Happy End auf dem Land - „La fille mal gardée“ in Magdeburg 

tanznetz.de Redaktion, 07.10.2019 15:27:47

„Das Mädchen und sein zärtlicher Freund waren gerade dabei, waren gerade dabei...Nichts zu sagen, ist genug gesagt...Als die Mutter rechtzeitig kam, rechtzeitig kam...Das kann man wohl sagen.” (Denis Diderot)
„La fille mal gardée“ – das erste Ballett, in dem eine realistische Handlung auf die Bühne gebracht wird, und keine Götter oder mythologischen Wesen mehr eine Rolle spielen, gilt als das älteste Handlungsballett des klassischen Ballettrepertoires. Ein Werk mit einer langen Geschichte : acht verschiedene Titel, fünf verschiedene Partituren und vielfache choreografische Versionen.

Das Theater Magdeburg eröffnet die Ballettsaison 2019/2020 mit „La fille mal gardée“ – eine brillianten Uraufführung in der Inszenierung und Choreografie des Magdeburger Ballettdirektors Gonzalo Galguera, die am 28.9.2019 Premiere feierte.

Die Geschichte ist einfach und nahezu aus dem Leben gegriffen: Ein Mädchen verliebt sich in einen Jungen, aber ihre Mutter hat einen anderen Wunschschwiegersohn für sie, allein aus wirtschaftlichen Gründen, denn dessen Vater ist ein wohlhabender Geschäftspartner. Aber Lise und Alain finden einfach keinen Gefallen aneinander, denn Lise liebt Colas und Alain liebt seine Bücher.
Die Eltern setzen alles daran, dass es zu einer Hochzeit zwischen den beiden Kindern kommt, aber die wahre Liebe siegt und somit bekommt letztendlich Lise ihren Colas, Alain wendet seinen Blick von den Büchern ab und einer Freundin von Lise zu – und sogar Lises Mutter kann den Avancen von Alains Vater nicht widerstehen.

Wir befinden uns in einem bäuerlich, ländlichen Ambiente mit klaren und gleichzeitig folkloristischen, sowie farbenfrohen Linien – in der Welt von Lise und deren Mutter Simone (Bühne von Darko Petrovic, Kostüme von Stephan Stanisic).
Gleich zu Beginn der wunderbare Hühnertanz, mit dem das Magdeburger Ballettensemble sofort die Herzen der Zuschauer erobert. Die Bäuerin Simone streitet mit dem Müller Thomas über die Getreidepreise und schlägt als Lösung die Hochzeit ihrer beiden Kinder und somit die Verbindung der zwei Familien vor.
Aber Lises Herz schlägt für Colas, einen Knecht, der für ihre Mutter arbeitet. In mitreißenden Pas de deux, in denen Anastasia Gavrilenkova als Lise und Mihael Belilov als Colas technisch und stilistisch ausgezeichnet miteinander harmonieren, geben sie ihrer Liebe Ausdruck.
Simone, die Bäuerin , interpretiert von einem brillianten Jésus Marrero Díaz, verfolgt weiterhin ihre wirtschaftlichen Absichten und somit lernen wir Alain kennen. Der tolpatschige Sohn des Müllers, dargestellt mit sympathischer Komik und gleichzeitig technischer Virtuosität von Raúl Pita Caballero, ist mit seiner Nase tief in seinem Buch versunken und weiß auch sonst nicht viel mit Lise anzufangen.
Trotz aller Versuche der Eltern wollen die beiden einfach nicht zueinander finden und mit Hilfe ihrer Freunde, den Knechten und Mägden, interpretiert von dem hervorragenden Ballettensemble des Theaters Magdeburg sowie den Mächten der Natur in Form eines Gewitters, schaffen es die beiden Liebenden im allgemeinen Durcheinander der Situation zu entfliehen.
Colas versteckt sich auf dem Hof von Lises Mutter und abgelenkt von dem Holzschuhtanz der Mägde – ein weiteres Highlight des Abends –, schafft er es, sich dort unbemerkt aufzuhalten, bis die beiden endlich alleine sind und unbeobachtet zusammen in Lises Kämmerlein verschwinden.
Der Tag, der von den Eltern geplanten Hochzeit naht und als Lise zu ihrem vermeintlich künftigen Bräutigam Alain geführt werden soll, entdeckt man sie zusammen in zweifelsfreier Einträchtigkeit mit Colas. Nun können auch die Eltern keinen Widerstand mehr leisten und geben den Liebenden ihren Segen.
Auch Alain konnte die Aufmerksamkeit einer Freundin von Lise – charmant interpretiert von Julie Bruneau – für sich gewinnen und zu guter Letzt erobert auch Alains Vater das Herz der Bäuerin Simone im Sturm.

Tosender Beifall und Standing Ovations im gut verkauften Opernhaus, nicht zuletzt auch für eine ausgezeichnete Leistung der Magdeburgischen Philharmonie unter der souveränen musikalischen Leitung von Svetoslav Borisov.

Mit seiner Inszenierung von „La fille mal gardée“ ist dem Ensemble und Team um Gonzalo Galguera ein kurzweiliger und berührender Ballettabend gelungen, für den sich eine Reise nach Magdeburg mit der ganzen Familie von nah und fern definitiv lohnt.

Weitere Vorstellungen am 12.10. / 18.10. / 24.11. / 27.12. 2019 / 18.1. / 26.1. / 28.2. / 6.3. 2020


von Julia Morawietz (Besuch der 2. Vorstellung am 3.10.2019)

zuletzt geändert von tanznetz.de Redaktion, 07.10.2019 15:27:52



 

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