„Speak low if you speak love...“ von Wim Vandekeybus

„Speak low if you speak love...“ von Wim Vandekeybus

Pure Emotion

Wim Vandekeybus gastiert mit „Speak low if you speak love...“ in Mulhouse

Mit dem Sonderbus von Basel zu Vandekeybus' Aufführug im Elsass. Überwältigend ist das, was der belgische Choreograf mit seiner Kompanie Ultima Vez und der Band dEUS auf die Bühne bringt.

Mulhouse, 17/12/2016

Von Freude über Trauer, von Wut über Angst ist alles mit dabei an diesem Abend im La Filature in Mulhouse. Wim Vandekeybus gastiert mit seiner 2015 uraufgeführten Choreografie „Speak low if you speak love...“ im Elsass. Und damit auch die angrenzenden Basler in den Genuss dieses tänzerischen und musikalischen Spektakels kommen, hat die Kaserne Basel eine Busfahrt ins nah gelegene Ausland organisiert

Überwältigend ist das, was Vandekeybus hier mit seiner Kompanie Ultima Vez, die durch Gäste mit klassischer Tanzausbildung verstärkt wird, und seinem musikalischen Partner Mauro Pawlowski und dessen Band dEUS, auf die Bühne bringt. In ca. 100 Minuten fächert Vandekeybus sämtliche menschliche Emotionen auf, erzählt eine Reihe paralleler Geschichten, in denen sie die treibenden Kräfte sind. Angelehnt an klassische Mythologien sind einige dieser Begegnungen, zutiefst menschlich andere. Durch diesen Reigen an experimentellem Rocksoundtrack, atmosphärischer Bühnengestaltung (Bühne: Tom de With mit Isabelle Lhoas und Davy Deschepper) und tänzerischer Höchstleitung führt mit wunderbar klarer und voller Stimme die südafrikanische Sängerin Tutu Puoane, die mit ihrem oft skulptural anmutenden Aussehen über den Geschehnissen zu schweben scheint. Und doch wird sie manchmal mit hineingezogen in den Strudel aus Leidenschaft, Freude, Wut, Angst und Begehren. Schwankend zwischen vorsichtiger Annäherung und aggressivem Begehren steht die Liebe über allem. Ist die dominierende Emotion, der sich keiner entziehen kann.

Während der spontane Ausbruch von Neid, Eifersucht, Freude, Überschwang und Zuneigung, der an unreflektierte, kindliche Gefühlswelten erinnert, zwar nicht steuerbar ist, ist ein Aussteigen aus dem Spiel jederzeit möglich. Bricht sich die Liebe, meist in Form von sexueller Begierde ihre Bahn, werden sexuelle Reize gezielt eingesetzt, lässt sich Leidenschaft nicht mehr zügeln und Aggressionen nicht mehr steuern. Exakt choreografiert und technisch brillant getanzt spiegelt sich diese Ausweglosigkeit in den Körpern der TänzerInnen. Nicht zu bremsen ist die Energie, immer höher werden die Sprünge, heftiger die Zusammenstöße. Ans Akrobatische grenzend werden Livia Balazova, Chloé Beillevaire, David Ledger, Tomislav English, Nuhacet Guerra Segura, Sandra Geco Mercky, Maria Kolegova und Diego Sanou durch diesen Strudel an Leidenschaften geschleudert.

Vandekeybus schafft ein theatrales Gesamterlebnis, in dem Musik, Bühne und Tanz eine untrennbare Einheit bilden. Es geht um Existentielles, um zutiefst Menschliches, um Persönliches und Allgemeines gleichermaßen. Etwas verwirrt, angestrengt und doch auf wundersame Weise ruhig lässt einen der letzte, fast sakral anmutende und vor Harmonie überlaufende Dreiklang zurück, der so gar nicht zu den lauten Tönen und der kraftvollen Choreografie passen mag.
 

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