel
  • "Gefährliche Liebschaften" am Nordharzer Städtebundtheater Foto © Jürgen Meusel
  • "Gefährliche Liebschaften" am Nordharzer Städtebundtheater Foto © Jürgen Meusel

Kann man einen Roman, der aus mehr als 170 Briefen besteht „vertanzen“? Vor 12 Jahren stellte sich der damalige Ballettdirektor des Nordharzer Städtebundtheaters Jaroslav Jurasz schon einmal diese Frage und kreierte, von Publikum und Presse hoch gelobt, ein abendfüllendes Ballett auf der Grundlage des Briefromans, der nach seiner Veröffentlichung zum Skandal wurde und heute ein Stück Weltliteratur ist.

Was damals die Gemüter erregte, Proteste und Entrüstungen auslöste und doch von jedermann gelesen wurde, fasziniert noch heute und wurde Vorlage für Film, Musical, Oper und Ballett. In Jurasz' Version beeindruckte neben den solistischen Leistungen der Tänzerinnen und Tänzer der nur 7-köpfigen Kompanie vor allem die Musik von Lully, Rameau, Couperin und anderen Barockkomponisten aus dem 18. Jahrhundert, interpretiert durch das Orchester des Nordharzer Städtebundtheaters.

Als leidenschaftliches Spiel mit dem Feuer präsentiert Can Arslan die amourösen Liebesgeschichten des Vicomte de Valmont, die Verführungen der Cécile de Volanges und der Madame de Tourvaldie und die bitterbösen Intrigen der gefühlskalten Marquise de Merteuil, die zunehmend außer Kontrolle geraten und in seelische Abgründe bis in den Tod führen. Dabei bedient sich der Choreograf eines sehr interessanten - tänzerisch sowie emotional überzeugend umgesetzt von Ana Vila - Kunstgriffs. Sie stellt in solistischen Metamorphosen ihres Körpers und tänzerischen Attitüden mit den verschiedenen Adressaten und Autoren der Briefe den Briefwechsel dar. Diese Szenen - vor allem der Pas de trois um die Verführung der Cecile de Volanges (Shainez Atigui) durch den Vicomte de Valmont getanzt unterm Baldachin eines Bettes als Ort der Vergewaltigung wie auch die Szenen mit Alexander Delamare und Masami Fukushima als Chevalier Danceny und Madame de Tourvil als weiteres Verführungsopfer mit Hebungen, Verquerungen der Körper und akrobatischen Einsprengseln - geben dem Tanzabend den inhaltlichen Rahmen.

Im Mittelpunkt der Intrigen steht die Marquise de Merteuil. Sie kommentiert die perfiden Verführungen, macht Valmont zu ihrem Liebeswerkzeug. Die Sporanistin Runette Botha beherrscht in barockem Glanz die Szene mit Arien von Vivaldi, Händel, Vagaus und zum Schluss mit wunderbarem Klang "O divine Redeeme" von Charles Gounod. Diese Figur ist in Can Arslans Inszenierung etwas ganz Besonderes, vor allem in den Szenen mit Vinicius Augusto Menezes da Silva in der Rolle des Valmont, zwischen sexueller Gier und zärtlicher Leidenschaft. Für die Ballettadaption des Briefromans schuf der spanische Komponist Gonzalo Alonso eine Kammermusik für Klavier, Violoncello und Violine, die liedhaft-melodiös, rhythmisch und dramatisch ist, tänzerische Qualitäten hat und auch dem Charakter des Briefromans entsprechend intim ist. Bühnenbild und Kostüme betonen das Geheimnisvolle und Unergründliche - hinter Schleiern (Andrea Kaempf). Der Tod als schwarzer Vogel (Jaume Bonnin) greift zum Finale ein. Drei Kurtisanen zeigen das Gefangensein in Konventionen, als Intermezzo getanzt von Sonja Jahnke, Caterina Cerolini und Masami Fukushima.

Die Jubiläumsspielzeit des Nordharzer Städtebundtheaters hatte mit seinem kleinen Ballettensemble und diesem Ballettabend einen weiteren Höhepunkt, der lange und enthusiastisch beklatscht wurde.

Veröffentlicht am 20.02.2017, von Herbert Henning in Homepage, Gallery, Tanz im Text, Kritiken 2016/17

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