A Cinderella Story (Neumeier), Hamburg Ballett, 09.06.2017 #

Ralf Reck, 10.06.2017 00:50:38

Unserer Enkeltochter wegen besuchten wir wieder einmal Neumeiers Cinderella-Ballett. Zu meinen besonderen Favoriten zählt dieses Ballett nicht. Das liegt zum einen an der teilweise eher kontemplativen Tanzweise, es gibt auch eigentlich keine mitreißenden Ensembles und auch keine unter die Haut gehenden Soli oder Pas de deux, zumindest nicht für mich. Die komischen Aspekte wie die zappeligen Minister (Konstantin Tselikov, Leeroy Boone, Eliot Worrell) oder der trottelige König im Schlafanzug (Thomas Stuhrmann) ermüden mich eher, sind beim Publikum aber beliebt. Wenn natürlich solche Könner wie Silvia Azzoni die Stiefmutter oder der geniale Lloyd Riggins den Vater (heute Dario Franconi) tanzen, steigt die innere Spannung sofort an.

Für die erkrankte Florencia Chinellato sprang in dieser Serie die 22jährige Madoka Sugai als Cinderella ein, der gleichaltrige Christopher Evans war ihr Prinz. Beide tanzten ausgezeichnet, das Nachdenkliche und Träumerische der Rolle müsste Evans aber noch mehr verinnerlichen, um der Rolle mehr Tiefe zu geben. Sugai war eine liebe und nette Cinderella, die in ihrer Darstellung ruhig noch etwas komplexer werden könnte. Was mir bei dem heutigen Sehen durch den Kopf ging, war, dass diese beiden Rollen viel schwerer, weil vielschichtiger sind als die klassischen Liebespaar-Rollen wie z. B. Romeo/Julia oder Giselle/Albrecht. Deshalb wurden sie in den vorhergehenden von mir gesehenen Aufführungen auch immer von erfahrenen Ersten Solisten getanzt. Das noch junge Alter beider Protagonisten bedenkend war es insgesamt aber eine schöne und vom Publikum am Schluss bejubelte Leistung. Die nur ein Jahr ältere australische Tänzerin Hayley Page konnte ihren inneren Erfahrungsschatz schon voll überzeugend in die Rolle als Cinderellas Mutter und Gute Fee einbringen, ihr wurde mit einem Blumenstrauß gedankt (auch für Silvia Azzoni). Carolina Agüero und Mayo Arii tanzten die (nicht ganz so) bösen Schwestern, Alexandre Riabko, Aleix Martinez, Marcelino Libao und Lizhong Wang die Vogelgeister. Der bewährte Simon Hewett leitete das Philharmonische Staatsorchester Hamburg (Prokofjew), auch das war schön anzuhören.



 

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