Nijinsky (Neumeiers einzigartiges Ballett), Hamburg Ballett, 25.05.2018 

Ralf Reck, 26.05.2018 00:27:52

Wenn John Neumeier nur ein einziges Ballett geschaffen hätte, wäre allein dieses ausreichend, um ihn in die vorderste Reihe der kreativen dramatischen Künstler zu katapultieren. Wie kein anderes Ballett zeugt ‚Nijinsky‘ zudem von der hohen tänzerischen und darstellerischen Kompetenz seiner Compagnie. Obwohl wir das Ballett nun schon so häufig gesehen haben, schien es wieder wie neu, wie so bisher noch nicht gesehen. Zu dem Gelingen dieses Gesamtkunstwerks trug auch das Spiel des Philharmonischen Staatsorchesters unter der versierten Leitung von Simon Hewitt bei (Stücke von Schumann, Rimsky-Korsakow, Schostakowitsch). Großartig in der tänzerischen und darstellerischen Kraft überzeugten Alexandr Trusch als Nijinsky, Carolina Agüero als freudestrahlende und auch leidensheischende Ehefrau Nijinskys Romola (vor allem im Schlitten-Pas de deux) sowie Aleix Martinez als Nijinskys Bruder Stanislaw.

Ansonsten ist das gesamte Ensemble zu loben, zum Beispiel Florian Pohl, wenn er seine Partnerin auf fast zweieinhalb Meter Höhe nur auf dem ausgestreckten Arm tragend mehrfach drehend in die rechte Seitenbühne führt oder Lucia Rios, die als Nijinskys Schwester Bronislava und vor allem im Le Sacre-Solo eine bravouröse Vorstellung bot. Auch der im Ensemble noch als Aspirant geführte, erst 21jährige Borja Bermudez lieferte als Petruschka eine schöne Leistung ab, etwas jugendlicher und weniger tieftraurig gramgebeugt als vormals Lloyd Riggins. Die Übergänge zwischen den einzelnen Szenen, das Ineinanderlaufen der Soli und Gruppenaktionen gelangen bewunderungswürdig und emotional tief berührend, zum Beispiel von Stanislaws großem Solo im zweiten Teil zum stakkatoartigen Auftritt der gut 30 Soldaten, dem dann der berührende Pas de deux Nijinsky/Romola folgt.

Mittlerweile gibt es zu diesem Ballett auch eine DVC/Blue-ray, die kann aber allenfalls als Ergänzung zum Life-Erlebnis dieses Balletts dienen. Die als Film angelegte DVD zeigt das Ballett aus den Augen des Regisseurs, und zwingt dem Zuschauer damit einen ganz bestimmten Blickwinkel auf. Bezwingend sind die Großaufnahmen, etwa von Ivan Urban als Serge Diaghilev, bei dem die Ambivalenz und fast schon mephistophelische Tiefgründigkeit dieser Rolle stärker zur Ausprägung kommt als es heute bei der Interpretation Carsten Jungs der Fall war. Der Aufführung folgte ein hochkonzentriertes Publikum, welches sich am Ende der Vorstellung mit Jubel für alle Mitwirkenden für die großartige Vorstellung bedankte.


 

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