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Dresden

SO GEHT’S AUCH

Die Soirée der Palucca Hochschule für Tanz unter freiem Himmel



Die jährliche Soirée der Palucca Hochschule für Tanz wird erstmals nicht in der Semperoper, sondern auf einer Open-air-Bühne auf dem Campus der Hochschule veranstaltet. Dabei spricht nicht nur das Ambiente dafür. Auch die begrenzten künstlerischen Möglichkeiten haben entscheidende Vorteile.


  • „January Seven“ von Riccardo De Nigris. Studierende des ersten Studienjahres des BA Tanz Foto © Ida Zenna
  • „Six For Nine“ von Prof. Rita Aozane Bilibio. Studierende der dritten Nachwuchsförderklasse Foto © Ida Zenna
  • „Für Clare“ von Tim Couchman. Studierende der zweiten Nachwuchsförderklasse Foto © Ida Zenna
  • „A Collective Motion“ von Kristian Lever: Studierende der vierten Nachwuchsförderklasse Foto © Ida Zenna

Mit dem Stammpublikum der jährlichen Leistungsschau der Palucca Schule Dresden, zu der nicht wenige extra nach Dresden anreisen, ließ sich in den vergangenen Jahren mühelos die Semperoper füllen. Das Auditorium der neuen Sommerbühne auf dem Campus fasst, nicht nur coronabedingt, natürlich nur einen Bruchteil. Die Konsequenz daraus, gleich mehrere Vorstellungen anzubieten, geht auf. Alle Vorstellungen sind ausverkauft. Gleichzeitig besteht ein Vorteil für die Schüler*innen und Studierenden der Hochschule darin, die Arbeiten mehrmals präsentieren zu können.

Selbstredend sind auf dieser neuen Bühne, die gut und gerne 100 Quadratmeter umfasst, die künstlerischen Möglichkeiten begrenzt, wenn es darum geht, unter Einsatz von Licht das choreografische Material effektvoll zu unterstützen. Tatsächlich hat sich gezeigt, dass das gar kein Manko darstellt. Das Publikum ist deutlich näher dran, nichts lenkt von den Leistungen der Tänzerinnen und Tänzer ab. Denn im eigentlichen Sinn handelt es sich ja auch um eine Leistungsschau der Schule.

Neun Choreografien wurden dafür von den Schüler*innen und Studierenden erarbeitet; verletzungsbedingt musste allerdings bereits zur zweiten Vorstellung eine der Arbeiten aus dem Programm genommen werden. Dem Rest hat das natürlich keinen Abbruch getan. Wie immer beginnt der Abend mit den Jüngsten, der ersten und zweiten Orientierungsklasse. Und wie immer liegt hier eine pfiffige Arbeit vor, die ihrem Alter gerecht wird. Angela Forners Choreografie lässt mit „Ein(durch)blick“ alle Beteiligten locker und mit Elan agieren, ein bisschen jazzig angehaucht. Die Begeisterung darüber stand tatsächlich einigen der Tänzerinnen und Tänzer buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Es gibt wohl kaum etwas Schöneres, das unablässige Grinsen Einzelner auf der Bühne zu verfolgen.

Die Kostüme sind zwischen den einzelnen Arbeiten abgestimmt. Es sind schlichte Oberteile, Röcke, Kleider, Hosen, die allesamt monochrom daherkommen, für jede Arbeit jedoch eine andere Farbkombination wählen, so dass eine klare Unterscheidung entstanden ist. Auch die Auswahl der Musik gestaltet den Abend abwechslungsreich. Schwere Klavierklänge Arvo Pärts gehören wohl obligatorisch dazu, aber auch dröhnende Beats, atmosphärische Synthies und lebhafter Calypso von Harry Belafonte.

Die choreografischen Ansätze lassen sich allesamt als zeitgenössische Interpretationen klassisch inspirierten Bewegungsmaterials lesen, immer mal wieder mit kleinen Ausbrüchen in urban angehauchte Ansätze. Dass die Hygienebestimmungen hier keine intensiven Momente körperlicher Nähe erlauben, fällt dabei nicht ins Gewicht. Es scheint geradezu, die choreografische Originalität stünde gar nicht so sehr im Vordergrund. Vielmehr ist es die Präsentation individuellen Könnens. Und das geht auf. In jeder Arbeit sind die entscheidenden Partien mit den richtigen Zugpferden besetzt, die alles zusammenhalten und alle Beteiligten mitnehmen. Vereinzelte Solos und Duos, vor allem der höheren Klassen, werfen Schlaglichter auf ganz besondere Momente.

Das gesamte Konzept überzeugt, und Jason Beechey wurde mit den Worten zitiert, dass es auch zukünftig eine Sommerbühne geben solle, natürlich unter weiterführender Kooperation mit dem Ballett der Semperoper. Dieses profitiert schon dieses Jahr davon und hat einen Abend mit Ausschnitten aus dem neuen mehrteiligen Programm „A Collection of Short Stories“ gezeigt.

Die Stipendiaten sind in diesem Jahr allesamt männlich. Das DAAD-Stipendium erhielt Michael Tucker, der bereits als Solotänzer an der Semperoper und im Ensemble der Dresden Frankfurt Dance Company zu erleben war. Aktuell hat er den Master-Studiengang Dance Teacher an der Palucca-Hochschule belegt. Aus dem Master-Studiengang Choreografie kommt der ungarische Stipendiat Gábor Halász. Carl Becker (Bachelor-Studiengang Tanz, 2. Studienjahr) und Kanata Ijima (Bachelor-Studiengang Tanz, 1. Studienjahr) sind die weiteren Preisträger. Letzterer erhielt das Deutschlandstipendium.

Veröffentlicht am 13.07.2021, von Rico Stehfest in Homepage, Gallery, Kritiken 2020/2021

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Kommentare zu "So geht’s auch"



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