LEUTE



Berlin

NEU DENKEN. ANDERS HANDELN. TRANSIT.

Interviewreihe zum Förderprogramm DIS-TANZ-SOLO: Nadja Raszewski, Künstlerische Leitung TanzTangente, Choreografin, Tanzpädagogin



Nadja Raszewski entwickelte mithilfe der Förderung eine Plattform, die Künstler*innen weltweit miteinander vernetzt und gemeinsam an künstlerischen Projekten digital und interdisziplinär arbeiten lässt. Entstanden ist „Transit“.


  • Nadja Raszewski Foto © Katja Zern
  • Projekte von Nadja Raszewski Foto © Oliver Raszewski
  • Simulation Nadja Raszewski Foto © Oliver Raszewski

Im vergangenen, von der Corona-Pandemie geplagten Theaterjahr unterstützte das Förderprogramm DIS-TANZ-SOLO vom Dachverband Tanz Deutschland e. V. als Teil des HILFSPROGRAMMS TANZ / NEUSTART KULTUR soloselbständige Tanzschaffende. In einer Interviewreihe befragt tanznetz.de einige Künstler*innen, deren künstlerische Projekte im Rahmen dieses Programms gefördert wurden, zu ihren Erfahrungen mit DIS-TANZ-SOLO. Wie bewerten sie den Nutzen und die Nachhaltigkeit der Förderung? Und welchen Stellenwert nimmt diese für das künstlerische Schaffen in Zeiten der Pandemie ein?

Nadja, was war Deine Idee für DIS-TANZ-SOLO?

Im Oktober 2020 war in der TanzTangente in Berlin eine Ausstellungseröffnung mit 14 Tänzer*innen aus Berlin unter meiner Leitung geplant. Für 240 Bilder von dem bildenden Künstler Oliver Raszewski, die bereits in den 1990er Jahren, kurz nach dem Fall der Berlin Mauer, entstanden waren, komponierte Michael Gould, Komponist und Professor für Percussion an der School of Music / University of Michigan, 240 Sounds, die in eine eigens dafür programmierte Computer-App integriert wurden. Die Ausstellung konnte dann aber wegen des Lockdowns nicht stattfinden.
Dieser Umstand machte den künstlerischen Inhalt der Ausstellung noch relevanter, und es entstand die Idee, das Projekt als digitale Performance unter einer neugegründeten Organisation – siida performing network – zu gestalten. Mithilfe der Dis-Tanz-Solo-Förderung konnte ich dieses Projekt und damit meine zentrale Recherchefrage weiterentwickeln: „Kunst eröffnet Räume, in denen Ideen, Reflexionen, Emotionen entwickelt und verhandelt werden können. Wie können zukünftig partizipative Strategien und konkrete Schritte dafür aussehen.“ Im Januar 2021 begann das siida performing network Einladungen an Tänzer*innen und Künstler*innen aus der ganzen Welt zu versenden, sich dem Transit-Projekt anzuschließen. Im Juli 2021 wurde die erste Micronauten-Bildserie aus dem größeren Werk „Transit“ mit 60 Tanzvideos aus aller Welt fertiggestellt. Inzwischen senden wir Bilder und Sounds für die nächste Bilderserie („Spaces“), das Projekt geht also weiter.
Alle bislang entstandenen Tanz- und Kunstvideos und mehr Informationen zu dem Transitprojekt findet man unter der innerhalb der Förderung entstandenen Website: www.siida-performing-network.art.

Warum hast Du dieses Förderprogramm gewählt? Was hat die Förderung speziell in den hochpandemischen Zeiten für Dich bedeutet? Finanziell und inhaltlich?

Präambel aus dem Fördervertrag: „Es können Vorhaben gefördert werden, die eigene Arbeitsmethoden neu justieren und reflektieren sowie Wissen erweitern und innovative Arbeitsweisen formulieren. Ebenso können mit den Vorhaben neue Felder betreten und ausprobiert werden sowie neue Methoden bzw. Theorien erlernt werden.“ Dieser Absatz hat mich besonders angesprochen, und das Stipendium hat mir die Möglichkeit gegeben, mutig zu sein und neue künstlerische Felder zu betreten, trotz der unsicheren wirtschaftlichen Lage, in der sich die TanzTangente befand, deren künstlerische Leitung ich bin ( www.tanztangente.de).
Zudem hat mich die pandemische Lage (Lockdown, Kontaktsperre etc.) auch dazu „inspiriert“, das Konzept der Ausstellung viel größer zu denken, als ich es ursprünglich geplant hatte.

Stehen Antragsaufwand und Nutzen im richtigen Verhältnis?

Für mich standen Aufwand und Nutzen in einem optimalen Verhältnis. Der Verwaltungsaufwand sowohl für die Antragstellung als auch für den Abschlussbericht war im Gegensatz zu vielen anderen Förderprogrammen absolut angemessen. Zudem wurde von Förderseite her die Möglichkeit gegeben, Ergebnisse der Recherche auf einem dafür entwickelten Blog zu veröffentlichen, sich selbst damit zu zeigen, aber auch einen Überblick über andere geförderte Projekte zu bekommen.

War der Förderzeitraum ausreichend, um Dein Projekt abzuschließen bzw. zu wirklicher Vertiefung zu gelangen?

Ja, unbedingt. Ich hatte die Möglichkeit, das Projekt weiterzuentwickeln und an einen Punkt zu bringen, an dem es jetzt auch unabhängig von der Förderung weiterlaufen kann.

Wie nachhaltig findest Du Dein Projekt? Kannst Du jetzt noch davon profitieren?

Ja, unbedingt ! Es ist die Website www.siida-performing-network.art entstanden, auf der das Projekt „Transit“ weiterläuft und ich auch weiterhin ein Teil dieser Vernetzung sein. Das siida performing network bringt Künstler*innen aller Genres live, gegenwärtig, digital, international und grenzüberschreitend aus unterschiedlichen Kompanien, Crews und künstlerischen Kontexten zusammen. Es ist eine gemeinnützige Initiative, eine Plattform für Begegnungen und steht für Kooperation, Kollaboration, künstlerische Auseinandersetzung und kreativen Austausch.

Würdest Du anderen Künstler*innen oder Tanzschaffenden eine Bewerbung bei dieser Förderung empfehlen?

Selbstverständlich und auf jeden Fall – habe ich auch schon getan. Einige Tanzpädagog*innen aus dem Team der TanzTangente haben sich beworben und ähnlich positive Erfahrungen mit der Förderung gemacht.

Was bedeutet der Begriff „Distanz“ – DIS-TANZ – für Dich?

Diese Frage effektiv beantworten zu wollen, würde vermutlich den Rahmen sprengen. Tatsache ist, dass der Begriff Distanz, über den ich mir vor der Pandemie nie wirklich Gedanken gemacht habe, über die Zeit hinweg definitiv seine eher negative Konnotation verändert hat. Für das Projekt, das ich entwickeln konnte, hat der Begriff eine positive Bedeutung bekommen, da es Teil der Inspiration und es zu meinem Projekt wurde, Künstler*innen von überall auf der Welt und über weite Distanzen hinweg, sozusagen „tanzend“ auf einem Portal zusammenzubringen und sich auch weiterhin zu vernetzen. Ich bin damit meiner ureigenen und langjährigen Utopie, unterschiedliche Menschen kulturell, divers, fantasievoll und beweglich in einen künstlerischen Diskurs zu bringen, ein Stückchen nähergekommen.

HIER zur Website von siida performing network

Veröffentlicht am 13.01.2022, von Anna Beke in Leute, Themen

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Kommentare zu "Neu denken. Anders handeln. Transit."



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