Die Möwe (Neumeier), Hamburg Ballett, die alternative Besetzung, 09.03.2017 #

Ralf Reck, 10.03.2017 00:22:47

Es war insgesamt wieder eine großartige Aufführung, die sich von einzelnen Unsicherheiten am Anfang hin zu eindrucksvollen tänzerischen Leistungen steigerte. Im Vergleich mit der Aufführung vom 26.2.17 wirkte diese Vorstellung physischer, tänzerischer, weniger seelisch inspiriert. Das lag auch an dem 29jährigen Karen Azatyan, der mit körperlicher Spann-(und Sprung)kraft der Rolle des Trigorin etwas Unbeugsameres, weniger Verliebtes gab. Sein Pas de deux mit Silvia Azzoni im 7. Bild des ersten Aktes erwies sich mit seiner physischen Präsenz als einer der tänzerischen Höhepunkte der Aufführung. Im Vergleich mit Anna Laudere arbeitete Azzoni die Beziehung zu ihrem Sohn Konstantin weniger intensiv heraus, sie gab ihrer Rolle, so empfand ich es, dagegen eine größere Ichbezogenheit. Der erst 22jährige Christopher Evans blieb als Konstantin am Anfang noch etwas blass, mit zunehmenden tänzerischen Anforderungen entwickelte er jedoch ein ebenso großartiges Rollenportrait wie zuvor der 5 Jahre ältere Marc Jubete. Die 21jährige Georgina Hills tanzte die Nina, zunächst noch etwas unsicher, insgesamt aber überzeugend, auch bei ihrem schwierigen Polka-Solo im 2. Akt. Ihre Darstellung wirkte insgesamt jungmädchenhafter, weniger tiefsinnig als die von Emilie Mazon. Jacopo Bellussi war ein guter Medwedenko, ebenso wie bei der vorherigen Aufführung Thomas Stuhrmann, vielleicht weniger scheu und sensibel, dagegen zupackender. Hervorragend gelang der Pas de deux mit der wunderbar tanzenden Xue Lin (Mascha) im 2. Akt. Auch die anderen Tänzerinnen und Tänzer überzeugten in ihren Rollen (Ivan Urban als Sorin, Mathieu Rouaux als Dorn, Graeme Fuhrmann als Gutsverwalter, Patricia Friza als Polina sowie Lucia Rios und Florian Pohl als „Stars der Revue“. Besonders hervorzuheben wäre noch die Leistung von Aleix Martinez, dem unter den sog. Traumtänzern die expressivste Rolle zukam (in beiden Aufführungen). Der Jubel im nicht ganz vollbesetzten Haus war groß, es flogen knapp ein Dutzend Blumensträuße auf die Bühne.



 

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