TANZMEDIEN



München

TANZKALENDER 2013

Wir testen die neuen Exemplare!


  • Dance 2013 von Gert Weigelt Foto © Gert Weigelt
  • Barocktanz Kalender 2013 Foto © Elisabeth Wimmer

Atem durch Papier – Alexandra Karabelas schaute für uns den neuen Jahreskalender von Bernd Weisbrod mit Aufnahmen vom Stuttgarter Ballett durch
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Wie eine riesige, sich hin- und herbewegende Unterwasseranemone prangen die pinkfarbenen Federbüsche in der oberen Mitte des Bildes. Davor, wie weiß schimmernde Klauen eines Krebses, nackte, abgewinkelte Arme, unter denen aus schmalen Augen ein Blick, in dem alles zusammenläuft, den eigenen sucht. Das Motiv könnte auch, sattelt man auf den Titel des Stücks um, dem es entnommen ist - „Fancy Goods“ von Marco Goecke, was soviel heißt wie Geschenk- oder Modeartikel -, an ein flaches Döschen Lidschatten erinnern, der pudrig-fein mit ein, zwei Pinselstrichen aufgetragen werden könnte. Der Blick, es ist Friedemann Vogel, als Zentrum des Bildes aber bleibt. So ist das: Gerät Tanz in der Fotografie zum Stillstand, zur Skulptur, erfindet die Fantasie eine neue Bewegung für das Bild. Am schnellsten und intensivsten geschieht dies, wenn die innere Bewegtheit des Tanzkünstlers sichtbar wird. Sie ist es, die einen durch das Papier hindurch den Atem spüren lässt. Mit dieser immer wieder spannenden Entdeckung blättert man langsam den neuen Jahreskalender von Bernd Weißbrod mit Aufnahmen aus der vergangenen Spielzeit beim Stuttgarter Ballett durch. Es ist, um es gleich zu sagen, die seit Jahren immer gleiche Art von Kalender – repräsentative, pressetaugliche Momentaufnahmen vom Geschehen auf der Bühne, gebündelt und verteilt auf zwölf Monate, Januar bis Dezember 2013. Und doch: Die transzendenten Momente stellen sich noch ein paar Mal ein, beispielsweise in den Aufnahmen aus Vorstellungen von Werken John Neumeier, der für das Repertoire des Stuttgarter Balletts bis heute eine Schlüsselrolle einnimmt. Hier ist es vor allem der Blick von Jason Reilly in „Othello“, der kontrolliert, ein wenig verschlossen und doch ganz da, seinem hoch gestreckten Arm folgt, während er mit der anderen Hand in seinem Rücken Elisabeth Mason hält, die sich weit nach hinten beugt. Friedemann Vogel, innerlich weit geöffnet, zeigt durch seinen Blick und die Art, wie er seinen rechten Arm zur Seite hält, schlicht Hingabe. Er gibt der männlichen Viererreihe neben Sue Jin Kang in „Fratres“ den fühlbaren Sinn einer Erwartung, eines Aufbruchs, auch einer Stellungnahme, getragen von leisem Schmerz aber auch innerer Begegnung mit sich selbst. Viel lässt sich da hineintragen und zigmal scheint sich eine fantasierte Bewegung seines Armes im Gehirn zu wiederholen. Schmerzhaft-schön schließlich Jason Reilly mit nach oben gereckten Armen und Händen inmitten der Masse des männlichen Corps um sich in Maurice Béjarts „Bolero“ – Sinnbild für die Erscheinung des Menschen als Leidender und nach Erlösung Schreiender.
Doch auch die anderen Aufnahmen lohnen sich, jene, die ganz unverhohlen einfach die Ersten Solisten der Welttruppe repräsentieren. Hier schaut man immer wieder gerne die einzelne Pose an, so beispielsweise Maria Eichwald und Marijn Rademaker in „Frank Bridges Variationen“, Alicia Amatriain und Alexander Zaitsev in „Leonce und Lena“ von Christian Spuck, Hyo-Jung Kang und Alexander Jones in John Crankos „Romeo und Julia“, Anna Osadcenko und Evan McKie in Douglas Lees „Fanfare LX“, Sue Jin Kang und Marijn Rademaker oder Myriam Simon und William Moore in Neumeiers „Die Kameliendame.“
Der Kalender Stuttgart Ballett 2013 mit Fotografien von Bernd Weißbrod ist im Weingarten Verlag erschienen und ist ab ca. 32, 45 Euro erhältlich.

Hartmut Regitz wird nicht müde, den Kalender ”Martin Schläpfer: Ballett am Rhein Düsseldorf/ Duisburg“ mit Fotografien von Gert Weigelt zu betrachten
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”Verweile doch, Du bist so schön!” Im Unterschied zu Faust kann der Faust-Preisträger Martin Schläpfer den Augenblick bemühen, ohne dass er deshalb irgendwelche Konsequenzen befürchten muss. Gert Weigelt macht’s möglich. Auf zwölf Kalenderblättern hat der einstige Tänzer ein paar der bewegendsten Augenblicke im Bild festgehalten, auf dass sie sich dem Betrachter einprägen für alle Zeiten – darunter natürlich gleich zu Anfang eine Ensembleszene aus eben diesem Werk, wofür der Direktor des Ballett am Rhein unlängst zum zweiten Mal den Deutschen Theaterpreis erhalten hat: das „Deutsche Requiem”, das die Musik des ungenannten Johannes Brahms auf vielfältige Weise bespiegelt. Licht und Schatten, Stillstand und Bewegung stehen hier nicht einfach als Kontrast, sondern als Ausdruck unserer Existenz, die der Choreograf auch in seinen anderen Arbeiten erforscht. In den „Robert Schumann Tänzen” sucht Yuki Kato, auf einer Spitze balancierend, festen Stand. Und auch auf den folgenden Bildern findet der Fotograf für die Extreme eine Form, die immer wieder fasziniert. Einfach deshalb, weil Weigelt durchweg auch seine eigene Ästhetik wahrt, ohne deshalb das Dokumentierte dominieren zu wollen. Ganz gleich, ob es sich „Neither”, die Oper von Morton Feldman handelt, das „Forellenquintett” von Franz Schubert, die „Kunst der Fuge” zur Musik von Bach oder Marlúcio do Amaral in einem Ballett wie „Ramifications” von György Ligeti: Immer wird das Werk Martin Schläpfers in einem Augenblick erfasst, der so aussagekräftig ist, dass man nicht müde wird, das Bild zu beschauen.
Der großformatige Wandkalender ”Martin Schläpfer: Ballett am Rhein Düsseldorf/ Duisburg” ist im DuMont Kalenderverlag erschienen und kostet 24,99 Euro


Prunk, Pracht und Pose der feudalen Kunst. Leonore Welzin sichtete den Barockkalender mit Fotos von Elisabeth Wimmer
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Ein neues Jahr, ein frischer Wind: „Entrée der Winde Euros und Notus“ lautet der Titel des Januar-Motivs, mit dem der Barockkalender 2013 aufmacht. Gemäß der griechischen Mythologie ist Notus der Südwind, der mit stürmischen Gewittern den Sommer bringt. Sein Bruder Euros bläst aus Südosten, er wird durch einen alten, in einen Mantel gehüllten Mann verkörpert, mit dem der Herbst Einzug hält. Soweit die Antike. Im Barock werden daraus zwei jugendliche Höflinge, die sich mit kokettem Blick dem Publikum zuwenden. Brüderlich untergehakt, fürstlich aufgeputzt und wenig bewegt, zeigen sie in einer festlichen Tunika viel Bein, der eine in einer soliden Fünften, der andere mit aufgesetzter Hacke à la seconde.
Ob das Motiv für die Ballettoper „Les Ages“ des Komponisten André Campra (zeitlich zwischen Lully und Rameau) und in der Choreografie von Louis Pécour, tatsächlich repräsentativ ist, lässt sich anhand eines Fotos schwerlich beurteilen. Aber typisch für Prunk, Pracht und Pose der feudalen Kunst ist es allemal. Titel wie „Aimable Vainqueur“ (Juni) und „Bonne Amitié“ (Juli) stehen für die geselligen Freuden nebst erotischer Anspielung, die der interkulturelle Austausch damals mit sich brachte. „Anglaise“ (März), „Deutscher Tanz“ (August) und die von Seeleuten getanzte, italienische „Forlana“ (September) aus „Le Cerneval de Venise“ sind dafür ebenso Beispiel. Im Übrigen erfreute sich der Hofadel mit Bezug auf die Antike mythischer Stoffe („Hesione“, „Orpheus und Eurydike“), die allerdings mehr Vorwand als Inhalt sind für liebreizende Reverenzen, gesetzte Schrittfolgen und kleine, kontrollierte Hüpfer.
Die Choreografien stammen neben dem erwähnten Pécour auch von Francois Le Rousseau, Theodorus Franciscus Petersen, John Playford, Raoul Anger Feuillet, Claude Balon und Gaetano Grossatesta. Sie wurden mit dem Ensemble „La Danza München“ von Jadwiga Nowczek unter Verwendung literarischer und ikonografischer Quellen rekonstruiert. Für die Fotos zeichnet Elisabeth Wimmer verantwortlich. Herausgeber ist der Neoba Verein zur Förderung zeitgenössischer Theaterarbeit, der Gruppe Neoba Danse (Österreich) verdankt sich das Dezember-Motiv „Barockes Hirtenspiel“.
Der Kalender Barocktanz 2013 kostet 20.- € zzgl. Versandkosten. Bestellungen direkt an elisabeth.wimmer@neoba.at


Pure Ästhetik lässt sich laut Volkmar Draeger im Kalender DANCE 2013 der Fotografin Lois Greenfield finden.
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Ihre Inspiration beziehe sie aus der Fähigkeit der Fotografie, die Zeit zu stoppen und zu enthüllen, was das bloße Auge nicht sehen kann. Fotos zu schießen, die den Betrachter verwirren, von denen er aber weiß, dass sie Wirklichkeit einfangen. Weiter sagt Lois Greenfield, Gegenstand ihrer Fotografie seien Zeit und Bewegung. Zeit wird angehalten, der Bruchteil einer Sekunde gerinnt zur Ewigkeit, ein kurzer, unwiederholbarer Augenblick verfestigt sich zur Skulptur. Ein Augenblick, der lediglich als isolierter Moment existiert, nicht aber als Ausschnitt eines tänzerischen Kontinuums. Mit einem Wort: Es sei die dynamische Spannung zwischen Tanz und Fotografie, die sie fasziniere.
Besser kann man kaum ausdrücken, was das Singuläre in den Fotos der Lois Greenfield ausmacht. Verglichen wird die 1949 Geborene inzwischen mit Größen ihres Fachs wie Eadweard Muybridge und Henry Cartier-Bresson, und das, obwohl sie Anthropologie und Film studierte, fotografisch eher Autodidakt ist. Der Auftrag für eine Serie über Tanz wurde zum Auslöser einer lebenslangen Passion, die nun Dezennien anhält und sie in die erste Reihe der ambitionierten Tanzfotografen katapultierte. Weingarten widmet ihr auch 2013 wieder einen eigenen Kalender, und der ist allererste Sahne, gleich in mehrfacher Hinsicht.
Zum einen künden die zwölf großformatigen Aufnahmen, entstanden wohl im Studio, von einer einzigartigen Fantasie, Tänzern ihre typische Bewegung zu entlocken und sie so zu Höchstleistungen anzuspornen. Die Körper, eingefangen meist im Sprung oder im Endpunkt einer Extrembewegung, scheinen schattenlos im Raum zu schweben, jeder Schwerkraft entbunden und ohne eine sichtliche Anstrengung. Schleier tanzen mit ihnen, Nebel umwallt sie, Laub punktet eine Tänzerin auf Spitze, rastert so die Fläche, macht gleichsam den umgebenden Raum ahnbar. Reines Weiß bildet meist den Hintergrund, einmal tanzen dann doch die Schatten mit, im Oktober scheint der männliche Partner nur umrisshaft hinter Gaze auf. Und welch bizarre Posen die Leiber dabei einnehmen, was alles sich vermittels Tanzes darstellen lässt! Nie fixiert Greenfield etwa die Statik einer „schönen“ Bewegung, immer aber einen Spannungsmoment im einzelnen Körper oder im Verhältnis mehrerer Tänzer.
Zudem ist der Kalender auch ein Informationsquell über US-amerikanische Companies, die hier weniger bekannt sind: Dario Vaccaro Dance Project, Dodge Dance Company, ASEID Contemporary Dance Company, Aspen Santa Fe Ballet, SMUIN Ballet. Aus fünf Tänzern der Martha Graham Dance Company formt sie eine indisch inspirierte Körperreihung; ebenfalls fünf Darsteller staffeln sich vom Plié bis zum Sprung im Foto der River North Chicago Dance Company; zwei Frauen, ein Mann stehen für den Stil der Parsons Dance Company. Und Annabel Bronner Reids von rotem Tüll umhauchter Attituden-Sprung fürs Australian Ballet dient gleich noch als Titelfoto. Was auch positiv auffällt gegenüber anderen Kalendern: Die Tänzer, immerhin Transporteur der Bewegung und daher unabdingbares Motiv des Fotografen, sind namentlich auf jedem Monatsblatt genannt, wo viele von Greenfields Kollegen sie respektlos auf die letzte Seite verbannen, um sich selbst umso wichtiger zu präsentieren. Nicht nur, aber auch deshalb: Ästhetik pur!!
Der Kalender „Lois Greenfield DANCE 2013“ erschienen im Weingarten KV&H Verlag ist für ca. 36,00 Euro erhältlich.

Über einen üppigen Querschnitt durch das Werk von „Pina Bausch und das Tanztheater Wuppertal“ freute sich Annette Bopp
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Zwölf großformartige Monatsblätter, zwölf großartige Fotos von Ursula Kaufmann, die das Tanztheater Wuppertal schon lange mit der Kamera begleitet, bietet dieser Kalender für 2013 und verschafft dem Betrachter damit einen fulminanten Einblick in das Werk der großen Choreografin. Es sind Motive aus über 20 Jahren Wuppertaler Tanztheater – und kaum ein Stück wiederholt sich dabei: „Two Cigarettes in the Dark“ (Januar und Juli), „...como el musguito en la piedra, ay si, si, si...“ (Februar), „Bamboo Blues“ (März), „1980“ (April), „Wiesenland“ (Mai), „Nefes“ (Juni), „Für die Kinder von gestern, heute und morgen“ (August), „Der Fensterputzer“ (September), „Agua“ (Oktober), „Ahnen“ (November) bis „Ten Chi“ (Dezember) – da begeistert jeder Monat. Die Ausschnitte widmen sich vorwiegend einzelnen Protagonisten, nur im April und September sind Gruppenaufnahme zu sehen. Aber gerade dadurch erhält dieser Kalender eine besondere Intensität, denn auch kaum eine der Tänzerinnen ist zweimal zu sehen. Diese zwölf Blätter zeigen nicht nur die Darstellungskunst der KünstlerInnen, sondern auch den Witz, die Kreativität und die Intensität der Choreografin. Der DuMont-Verlag hat hier einen Kalender zusammengestellt, der das ganze Jahr über Genuss pur bietet. Da macht nicht nur der Monatsanfang Spaß und liefert 28 bis 31 Tage lang täglich Freude am Betrachten, sondern auch jeder Monatswechsel hält eine Überraschung bereit. Ruhe und Dynamik wechseln sich bei den Motiven ab, und so erhält das Jahr durch diesen Kalender einen eigenen, ausgewogenen Rhythmus. Einziges Manko: Man erfährt über die Titel und Darsteller hinaus nichts über die einzelnen Stücke, die hier gezeigt werden und auch nichts über Pina Bausch und ihr Gesamtwerk selbst. Da wäre ein wenig mehr Information ebenso dienlich wie würdig gewesen. Der „Pina Bausch und das Wuppertaler Tanztheater 2013“ ist erschienen im DuMont Verlag und kostet 24,99 Euro.

Dramatische Körper-Begegnungen und gespannte Muskeln, formschön festgehalten in Schwarz-Weiß-Fotografien − Malve Gradinger schwärmt vom Wandkalender von Gert Weigelt
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Auch wenn heute Adressen, Daten und Termine im PC, Handy und i-Phone gespeichert sind – es geht doch nichts über einen übersichtlichen und aufhängbaren Wandkalender. Und wenn man dann noch mit Fotografien von Gert Weigelt ästhetisch inspiriert wird, wie bei diesem Tanzkalender, ist die Wochen- und Monatsplanung sicher nicht ganz so lästig. Weigelt, ausgebildet bei den Ballettkoryphäen Tatjana Gsovsky, Birger Bartholin und Vera Volkova, fotografierte schon während seiner aktiven Tänzerkarriere, u. a. im schwedischen Cullberg Ballett und im Nederlands Dans Theater. Mit Beginn seines Kunststudiums ab 1975 entwickelte er sich zu einem der wichtigsten Chronisten der internationalen Tanzszene. Hans van Manens Ballette, deren Körperstrenge und Raum-Geometrie seiner ästhetischen Ausrichtung entsprachen, fing er ein wie kein anderer. Aber auch Pina Bauschs Tanztheater, in den 70er/80er Jahren die Szene beherrschend, war für Weigelt ein immer wieder wichtiges Motiv. Und so begleitet dieser Kalender durchs Jahr mit Bildern aus Balletten von Pina Bausch, George Balanchine und William Forsythe, von van Manen, Jerome Robbins und Sasha Waltz: Fotografische Kompositionen von Raum und Tänzer-Silhouette, Schwarz-Weiß-Fotografien dramatischer Körper-Begegnung und plastisch gespannter Muskeln.
Der Wandkalender "Dance 2013" von Gert Weigelt ist bei teNeues für 12,95 Euro erhältlich.

Lupenreine Tanzathleten sind laut Julia Bührle auf dem Balanchine-Kalender des New York City Ballet zu finden
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George Balanchine ist nicht nur der Choreograf handlungsloser Ballette des 20. Jahrhunderts, dessen Werke sich am weitesten in Ballettkompanien in aller Welt verbreitet haben, sondern er ist auch ein Meister der prägnanten Pose – und vor allem dieser huldigt der Balanchine-Kalender 2013 des New York City Ballet. Die ästhetisch ansprechenden, klaren Bilder des Fotografen Costas privilegieren Vielfalt der Kostüme, Farben und Atmosphäre – wahrscheinlich wird deswegen nur ein einziges von Balanchines „Black and Whites“ gezeigt – und Klarheit der Komposition, die allerdings manche Bilder etwas statisch wirken lässt. Der Star des Kalenders ist der neue Hoffnungsträger der Kompanie, der zweiundzwanzigjährige Solist Chase Finlay. Er ziert nicht nur an der Seite von Sterling Hyltin in „Duo Concertant“ das Titelblatt des Kalenders, sondern ist gleich wieder im Januar in einem Einzelbild in seiner Paraderolle als Apollo zu sehen. Daneben gibt es einige schon etablierte Erste Solisten: beispielsweise Maria Kowroski im „Agon“-Pas de deux mit Sébastien Marcovici, eine Rolle, die der außergewöhnlichen Ballerina wie auf den Leib geschrieben scheint (siehe auch hier) – obgleich sie die hier abgebildete Pose nicht ideal in Szene setzt. Ashley Bouder strahlt glücklich, während sie ganz in Rosa mitten in einem Grand Jeté abgelichtet wird. Sara Mearns zeigt in voller Schönheit ihren schillernd grünen Rock aus „Jewels“. Janie Taylor wendet sich hingebungsvoll Jared Angle in einer Pose aus „Symphony in Three Movements“ zu, und Tiler Peck und Joaquin de Luz streben in „Theme and Variations“ so sehr in die Höhe, dass sie fast aus dem Bild geraten. Das Ganze endet weihnachtlich mit einer Reihe bunt kostümierter Kinder aus Balanchines „Nussknacker“. Dazu gibt es einen kurzen aber informativen Text über Balanchines Leben und Karriere von der Tanzforscherin Nancy Reynolds. Auch vermerkt der Kalender Mondphasen und Feiertage in verschiedenen Ländern (USA, Kanada, Großbritannien) und Religionen.
Der Balanchine Kalender ist ab ca. 14 Euro erhältlich.

Der Verlag ars vivendi verbindet mit „Tanzerei literarischer Kalender 2013“ Tanz und Text auf 52 schön gestalteten Wochenblättern, findet Anke Hellmann
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Eine interessante Machart verspricht der Kalender „Tanzerei literarischer Kalender 2013“. Er kombiniert Wort mit Bewegung. Auf 52 Kalenderseiten sind Tanzabbildungen im Hoch- und Querformat dargestellt, die mittels verschiedener Perspektiven, Blickführungen und ästhetischen Ansatzpunkten die Facetten des Tanzes einzufangen versuchen. So sind mal Beine und Boden, Füße und Schuhe in den Fokus der Darstellung gerückt, mal ein mit Fächer, Kopf- und Kleidungsschmuck präsentierter Oberkörper im Flamenco dargestellt. Stillleben, die Boxen, Lautsprecher und Schallplatten zeigen, repräsentieren die musikalische Komponente im Tanz. An die Darstellung einer professionellen Bühnentänzerin gliedert sich die Aufnahme des Jungvolks am Party-Strand, gefolgt von einer des etablierten wie reglementierten Wiener Opernballs mit seinen Debütanten. Einige Illustrationen zeigen Bewegungsmomente im Freien, andere wiederum scheinen im Studio nachgestellt worden zu sein. Thematisch versucht der Kalender eine Brücke zwischen den diversen Tanzgattungen zu schlagen: Vom Hochzeitswalzer über Gesellschafts – und Folkloretänze und Dance-Trance hin zu Leidenschaft versprühenden südamerikanischen Tänzen wie Flamenco, Tango Argentino oder Salsa. Ob dramatisch oder geheimnisvoll inszeniert, mit dokumentarischem Charakter versehen oder in piktoral verschwommener Verfremdung, der Betrachter mag schnell einen individuellen Zugang zu den Abbildungen finden. In Prosa- und Reimform ergänzen und kommentieren in Deutsch verfasste Zitate jene Kalenderbilder. Vom Großmeister Johann Wolfang von Goethe über Hugo von Hofmannsthal bis hin zu Günter Grass: Tanz und Text haben sich seit Jahrhunderten gegenseitig beeinflusst. In dem Kalender kommen aber auch Philosophische Gedanken und Meinungen z.B. von dem iranischen Sufi-Mystiker Rumi, von Tanzlegenden wie Martha Graham oder Komponisten wie Astor Piazolla zum Ausdruck. Bemerkungen wie „Je besser ein Mann tanzt, desto besser ist er auch im Bett“ von Popikone Shakira oder Warnungen vor der teuflischen „Bewegung zur Geilheit“ des Theologen Cyriacus Spangenberg fallen provokant auf. Bildlich thematisiert der Kalender vorwiegend derzeit in Europa populäre Tanzarten. Wo bleibt der historische, der indische oder afrikanische Tanz? Ein tolles Geschenk sowohl für jedermann als auch für diejenigen, die bereits dem Tanzfieber verfallen sind, bleibt der Kalender allemal.
„Tanzerei literarischer Kalender 2013“ ist beim Verlag ars vivendi erschienen und kann dort wie auch im Handel für 19,90 Euro erworben werden.

Gundel Kilians fotografische Impressionen aus dem Stuttgarter Ballettsaal beeindrucken Boris Michael Gruhl aufgrund des genauen und feinsinnigen Kennerblicks
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Auf dem Titel dieses Kalenders in gewohnter, eleganter schwarz-weiß Ästhetik küssen sich Katja Wünsche und Friedmann Vogel in einer Szene aus Marko Goeckes Choreografie „Orlando“. In faszinierenden Probensituationen hat Gundel Kilian einmal Katja Wünsche und Jason Reilly festgehalten, zum anderen in wunderbarer Sensibilität des Arbeitsalltages im Ballettsaal Sue Jin Kang und Filip Barankiewicz. In der Szene mit Katja Wünsche und Jason Reilly bestechen die Haltung der linken Hand bei der Tänzerin, seine so wunderbar lächelnde Zuneigung mit der er den Kopf an die andere Hand schmiegt, dazu die feine Heiterkeit ihres Gesichtes im Profil. William Moore, gerade mit dem Deutschen Theaterpreis „Der Faust“ ausgezeichnet, ist in einer Szene mit Myriam Simon aus John Neumeiers „Die Kameliendame“ festgehalten. Die Fotografien von Gundel Kilian, vornehmlich von Paarsituationen, halten wie gewohnt mit der Genauigkeit des wissenden Blickes flüchtige Augenblicke fest ohne auch nur im Ansatz starr oder gestellt zu wirken. Ob bei Hyo-Jun Kang und Brent Parolin in „Die Kameliendame“, Alicia Amatriain und Friedmann Vogel in Crankos „Schwanensee“, Elisa Badenes und Daniel Camargo im „Don Quixote-Pas de deux“ − die Dokumente dieser Kunst, wie Körperlinien der Partner ineinander übergehen, kann man jeweils gerne einen Monat lang täglich ansehen. Das gilt natürlich auch für Erinnerungen an Goeckes „Leonce und Lena“ mit Anna Osadcenko und Arman Zazyan, Elizabeth Mason und Alexander Jones in einer innigen Szene aus „Die Kamliendame“ oder Evan McKie im fliegenden Sprung als Solist im gleichen Stück. In konzentrierter Probensituation ist Alexander Zaitsev zu sehen, ebenso Angelina Zuccarini und Marijn Rademaker in Szenen von Marco Goecke und Edward Clug und das Ensemble in einer Szene aus „Leonce und Lena“.
Stuttgarter Ballett 2013 „Ballett Studio – Studio du ballet“ von Gundel Kilian ist für 19,95 Euro beim Weingarten Verlag erhältlich.

Der neue Kalender des Musiktheaters im Revier Gelsenkirchen verbindet Bridget Breiners Ballett im Revier mit zeitgenössischer Architektur. Eine gelungene und überzeugende Mischung findet Marieluise Jeitschko
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Weit himmelwärts gestreckt − von den schönen Füssen bis in die langen, schmalen Fingerspitzen − steht Bridget Breiner im dunklen Ganzkörpertrikot vor dem Portal der expressionistischen Gelsenkirchener Heilig-Kreuz-Kirche. Das Kalendercover sagt viel über die neue Ballettdirektorin: hoch hinaus will sie; zielstrebig hat sie begonnen. Im Auftaktprogramm "Der erste Gang!" hat sie ihre zwölf Tänzerinnen und Tänzer aus elf Nationen mit begeisternden Choreografien eindrucksvoll auf der Bühne präsentiert. Der Kalender zeigt sie nun alle in schwarz-weiß-Aufnahmen des Stuttgarter Fotografen Joachim-Manuel Riederer vor modernen Kunstwerken, an Architekturmarken oder Industriebauten von Stadt und Region − eben: das Ballett (mitten) im Revier, inspiriert vielleicht durch Szenen aus Wim Wenders' Film "pina". Kurze Angaben zu Person und Werdegang stehen jeweils auf der Rückseite der zwölf Blätter, darunter die Erklärung des Areals, auf dem die Aufnahme entstand. So wirkt Bojana Nenadović winzig neben den monumentalen Betonblöcken der "Himmelstreppe" auf der Halde Rheinerbe. Aidan Gibson schreitet forsch durch den Stadtwald Buer, und Xiang Li mischt sich in das "Gespräch der Baumgeister" ein, einem Kunstwerk im Berger Park. Maiko Arai posiert vor der Grimberger Sichel, die 2010 zur schönsten Stahlbrücke Europas gekürt wurde, und Min-Hung Hsieh gibt sich nachdenklich vor der imposanten Doppelbogenbrücke über den Rhein-Herne-Kanal. Fotografisch besonders raffiniert: Joseph Bunn an einem Wasserbecken von "Gelsenwasser", Hugo Mercier auf der Halde Rungenberg mit Weitblick auf die Stadt, Junior Demitre zwischen Himmel und Erde an der Zeche Consolidation und Fabio Boccalatte in der Schüngelberg-Siedlung. Die Stadt Gelsenkirchen und das Musiktheater im Revier haben sich zusammengetan, um die neue Ballett-Ära nach über 30 Jahren "Ballett Schindowski" einzuläuten.
www.musiktheater-im-revier.de
Der Kalender Musiktheater im Revier Gelsenkirchen ist für 12,95 Euro an der Theaterkasse und in der Stadt- und Touristinformation erhältlich.

Die vielen Facetten des Tanzes werden in dem Wandkalender „Tanze! 2013. Tänze verschiedener Kulturen – Bewegung, Lebensfreude, Emotion“ schön eingefangen, findet Dagmar Klein
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Tanz als Ausdrucksform verschiedener Kulturen zu betrachten, das ist nicht neu. Jede Gesellschaft hat ihre eigenen, teils ritualisierten Tänze hervorgebracht. Wenn Tanz nicht Ausdruck eines Gemeinschaftsgefühls ist, dann ist es immer Ausdruck von Lebensfreude. Und genau diesen Aspekt versucht der Kalender von visioncreativ einzufangen. Auf 12 großformatigen Monatsblättern werden mittels Farbfotografien Tänze verschiedener Kulturen vorgestellt. In der Regel sind es Bühnentänze in fröhlich-bunten Kostümen, vorgetragen von Experten ihres Fachs. Manche Fotografien zeigen deutliche Nahaufnahmen, etwa beim Tango tanzenden Paar, andere arbeiten mit dem Element der verwischten Bewegung wie bei den ewig kreisenden Derwischen. Wir schauen auf eine Gruppe Stammestänzer der afrikanischen Steppe und auf das klassische „Schwanensee“-Ballettpaar auf der Bühne, die Samba-Tänzerin scheint Lichtfunken zu sprühen und die Flamencotänzerin sich ganz der umgebenden Aura hinzugeben. Dagegen mutet das Foto von zwei still im Luftspagat stehenden Modern Dancern geradezu karg und freudlos an. Aber es gibt genug fröhliche Alternativen: der orientalische, indische und polynesische, ober der indianische und Modern Dance.
"Tänze verschiedener Kulturen – Bewegung, Lebensfreude, Emotion". 26,90 EUR. Erhältlich beim Verlag www.visioncreativ.de, bei www.amazon.com und im Buchhandel

Ulrich Völker über die erotische Ausstrahlungskraft des Tango Kalenders von Oliver Richter.
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Oliver Richter ist Fotograf und tanzt seit ein paar Jahren selbst Tango Argentino.“Und was liegt näher als das Geschehen auf der Tanzfläche und auf der Bühne festzuhalten …" meint er auf seiner [URL= [URLhttp://www.photoart-richter.com/?p=293[/URL]Homepage[/URL]. Folgerichtig lichtete er Motive des südamerikanischen Tanzes ab und bündelte 13 von ihnen zum Tango-Kalender 2013.
Das gleiche Paar als Titelbild „Tango Argentino“ sowie im Januar und März: einmal angeschnitten von der Seite in enger Umfassung, sie presst ihr gehobenes Bein gegen seine Hüfte, dann in fast gleicher Pose von oben aufgenommen, schließlich komplett erfasst von vorn, er im Ausfallschritt, sie mit gebeugtem Standbein auf halber Spitze und nach hinten geworfenem Spielbein, als landete sie gerade von einem Sprung. Posen kondensierter Spannung im Freien. Im Februar wird ein Sänger mit entrücktem Gesichtsausdruck dazwischen geschoben. Der zur Seite fliegende Rock gibt im April die bildschönen, langen Beine einer Tänzerin frei, von der Hüfte bis zu den hochhackigen Schuhen. Dann folgen von Mai bis November Duo-Szenen, in engem Oberkörperkontakt bei weichem Licht, drinnen. Im September ragt ein nacktes Frauenbein neben dem Mannes beinah obszön hoch ins Bild. Hier und da scheint ein Hauch von Komik auf, wenn der Tanz Kopf an Kopf mit heiligem Ernst pathetisch zelebriert wird. Und zum Abschluss das „perfekte“ Abbild des Tango: Im Dezember steht sie kerzengerade, straff gespannt, schwarzrote Pumps, schwarzes Kleidchen, wieder mit dem „Signal“ der nackten Beine, eines seitlich am Rücken des Mannes gehoben Beines. Das scheint der Moment vor dem Ausbruch der Tanzleidenschaft zu sein. Ohne den Machismo zur Schau zu tragen, schafft es Richter, die innere, erotisch aufgeladene Spannung des Tangos abzubilden.
Der Kalender kann über Tangodanza für 24,95 Euro bestellt werden.

Tänzerische Dynamik in der Tiefe des Bühnenraumes bietet der 2013 Robert North Ballett Theater Krefeld Mönchengladbach, entstanden auf Initiative der Gesellschaft für Ballett und Tanz e.V., unserem Korrespondenten Ulrich Völker.
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Eingebettet in die Zuneigung des Publikums lässt es sich gut arbeiten. Seit 25 Jahren besteht die Mönchengladbacher Gesellschaft für Ballett und Tanz, sorgt für die Identifikation des Publikums mit „seinem“ Ballettensemble vom Theater Krefeld-Mönchengladbach. Dazu gehört seit zehn Jahren ihr Ballettkalender mit einer Auflage von 250 Stück à 10 Euro. Das bringt Geld und verstärkt die Bindung. Auf schwerem Fotopapier präsentiert Fotograf Rolf Georges sorgfältig ausgewählte Bilder, die offensichtlich die besonderen Seiten der Tänzer/innen und die Merkmale der Choreographien von Robert North hervorheben. Mit poliertem Hochglanz mancher Ballettkalender, von perfekten Posen beherrscht, hat Georges nichts am Hut. Bei ihm öffnet sich die Bühne, gibt den Blick frei in die Breite und Tiefe als sähe man vom Zuschauerraum zu. Der Tanz kann sich entfalten, gewinnt Dynamik in den Raum. Gleich zu Beginn, auf der Titelseite, hebt das Ensemble ab: Zehn Tänzer/Innen hängen im Hocksprung in der Luft. Nur einer, rechts außen, hat seine Beine nicht rechtzeitig unter den Körper gezogen. Der Lebensfreude aus “Romeo und Julia“ tut das keinen Abbruch. Überbordend vor jugendlichem Temperament fliegt Julia im Januar durch ihren Schlafraum. Im Februar lösen sich Tänzer/innen aus einer Zusammenballung als seien sie von einer Explosion auseinandergetrieben worden („Verlorene Kindheit“). Jugendliche brechen im April wie enthusiastisch aus dem dunklen Hintergrund hervor: „lonely town, loney street“. Georges hat die Momente farbsatt und atmosphärisch dicht festgehalten. Auch im weiteren Verlauf zeigt er spannungsvolle Höhepunkte wie im Dezember den Sprung von sechs Männern im Rund um zwei in der Mitte („Troy Game“). Im November glaubt man den Schrei des Romeo aus der Todesszene von „Romeo und Julia“ zu hören. Ein, zwei schwächere „Ausreißer“ – ein Duo aus „Troy Game“ und ein kühles Arrangement aus „Prometheus“ – vermögen den Gesamteindruck nicht zu schmälern: Ein Kalender, der angenehm aus dem Rahmen fällt, der dem Blick eine räumliche Tiefe bietet, die dem Tanz gemäß ist, und zeigt, wie ansehnlich Ballett außerhalb der Metropolen sein kann. Selten werden zudem Bühnenbilder so plastisch in Tanzfotos miteinbezogen. Kurzweile bietet das Ensemblefoto im August („Romeo und Julia“), bei dem man raten kann, welche Szene gemeint ist (Tod des Mercutio oder des Tybalt) und wer nun im Gewusel wen verkörpert. Überhaupt lässt sich bemängeln, dass es keine Informationen gibt über das Ensemble, das Repertoire, über den Choreografen Robert North, der einst mit seinen vergnüglichem „Troy Game“ (1974) einen weltweiten Hit landete. North, gebürtiger US-Amerikaner, hatte die Ballettdirektor-Position im Januar 2007 übernommen. 2010 verlängerte er seinen Vertrag in Krefeld um fünf weitere Jahre. Offenbar lässt es sich in der so genannten Provinz gut leben und arbeiten.
Unter www.gesellschaft-fuer-ballett-und-tanz.de ist der Kalender im Internet aufzurufen und anzuschauen. Er ist für 10 Euro an den Theaterkassen in Krefeld und Mönchengladbach erhältlich. Telefonisch kann der Kalender unter Tel. Nr.: 02064 604285 bestellt werden.

Der Kalender "2013. John Neumeier. The Hamburg Ballet. 40th Anniversary Jubilee Season" lässt Leonore Welzin auf das erfolgreiche Schaffen des bekannten Choreografen zurückblicken
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Von Nijinsky inspiriert, von John Cranko 1963 nach Stuttgart engagiert hat kein Tänzer und Choreograf in der Cranko-Folge eine so steile Karriere hingelegt, wie John Neumeier. Der 1942 in Milwaukee (Wisconsin) Geborene ging 1973 nach Hamburg. Der Aufstieg wurde weltweit wahrgenommen, mit Preisen und Ehrungen bedacht, bis hin zum Großen Bundesverdienstkreuz (2011) und dem erstmals vergebenen Gustav-Gründgens-Preis (2012). Die Verdienste des umtriebigen 70-Jährigen für das Ballett sind unbestritten. Das vermittelt auch der aktuelle, großformatige Kalender „2013. John Neumeier. The Hamburg Ballet. 40th Anniversary Jubilee Season“, vom strahlenden Tanzchef Neumeier bei der Probe (Juni) bis zum traurigen Clown „Nijinsky“ (November) in drei Sprachen. Zwölf im Wortsinn bildschöne Motive aus Balletten der letzten drei Jahre, festgehalten von Holger Badekow. Ganz in Weiß sprungstarke Männer zur „Dritten Sinfonie von Gustav Mahler“ (Februar) im Zenit der Fluglinie, mit ein paar Frauen dazu in der „Matthäus-Passion“ (Dezember). Perfekte Hochglanz-Artistik à la Cirque du Soleil des Paares Hélène Bouchet und Ivan Urban in „Ein Sommernachtstraum“ (Juli). Akademisch klare Linien verkörpern Anna Laudere und Edvin Revazov (Mai) in einer Arabesque aus Mahlers Dritter. Dramatisch die Diagonale des Pas de deux von Hélène Bouchet und Thiago Bordin in „Purgatorio“ (September) und romantisches Flair der Ballets Russes mit Neumeiers „Le Pavillon d'Armide“ (März). Wer sich am Personenkult des Choreografen nicht stört − ein Drittel des Kalendertextes in deutsch, englisch und französisch zählt seine Preise, Würdigungen und Ehrungen auf, der Rest ist Name-Dropping anhand biografischer Stationen − der kann sich ein Jahr lang an den Highlights des Hamburger Balletts erfreuen. Ein druckfrischer Kalender der Lust macht, das 40. Jubiläum mitzufeiern.
"2013. John Neumeier. The Hamburg Ballet. 40th Anniversary Jubilee Season", 30,00 Euro zzgl. Versandkosten, Hamburg Ballett www.hamburgballett.de

Süße Träume vom Ballett hat Isabel Winklbauer angesichts des Kalenders „Ballet 2013“
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„Everything is beautiful at the ballet“ heißt ein Lied aus dem Musical „A Chorus Line“, und die Macher des Brown-Trout-Ballettkalenders kennen es gewiss. Es gibt hier Monat für Monat klassische Posen aus internationalen Produktionen, etwa der Moskauer „Paquita“-Aufführung, dem „Spring Dance“ im Londoner Coliseum oder Ashtons „Midsummernight Dream“. Zwischenhinein haben sich zwei Motive verirrt, die nicht von Aufführungen stammen, sondern einfach eine anonyme Ballerina im Grand Jeté und eine sitzende Ballerina mit gestrecktem Spitzenschuh zeigen.Leider fehlt zu fast jedem Motiv irgendeine Angabe, entweder die Tänzernamen, der Name des Stücks oder der Aufführungsort. Kenner freuen sich dafür doppelt über das hübsche Januar-Motiv von Viengsay Valdez im Pas-de-Deux, oder über die St. Petersburger Lilienmädchen. Nach einmaligem Durchblättern verziert der Brown Trout (mit viel Platz zum Termine eintragen!) dann wunderbar das Mädchenzimmer oder die Küche.
„Ballet 2013“ von Brown Trout Publishers, ab 11,65 Euro erhältlich bei www.amazon.com

Veröffentlicht am 12.12.2012, von tanznetz.de Redaktion in Tanzmedien

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Kommentare zu "Tanzkalender 2013"



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