PREMIEREN



Ludwigshafen

EIN FEST - WAS SONST!

Eine Gala des Mexikanischen Nationalballetts eröffnet die Festspiele im Pfalzbau



Die Ludwigshafener Festspiele sind zurück – jetzt erst recht. Nach Corona-bedingten Absagen im letzten Jahr lockt jetzt ein umfangreiches Programm mit dem Nachholen aufgeschobener Gastspiele und ganz neuen Formaten.


  • Das Mexikanische Staatsballett bei der Eröffnung der Festspiele in Ludwigshafen Foto © Nath Martin

Wie gewohnt ist Ballett ein großer Programmschwerpunkt - in diesem Jahr kuratiert von Marco Goecke, der gerade am Anfang seiner ersten regulären Spielzeit als Ballettchef in Hannover steht. Zum Festivalauftakt bescherte er dem Ludwigshafener Publikum ein regelrechtes Fest: eine Gala des Mexikanischen Nationalballetts.

Dessen Co-Direktorin Elisa Carrillo Cabrera, langjährige Solistin am Berliner Staatsballett, weiß wie eine zeitgenössische Ballettkompanie aufgestellt sein muss. Und sie weiß auch, was für ein Galaprogramm in Deutschland zieht – und wie man jeden vielleicht möglichen Anfangsverdacht auf ein bisschen Repertoirebehäbigkeit oder Folklore-Kitsch ein für alle Mal ausräumt.

Das glänzende Opening der Ballettgala zeigte mit einer Choreografie von Uwe Scholz eindrucksvoll, in welcher Liga die lateinamerikanische Truppe tanzt. Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 3 gilt angeblich als das Musikstück mit den meisten Noten pro Sekunde im Klavierpart. Dem setzt der durch seine höchste Musikalität berühmt gewordene Scholz eine Mischung aus gebündelter Power im großen Ensemble (30 Tänzerinnen und Tänzer) und skulptural geformter Posen und Hebungen ein.

Ebenso kraftvoll, aber im ureigenen, unverwechselbaren Stil von Marco Goecke (schwarze weite Hosen, blanke Männerrücken und artifizielles Armeschleudern) gelang der krönende Abschluss des Abends. Die Choreografie „All long dem Day“ erlebte sogar in Ludwigshafen ihre Premiere: die Kompanie meisterte das mitreißende Stück, das vom Bewegungsdialog mit der Stimme von Nina Simone und einem originell eingesetzten Schlagzeug lebt, mit Bravour.

Eine weitere Bühnenpremiere erlebte ein Solo, das im Lockdown entstand. Rosario Marillo, seit vier Jahrzehnten Ausbilderin auf der Tanzbühne, studierte das Stück „… Nostaliga de lo que Nunca Fuimos …“ per Skype und Zoom ein. In dieser fließenden, ästhetisch feinst abgestimmten Choreografie ließ die Tänzerin Elisa Ramos ihre Sehnsucht und das Nachdenken über Raum und Zeit mit jeder Faser ihres Körpers spürbar werden.

Zwischen all dem gab es einen Mix aus bewährten Galabausteinen wie den berühmten Pas de Deux aus „Le Corsaire“ – seit den Zeiten von Nurejew und Margot Fonteyn eine beliebte Glanznummer für virtuose Tänzer*innen – und einen Starauftritt für Elisa Carrillo Cabrera mit Ehemann Mikhail Kaniskin (ebenfalls Solist am Berliner Staatsballett) in einem Pas de Deux aus „Kazimir’s Colours“ von Mauo Bigonzetti. Der inzwischen längst salonfähige Mix aus Ballett und Street Dance fand seinen Eingang im Trio „Casta Diva“ von Yazmin Barrágan und Vincenzo Bellini. In dem attraktiven Stück erkunden zwei Tänzer und eine Tänzerin Inspiration und Reibung von und mit klassischer Musik von Bach und Bellini: ein zeitgenössisches Turnschuh-Statement gegenüber dem ansonsten dominierenden Spitzentanz.

Veröffentlicht am 08.10.2021, von Isabelle von Neumann-Cosel in Premieren, Homepage, Gallery, Kritiken 2021/2022

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