Gastspiel des National Ballet of Canada, Hamburgische Staatsoper, 03.07.2018 

Ralf Reck, 04.07.2018 08:50:21

Dieses Jahr hatte John Neumeier die Ballett-Truppe von Karen Kain aus Toronto (The National Ballet of Canada) für die Ballett-Tage eingeladen. Es wurden drei relativ kurze Stücke aufgeführt, beginnend mit einer Choreographie von Robert Binet zur Klaviermusik von Lubomyr Melnyk. Der Komponist trat selbst an den Flügel und hämmerte gut 20 Minuten gleichbleibend laut auf das Instrument ein und entlockte ihm sich mit geringer Variation wiederholende wellenartige Tonkaskaden, zwischendurch überlagert von einer romantisch klingenden Melodie. Durch die nahezu im gehörschädigenden Bereich liegende, eher Aggressionen hervorrufende Dauerbeschallung (offenbar infolge elektronischer Verstärkung) ließ sich das auf der Bühne dargebotene Visuelle kognitiv und emotional nur bedingt verarbeiten. 13 Tänzerinnen und Tänzer traten auf, sprangen, hoben sich gegenseitig und bildeten Figuren, der tiefere Sinn erschloss sich mir nicht (laut Programmheft sollte offenbar die karge Schönheit von Kanadas nördlichen Landschaften mittels kontrollierter Bewegungen des menschlichen Körpers eingefangen werden).

Es folgte ein Vierpersonenstück (The Man in Black), welches schon eher der kanadischen Wildnis zuzuordnen war. Drei Holzfäller-artig gekleidete Männer (Jonathan Renna, Piotr Stanczyk, Robert Hutchison) warben um oder ließen sich von einer Tänzerin (Jenna Savella) in der Art Pocahontas oder Sacajaweas führen. Es handelte sich aber nicht um Holzfällerromantik, was die eingespielten Stücke von Johnny Cash nahelegen könnten, sondern choreographisch (James Kudelka) um die Entwicklung von wechselnden Gruppenbildungen aus dem Gehen, besser Schreiten heraus. Das gelang in gewisser Weise vorzüglich. Das dritte Stück (Emergence, Choreographie Crystal Pite) ließ dagegen wieder Ratlosigkeit aufkommen. Es begann mit spinnen- bzw. krebsartigen Bewegungen einzelner Tänzer, bis aus einem in der Tiefe der Bühne installierten Zylinder, zunächst Masken tragende, letztlich ca. 40 Tänzerinnen und Tänzer herausschwärmten, sich organisierten und wieder desorganisierten, bis sie am Ende, das war schon eindrucksvoll, zu einem einheitlichen Bewegungsmuster zusammenfanden. Mich erinnerte das an Meeresgetier, vielleicht auch an Heringsschwärme. Entsprechend dem Programmheft soll es sich um die Darstellung eines Bienenstocks mit instinktiver Suche nach sozialer Organisation als Metapher für den Sinn menschlichen Lebens gehandelt haben. Am Ende galt den Tänzerinnen und Tänzern des kanadischen Nationalballetts großer Jubel, vor allem als John Neumeier seine Berufskollegin Karen Kain mit einem Blumenstrauß beglückwünschte.

zuletzt geändert von Ralf Reck, 04.07.2018 12:37:27



 

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