Ballerina der Georgi-Ära #

DIE FANS, 18.03.2006 11:36:57

Aus Wien erreichte uns eine traurige Nachricht. Am 13. März 2006 starb
plötzlich und unerwartet nach kurzer schwerer Krankheit Iwa Slatewa, uns
FANS unvergeßlich als Solotänzerin in Hannover während der Ära der
legendären Yvonne Georgi. Sie wurde nur 66 Jahre alt. Iwa Slateff, wie
sie damals noch hieß, tanzte von ca. 1960 an viele Jahre in Hannover.
Uns FANS hat sie in vielen Rollen begeistert, sie war eine Ballerina
mit starker Persönlichkeit, Charme, quirligem Temperament, sie konnte
umwerfend komisch sein wie in „Pulcinella“ oder raffiniert schillernd
wie als Schlange in „Paradis Perdu“. Sie tanzte zusammen mit Gregor Leue
einen klassischen bravourösen „Blauen Vogel“-Pas de deux und brillierte
ebenso überzeugend in Yvonne Georgi’s Strawinsky-Balletten „Petruschka“
oder „Kuß der Fee“. Sie war eine schelmisch-liebevolle Amme in „Romeo
und Julia“ und sie spielte oft - schwarzhaarig und kapriziös und daher dafür
prädestiniert - attraktive Spanierinnen oder Zigeunerinnen wie in „Cinderella“,
„Schwanensee“ oder „Le Loup“. Sie tanzte Feen und Hexen, Unterirdische
und Ungeheuer, Schwäne und Bäuerinnen in klassisch und modern, und sie
gab all ihren Rollen, den großen wie den kleinen, ihr unverwechselbares
Gesicht. Ihre Partner waren Gregor Leue, Horst Krause, später auch
Miguel Navarro. Bei uns FANS war „Iwa“ sehr beliebt, auch weil sie sich
beim Autogrammgeben alle Zeit dieser Welt ließ und in ihrem entzückenden
Wiener Dialekt herrlich und lange mit uns plauderte. Eine Rolle ist es aber,
in der ist Iwa Slateff für uns FANS unsterblich: Die „Erste Schülerin“ im
„Kadettenball“ (Graduation Ball) von David Lichine, einstudiert von Witaly
Osins. Premiere war am 15. Oktober 1967 zusammen mit Berlioz‘
phantastischer „Symphonie Fantastique“ in der phantastischen Choreographie
von Yvonne Georgi. „Kadettenball“, das war ein Kracher, ein stürmisch gefeierter
Publikumshit, auch fast vierzig Jahre nach seiner Premiere unvergessen.
Iwa Slateff in diesem köstlichen Ballett zu erleben, war das reinste Vergnügen.
Ihre kessen Flirts mit dem „Ersten Kadett“ Miguel Navarro, - einfach hinreißend.
Ihr koketter Tanz war voller Lebensfreude und Herz. Wenn wir jetzt daran denken
– auch wenn wir traurig sind – müssen wir doch gleich wieder lachen.
Zum letzten Mal auf der Bühne sahen wir Iwa Slatewa 1973. Sie tanzte als Gast
in der wunderschönen Freiluft-„Giselle“ im Gartentheater in Hannover-Herrenhausen.
Die Inszenierung war von Richard Adama, der 1970 die Nachfolge Yvonne
Georgi’s als Ballettmeister angetreten hatte. Iwa Slatewa tanzte zusammen mit
Yener Durukan den „Bauern-Pas-de deux“ im ersten Akt und im zweiten weißen Akt
eine Geisterwili. Beide Rollen gestaltete sie wieder beeindruckend, charmant-ländlich
im ersten Akt, war sie im zweiten unnahbar und ernst. Mit Liliane van de Velde als
Giselle, Falco Kapuste als Albrecht, Josette Gatineau als Myrtha war dies eine
denkwürdige Produktion, die offensichtlich auch Petrus gefiel. Alle Vorstellungen
fanden bei bestem Sommerwetter unter samtblauem Sternenhimmel statt - leider
keine Selbstverständlichkeit für Hannover.
Bathilde, Albrechts fürstliche Braut, das war Karin Saul, elegant, aristokratisch, eine
wahre Prinzessin. Wir möchten die Gelegenheit nutzen, auch an diese Tänzerin zu
erinnern. Viele Jahre erfreute sie uns auf der hannöverschen Opernhausbühne in
unzähligen interessanten Rollen. Nur wenige Wochen vor Iwa Slatewa ist
Karin Saul-Antunovic am 7. Februar 2006 ebenfalls das Opfer einer unheilbaren
Krankheit geworden. Auch sie wurde nur 66 Jahre alt.
Nach ihrer aktiven Tänzerlaufbahn war Frau Slatewa-Vollhard – wie wir hörten –
zunächst als Ballettlehrerin tätig, später dann viele Jahre als Souffleuse in der
Schweiz, am Luzerner Theater, bis zu ihrer Pensionierung im Sommer letzten Jahres.
Die am 15. August 1939 geborene Künstlerin verbrachte ihre letzten Lebensmonate
in ihrer Heimatstadt Wien.

zuletzt geändert von DIE FANS, 20.03.2006 18:42:42




 

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