Duse (Neumeier), Hamburg Ballett, 22.02.2017 #

Ralf Reck, 23.02.2017 00:14:09

Das Leben der italienischen Schauspielerin Eleonora Duse war mir und ist mir fremd geblieben. Ihr Schicksal, welches Neumeier in verschiedenen, ineinander übergehenden Bildern aufblättert, ergreift (mich) nicht wirklich. Während sonst Neumeiers komplexe Choreographien mit jedem Wiedersehen gewinnen und neue Dimensionen eröffnen, hatt ich heute nicht diesen Eindruck. Vielleicht liegt es auch an Alessandra Ferri (Eleonora Duse), die der Rolle eine Gramgebeugheit und Unnahbarkeit gab, die der Person Duse auch das Leben bzw. die Lebendigkeit nimmt (ganz anders als Silvia Azzoni in derselben Rolle). Es war denn auch erst der exaltierte Auftritt von Silvia Azzoni als Sarah Bernhardt, der die Spannungsebene enorm anhob. Wie sie mit jeder Gliederbewegung und ihrer Körperspannung dieser Figur Ausdruck und Lebensglut gibt, ist phänomenal. Immer besser ist Karen Azatyan geworden, nicht nur tänzerisch sicherer, sondern auch ausdrucksstärker. So war sein Pas de deux mit Silvia Azzoni für mich der Höhepunkt der Aufführung. Vielleicht wäre er schon bald ein geeigneter Otello, dieser vielleicht am schwierigsten zu besetzenden Neumeierrolle.

Ansonsten wurde durch die Bank gut getanzt, so u.a. von Anna Laudere (Isadora Duncan) und Alexandr Trusch (Luciano Nicastro). Nach der Pause (vorher verstarb Leonora und hinterlies eine trauernde Désirée von Wertheimstein: Leslie Heylmann) treten vier ihrer Liebhaber/Bewunderer (Karen Azatyan, Alexandr Trusch, Carsten Jung und Marc Jubete) mit Leonora im Himmel zu einem Nachspiel an („In einer anderen Welt“), das war schön anzuschauen und anzuhören (Konradin Seitzer, Violine; Ondrej Rudcenko, Klavier) und hätte einen guten Epilog ergeben. Das Publikum war auch schon auf Schlussapplaus eingestimmt, es folgte allerdings noch ein zweiter Teil, der in meiner Nachbarschaft eher als zu ausdehnend wahrgenommen wurde. Dennoch war der Schlussbeifall im nicht vollbesetzten Haus langandauernd und herzlich, aber nicht überschwänglich.




 

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