La Fille mal gardee (Frederick Ashton), Ballett der Pariser Oper, Palais Garnier, 27.06.2018 

Ralf Reck, 28.06.2018 01:33:41

Bei der Handlung dieses Balletts hätte sich auch um eine der Episoden in Cervantes „Don Qujote“ handeln können. Ein Mädchen namens Lise soll mit einem reichen Bauernsohn namens Alain verheiratet werden. Sie will ihn nicht, sondern den jungen, aber nicht so begüterten Colas. Mutter Simone hütet Lise, Colas gelingt es jedoch mit Hilfe seiner Freunde sich in Mutter Simones Haus einzuschleichen und sich dort während der Vorbereitungen des Ehevertrages mit Lise als Paar zu zeigen. Der darüber gar nicht so unglückliche Alain verlässt mit seinem empörten Vater das Haus, Mutter Simone stimmt schließlich der Verbindung von Lise und Colas zu. So weit, so gut, es wird viel getanzt, u.a. von einem Hahn und vier Hennen, aber auch von den Freuden und Freundinnen des Protagonistenpaares sowie von den Dorfbewohnern, alles auf technisch hohem Niveau (z.B. präzise Doppeldrehungen aller (!) sechs Freunde Colas). Adrien Couvez überzeugte als vertrottelter Alain, Simon Valastro als Mutter Simone. Die 34 jährige Dorothee Gilbert (Lise) wurde mit Auftrittsapplaus bedacht, war technisch perfekt, blieb aber darstellerisch, anders als ihr mit 25 Jahren deutlich jüngerer Partner Germain Louvet als Colas, öfters im Posenhaften mit häufig wie eingefroren wirkendem Lächeln haften. Louvet überzeugte dagegen mit natürlichem Ausdruck und Sprungkraft, wenngleich ihm das Heben seiner Partnerin durchaus Schwierigkeiten bereitete So stemmte er seine Partnerin am Ende des Grand Pas de deux nur halb hoch und ließ sie dann unfreiwillig nach unten rutschen, ohne die Abschlussfigur hinzubekommen. Sie dankte es ihm mit einem nicht so freundlichen Blick (da wir ganz in der Nähe der Bühne saßen, ließen sich diese Details, die weiter hinten im Zuschauerraum vielleicht gar nicht aufgefallen wären, gut erkennen). Insgesamt war es aber eine schöne Aufführung, zu der auch das Spiel des Orchesters der Pariser Nationaloper unter der Leitung von Philip Ellis beigetragen hatte. Besonders der Klang der Streicher und der Holzbläser während der mehr lyrisch-romantischen Passagen der Musik (Komposition von Louis-Joseph-Ferdinand Herold aus dem Jahre 1828) blieb im Ohr haften.


 

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