La Bajadère (Petipa/Bart), Bayerisches Staatsballett, 14.10.2017 

Ralf Reck, 15.10.2017 12:14:16

Es war die 96. Aufführung im Münchner Nationaltheater. Zwei hatten wir davon gesehen ( 2000 sowie 2012, letztere mit Svetlana Zakharova und Marlon Dino), daneben zwei Aufführungen beim Hamburg Ballett und zuletzt im April 2013 eine im Marientheater in St. Petersburg (mit Anna Skoric, Vladimir Shklyarov und Kim Kimin). Gestern gab es in München vor ausverkauftem Haus eine hochrangige, viel und lang bejubelte Besetzung mit Laurretta Summerscales (Nikija), die vom Londoner National Ballet nach München als Erste Solistin wechselte und dem „ Ständigen Gast“, dem 27jährigen Sergei Polunin (Solor).

Das Stück (1877) selbst hat Ähnlichkeiten mit dem wesentlich älteren Ballett Giselle (1841; ein Mann liebt unter seinem Stand, heiratet aber karrierebewusst die Herrschertochter. Das verschmähte Mädchen stirbt vor der Pause und taucht danach als Geistwesen wieder auf), erscheint aber dramaturgisch wesentlich oberflächlicher und vor allem pantomimenreicher. Dafür lebt La Bajadère von der indischen Folklore und hier in der Münchner Aufführung auch von dem Schauwert der aufwendigen, farbenfrohen Kostüme (Tomio Mohri).

Für die Tänzerinnen und Tänzer ist es nicht einfach, den Figuren eine gewisse Tiefe zu geben. Laurretta Summerscales überzeugte da auf Anhieb, sowohl tänzerisch als auch vom Ausdruck her. Sergei Polunin, mit (störendem) Auftrittsapplaus bedacht, sprang hoch und weit, ohne jedoch völlig in der Rolle aufzugehen, etwa verglichen mit Shklyarov in der Petersburger Aufführung. Polunin wirkte angespannt und im „Grand Pas“ mit Prisca Zeisel bei den Hebungen auch nicht ganz sicher. Die Spannung seines Auftritts entwickelte sich mehr aus seinem technisch-artistischen als dem tänzerisch-interpretatorischen Vermögen. Bis auf würdevolles Schreiten und (panto)mimische Gesten hatten Ilya Shcherbakov (Radscha) und Norbert Graf (der Große Brahmane) kaum etwas zu leisten, Norbert Graf gelang das aber sehr überzeugend. Insgesamt tanzte das Bayerische Staatsballett auf hohem Niveau, das betraf die tänzerische und darstellerische Leistung von Prisca Zeisel (Gamzatti), das Damenensemble mit dem Einzug der 24 (weißen) Schattenwesen zu Beginn des zweiten Aktes, die drei Variationen (Vera Segova, Elisaveta Kruteleva, Arianna Maldini) und auch den Auftritt des Goldenen Idols (Yonah Acosta).

zuletzt geändert von Ralf Reck, 15.10.2017 12:18:42



 

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