SONGS OF THE WANDERERS (CLOUD GATE DANCE THEATRE OF TAIWAN)



SONGS OF THE WANDERERS (CLOUD GATE DANCE THEATRE OF TAIWAN)

Beschreibung

Ballett einmal ganz anders. Mit unserem westlichen Verständnis von künstlerischem Tanz hat das, was das Cloud Gate Dance Theatre Of Taiwan seit 1973 mit großem Erfolg auf die Bühne bringt, nur bedingt zu tun. Eher schon mit den körperlichen und geistigen Übungen, wie man sie in der Praxis fernöstlicher Glaubensrichtungen antrifft. Während Tänzer der europäischen Schule ihre Körperbeherrschung häufig in geradezu artistischen Bewegungen zur Perfektion treiben, geht es hier um Langsamkeit und Verzicht auf jede unnötige Bewegung, um Leere und Stille.<P> In seinem Stück <I>Songs Of The Wanderers</I> lässt Choreograf Lin Hwai-Min die Mitglieder seines Ensembles in die Rolle von Pilgern schlüpfen, die unterwegs sind auf der Suche nach religiöser Erkenntnis und Erweckung, nach spiritueller Reinigung und Erneuerung. Zu sakral tönender Gesangsmusik aus Georgien, vorgetragen vom Rustavi-Chor unter Leitung von Badri Toidze, wird da eine durch und durch asiatische Tanzform entwickelt, die ihre Anregungen ebenso aus der Meditation des Zenbuddhismus bezieht, wie aus dem Tai-Chi, Chi-gung oder auch der Pekingoper.<P> Für die hier dargestellte religiöse Pilgerreise, die sich übrigens an die Geschichte des Siddharta anlehnt, hat Lin Hwai-Min starke Bilder gefunden. Da steht etwa ein Tänzer in der Haltung eines betenden Mönches während des ganzen Stückes unbewegt auf der Bühne und nimmt es mit stoischer Ruhe hin, dass unaufhörlich ein Strom von Reiskörnern auf seinen Kopf rieselt. Da schlagen sich die Tänzer in einem Ritual wie Sadhus selbst mit Ästen, um den körperlichen Schmerz zu überwinden. Da meditieren sie mit verhüllten Gesichtern und balancieren dazu Feuerschüsseln auf ihren Häuptern. Und da zieht ein Ensemblemitglied am Ende der Aufführung mit einem Rechen über die mit Reis bedeckte Bühne und erzeugt so ein spiralförmiges Bild, das an den Sandgarten eines Zen-Klosters denken lässt.<P> <I>Songs Of The Wanderers</I> bringt das Kunststück fertig, Elemente der unterschiedlichsten asiatischen Religionen miteinander zu verbinden, ja zu versöhnen. Das ist denn auch das Credo von Choreograf Lin Hwai-Min. Auf der Suche nach Gemeinsamkeiten der vielen Glaubensformen in Fernost kam er zu der Einsicht, dass "alle religiösen Praktiken essenziell die Suche nach Frieden beinhalten". <I>--Harald Kepler</I>


Besprechung der tanznetz.de-Redaktion

Sehr eindringliche, meditative Performance einer modernen Tanzkompanie aus Taiwan.

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