Re: Recherche für Roman 

Traviata, 23.07.2017 16:21:54

Du solltest lieber ein Buch über etwas schreiben, das du kennst. Z.B. ganz einfache Jugendliche, die in der Schule ihre Probleme haben und gleichzeitig mit erster Liebe / erstem Sex usw. usf. fertig werden müssen. Und vielleicht in einem Sportverein sind (dort gibt es nämlich Trainer!).
Wie Mascha schon geantwortet hat - der "Trainer" ist beim Profi-Ballett-Tänzer der "Ballettmeister" bzw. der Choreograph.
Zu deiner Info: ein Choreograph ist ein Mensch, der normalerweise viel Ahnung von Ballett hat, selber Tänzer war oder noch ist, und der ein Tanzstück bzw. ein Ballett "erfindet" - d.h. zu einer von ihm ausgewählten Musik die entsprechenden Schritte, Drehungen, Figuren usw. festlegt. Viele Ballettänzer haben auch choreographiert, so Rud. Nurejew, Patrice Bart, Martin SChläpfer, Christian Spuck, Marco Goecke ... ach noch viele ...

Wie viele Stunden "trainiert" ein Tänzer, der kurz vor seiner Ernennung zum Solotänzer steht?
Also: das "Training" findet im allgemeinen jeden Werktag statt, vormittags, von gegen 09:00 bis gegen 10:30, und es umfasst alles was Balletttänzer eben mal gelernt haben. Zuerst die Übungen an der Stange, danach "im Freien", d.h. unter Ausnutzung der Fläche des Übungssaales (die Ballettstangen werden da natürlich erst weggeräumt!). Das sind dann Drehungen, Sprünge und dergleichen mehr, alles was Raum greift . . .
Dann - wenn er Glück hat - kann der Tänzer eine Pause machen.
Kann auch sein, dass Proben angesetzt sind, es muss ja immer etwas geprobt werden, die Repertoirestücke ebenso, wie ggf. in Vorbereitung befindliche Premieren. Kann auch sein, dass der Probenort am anderen Ende der Stadt ist, sodass der Tänzer zunächst eine Stunde unterwegs ist . . .
Ja - und dann könnte womöglich noch abends Vorstellung sein. Vielleicht auch wieder woanders - hier in Berlin haben wir drei Opernhäuser, die bespielt bzw. "betanzt" werden, das ist nicht alles nebeneinander.

Wie das mit dem Sexleben nach einer Vorstellung ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Was ich immer von den Tänzerinnen und Tänzern gehört habe, das ist die Tatsache, dass sie auch nach Vorstellungsende noch so unter Adrenalin stehen, dass an "zur Ruhe gehen" meist zunächst noch nicht gedacht wird.

Zu deiner Frage Nr. 3: ein Ballettmeister "schikaniert" nicht.
Sein Ziel ist es, eine homogene Truppe zu haben und die Tänzer, die sich dafür eignen, zu fördern und ggf. zu qualifizieren. Warum sollte es "Schikanen" geben? Allerdings - wenn man viel Arbeit und Mühe schon als "Schikane" auffasst, dann . . . nun ja - und wer an die Spitze will, also Solotänzer oder Erster Solotänzer werden will, der muss schon ausgesprochen schwer arbeiten.

ES IST HÖCHSTARBEIT!
ES IST HOCHLEISTUNGSSPORT!
Der Unterschied ist "nur", dass man das den Tänzern und Tänzerinnen nicht ansieht bzw. ansehen darf, wenn sie in der Vorstellung auf der Bühne stehen. Schau dir dagegen mal die Sportler an, mit welch verzerrtem und verkniffenem Gesicht die ihre Übungen absolvieren! Das dürfte ein Tänzer sich gar nicht erlauben.

Nein. Liebste, schreib lieber nichts über das Ballett. Man muss schon gründlich recherchieren und Ahnung haben, sonst wird es nur lächerlich!

Nachtrag
Ich zitiere dich: "...Oder gibt es Übungen im Ballett die wirklich an die Substanz gehen? Ohne natürlich bleibende Schäden zu hinterlassen - aber die Auswirkungen sollten schon so sein, dass "mein" Balletttänzer hinterher ein bisschen liebevolle Pflege braucht. ..."

An die "Substanz" gehen können ganz schlichte (Bühnen- oder Proben-)Unfälle bzw. Ungeschicklichkeiten.
Noch nicht die Glieder richtig aufgewärmt, gesprungen, falsch aufgekommen, Fuß verdreht, verrenkt, verknackst, womöglich Belastungsbruch . . . Klar, nach so etwas kann man liebevolle Zuwendung vermutlich brauchen. Das bedeutet dann nämlich unter Umständen viele Wochen kein Training, keine Proben, keine Auftritte auf der Bühne! So schnell heilen die menschlichen Knochen nun einmal nicht, das kann schlimmen Falls auch ein halbes Jahr dauern.
Aber - durch "schikanöse" Übungen kommt so etwas nicht. Schon eher durch Selbstüberschätzung. Die Tänzer sind nämlich recht sonderbare Menschen: die wollen immer ihr Bestes geben! Und von Kindheit an (eine Ballett"karriere" beginnt so zwischen 7 und 10 Jahren) haben die gelernt, dass sie Schmerzen haben und trotzdem ihre Leistung bringen müssen.
Weil nun die Tänzer ohnehin daran gewöhnt sind, bei der Arbeit Schmerzen auszuhalten, wird oft nicht auf Alarmsignale des Körpers geachtet. Sie tun (aus künstlerischen Gründen, aus Karrieregründen) des Guten zu viel und - Belastungsbruch . . . !!!
.

zuletzt geändert von Traviata, 23.07.2017 16:47:01


. . . quanto piace al mondo è breve sogno.
(Francesco Petrarca)


 

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