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Oldenburg

ALTE BEKANNTE

Pick bloggt über eine überraschende Begegnung und das Ballett in Oldenburg



Bei einer zufälligen Begegnung mit der Tänzerin und Tanzpädagogin Thérèse Steigerwald-Jolly erinnert sich Günter Pick an alte Zeiten.


  • Thérèse Jolly und Günter Pick Foto © Foto Studiu Wültche
  • Thérèse Jolly und Günter Pick Foto © Foto Studio Wültche
  • Thérèse Steigerwald-Jolly Foto © Foto Diekmann
  • Thérèse Steigerwald-Jolly Foto © Doris Waskönig

Der Deutsche Tanzpreis oder die Verleihung des „Faust“ sind Jahr für Jahr die Gelegenheit, Menschen wieder zu treffen, die man scheinbar Ewigkeiten nicht gesehen hat, und schon das ist die Reise immer wert. So ging es mir beim letzten Tanzpreis-Treffen in Essen, als plötzlich neben mir an der Garderobe des Aalto-Theaters ein bekanntes Gesicht auftauchte, das Thérèse Jolly gehörte. Sie hatte gerade ihren siebzigsten Geburtstag gefeiert, sah aber immer noch so aus, als möchte sie gleich ihre Spitzenschuhe anziehen.

Dabei hatten sie und ihr Mann Kurt Steigerwald schon vor fünfundvierzig Jahren in Oldenburg eine Ballettschule gegründet. Das war genau das Jahr, als ich als Gast im Ballettabend im Schloss ihr Partner in dem Ballett „Medusa“ war. Es handelte sich um eine Choreografie von Steigerwald, der seine letzte Spielzeit als Ballettchef des Oldenburgischen Staatstheaters beendete - nach einer langen, guten Karriere. Sie führte ihn als Tänzer aus Ingolstadt mit Ausbildung in München und Berlin in viele Städte und auf jene Bretter, die die Welt bedeuten. Er, der sich später als Choreograf einen guten Namen machte, zog von Bielefeld nach Dortmund, Kaiserslautern, Krefeld, Mainz, Trier und Wien, um schließlich in Oldenburg sesshaft zu werden, was ich gut verstehen kann, denn das Publikum dort liebt seine Theaterleute, wie ich es bis dahin nirgendwo erlebt hatte.

Das Ehepaar Steigerwald-Jolly hatte sich gerade ein großes Haus gebaut, mit schönen Ballettstudios und für mich erstaunlicher, einem Schwimmbad, in dem wir während der Probenzeit auch manche fröhliche Stunde verbrachten. Thérèse war nicht nur technisch eine sehr starke Tänzerin und die Rolle der Medusa schien ihr auf den Leib geschrieben. Leider habe ich sie in keiner anderen Rolle gesehen, sie hat in dem Jahr auch die Schuhe an den Nagel gehängt. Ich glaube, ich war kein sehr starker Held, aber es gelang mir trotzdem sie zu bändigen und so verlor die Arme am Ende ihren Kopf durch mein Schwert, wie es die Sage verlangt... Der Abend war ein großer Erfolg, und so wurde ich auch im folgenden Jahr von der neuen Chefin Ingrid Colette und Hans Pop, der auch schon bei Steigerwald Assistent war, engagiert. Pop hatte ein Beethoven-Trio choreografiert, in dem ich mit seiner Frau Hiltrud Blanck tanzte. Mit ihr ging er dann später nach Wuppertal zu Pina.

Thérèse hat nach dem Ende ihrer Tänzerkarriere in Frankreich, wo es schon bald Pflicht wurde, eine Fortbildung vor dem Unterrichten zu machen, mit Erfolg dieses abschließende Examen abgelegt. Und sie hat noch viele Jahre nach dem Tod ihres Mannes, die Schule in Oldenburg alleine und mit großem Erfolg weiter geführt.

Ehe wir uns in Essen wieder begegneten, traf ich sie und ihren Mann schon einmal, aber das hatte ich nicht mehr im Kopf, wenn Thérèse mich nicht daran erinnert hätte. Und zwar beim Deutschen Ballettwettbewerb, den Korinna Söhn noch immer jedes Jahr im Münchner Raum abhält, und bei dem ich in der Jury ein Wort mitzureden hatte. Und wen wundert es, die Steigerwalds hatten bereits eine der besten Schulen, die an diesem Wettbewerb teilnahmen, und konnten einen Siegerpreis in den hohen Norden mitnehmen.

Veröffentlicht am 14.04.2016, von Günter Pick in Homepage, Blogs

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