Der Nussknacker (Neumeier), Hamburg Ballett, 19.01.2017 #

Ralf Reck, 20.01.2017 14:44:19

Die Aufführung kam mir routiniert vor mit einigen Lichtblicken. Vielleicht war es auch der klanglich-akustische Unterschied zum gestrigen Ereignis in der Elbphilharmonie beim Klavierkonzert von Mitsuko Uchida (Mozart, Schumann). Wo war hier der Klang, der einen gestern so beseelte. Nichts da, wir hatten eigentlich einen guten Platz (Hamburgische Staatsoper, 1. Rang, Balkon, erste Reihe), von dem man eigentlich auch gut hören sollte. Es klang aber irgendwie „durchwachsen“, was aus dem Orchestergraben bis zu unseren Ohren gelangte.

Nun ist Tschaikowskys Nussknackermusik nach vielem Hören vielleicht auch nicht mehr so spannend wie Mozart oder Schumann. Getanzt wurde natürlich erwartungsgemäß gut, Hélène Bouchet war Marie, Carsten Jung Drosselmeier und Anna Laudere sowie Edvin Revazov Louise und Günther. Fritz wurde von Aleix Martinez getanzt. Carsten Jung sah ich erstmals als Drosselmeier. Mir fehlte bei ihm etwas das spiddelig-exzentrische, wohl auch das magisch-dämonische in der Darstellung, was man sonst zu sehen bekommt. Sein Paartanz mit Hélène Bouchet am Anfang des zweiten Aktes war aber ganz wunderbar symbiotisch (Gleichklang, Bewegungsgeschwindigkeit), allerdings schon vorbei, bevor man sich eingesehen hatte. Gleiches gilt auch für den „chinesischen Vogel“ (zusammen mit Mayo Arii). Ganz herausragend, mit großer Finesse und Eleganz sowie mit sehr viel Beifall bedacht tanzte Silvia Azzoni die (kurze) Rolle der Esmeralda (eigentlich wurde sie mehr auf Händen getragen und bewegt). Edvin Revazov bot seiner Partnerin Anna Laudere im Grand Pas de deux die notwendige Sicherheit, sie zeigte als Louise einen Tanzstil mit sanften Körper- und Armbewegungen, dem schön zuzuschauen war (III. Variaton). Gut gelang in meinen Augen auch noch die „Variations des hommes“, getanzt von Christopher Evans, Mathieu Rouaux, Lizhong Wang und Eliot Worrell. Das Haus war ausverkauft, es gab Blumenwürfe, vor allem für das Paar Laudere/Revazov, der Beifall war sehr herzlich, aber nicht übermäßig lang wie sonst.




 

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